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Der graue Dichter am Meer

Lübeck Der graue Dichter am Meer

Im September jährt sich Theodor Storms Geburtstag zum 200. Mal - zum Jubiläum erscheint ein Buch und es gibt eine Tagung sowie Feierlichkeiten in seiner Geburtsstadt Husum. Storm ging aber auch in Lübeck zur Schule - auf das Katharineum.

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Husumer von Geburt und Neigung: Theodor Storm (1817-1888), hier auf einem Ölgemälde im Storm-Haus in der Heimatstadt des Dichters und Juristen.

Quelle: AXEL HEIMKEN/DPA

Lübeck. Als alles verloren ist und Frau und Kind versunken sind, gibt der Deichgraf seinem Pferd die Sporen und stürzt sich ebenfalls in die Fluten. „Herr Gott, nimm mich, verschon die anderen!“, ruft er. Das ist das Ende des „Schimmelreiters“, wie wir es kennen.

LN-Bild

Im Juli mit 97 Jahren verstorben: Karl Ernst Laage.

Quelle: Foto: Int

Tatsächlich aber hatte Theodor Storm ursprünglich eine andere Fassung für seine Novelle geschrieben. In der wurden Ross und Reiter von einem „schwarzen Unding“ davongetragen, dann folgte der Satz: „Wen der Teufel in seinen Krallen hat, dem kann nur Gott zu Hilfe kommen.“ Aber das schien dem Dichter aus Husum zu gespenstisch, zu geisterhaft, also wählte er einen anderen Schluss.

Nachzulesen ist das in einem Buch Karl Ernst Laages zu Storms 200. Geburtstag im September. Es ist eine Art Vermächtnis geworden, denn der Ehrenpräsident der Storm-Gesellschaft ist am 11. Juli 97-jährig in Husum gestorben. Laage hat sich außerordentlich verdient gemacht um das Erbe und Andenken Storms und war Autor zahlreicher Bücher über den größten Sohn seiner Stadt. Nicht zuletzt hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass aus Storms früherem Wohnhaus in der Husumer Wasserreihe das heutige Museum wurde.

25 kleinere Aufsätze sind in seinem letzten Band versammelt. Es sind teils Detailstudien für StormKenner, teils Untersuchungen von allgemeinem Interesse. Etwa zu der Frage, ob Storm am 14. oder 15. September geboren ist. Vom 15. ist in einem Husumer Kirchenbuch die Rede, der Dichter selbst jedoch schrieb, er sei „in der Mitternachtsstunde“ zur Welt gekommen, und vertraute seiner Mutter, die sich auf den 14. September festgelegt hatte. Dabei, meint Laage, sollte man es auch belassen.

Storms Lübecker Zeit auf dem Katharineum ist ebenso Thema wie seine Jahre als Kreisrichter im thüringischen Heiligenstadt oder seine Beziehung zu Theodor Fontane. Von den vier Eulen an Storms Schreibtisch ist die Rede, die ein gewisser Emil Hansen geschnitzt hat, ein Flensburger Möbeltischler, der sich später Nolde nannte und als Maler zu einigem Weltruhm kommen sollte. Laage befasst sich mit der Freundschaft Storms zu dem Soziologen Ferdinand Tönnies, der den Älteren als einen „Freund der einfachen Menschen“, der „Ausgestoßenen“ beschrieb. Auch sei er ein Demokrat gewesen, wenn auch „mehr im ethischen als im politischen Sinne“.

Das ist im Kern nicht neu und so etwa in der äußerst lesenswerten Storm-Biografie von Jochen Missfeldt aus dem Jahr 2013 nachzuschlagen. Aber Laage geht oft noch mehr ins Detail, fördert neue Belegstellen zutage und neue Verweise. Auch beleuchtet er eher abseitige Aspekte wie den „Todes-Kamin“ im Husumer Schloss oder die Bedeutung des Urgroßvater-Hauses für Storms Dichtung. Und er wirft ein Licht auf die Storm-Stiftung „zum Wohle der Arbeiter“, die der Direktor des Husumer Gymnasiums zu Storms 70. Geburtstag gegründet hatte.

In Husum wird der 200. Dichter-Geburtstag in diesem Jahr mit diversen Veranstaltungen gefeiert. Am 14. September findet im Ratssaal ein Festakt statt, in der Woche zuvor unter dem Titel „Storms Wissen“ eine viertägige Jubiläumstagung der Storm-Gesellschaft mit Vorträgen, Gesprächsrunden, Lesung, Konzert und Theater. Auch wird ein neues Storm-Handbuch vorgestellt. Bis Ende Oktober läuft zudem im Storm-Haus noch die Sonderausstellung zu Storm und Theodor Mommsen, und bei den Husumer Filmtagen gibt es mehrere Storm-Verfilmungen zu sehen.

„Theodor Storm zum 200. Geburtstag“ von Karl Ernst Laage, Boyens Buchverlag, 153 Seiten, 16,95 Euro

Gefeierter Autor

„Der Schimmelreiter“ ist Theodor Storms berühmteste Novelle. Er hat sie kurz vor seinem Tod im Jahr 1888 geschrieben. Da war der Jurist längst ein gefeierter Autor, der spätestens mit der Novelle „Immensee“ (1849) auch über die deutschen Grenzen hinaus bekannt geworden war.

  Karl Ernst Laage war Sekretär, wissenschaftlicher Leiter und später Präsident der Theodor-Storm-Gesellschaft. Der promovierte Germanist und Slawist hat lange an der Universität Kiel gelehrt.

 Peter Intelmann

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