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Kultur im Norden Der große Bruder
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19:12 04.01.2018
Pablo Casals – der „König des Bogens“. Bis heute gilt er als einer der größten Cellisten. Er verstarb 1973.

Dann hatten die Eltern ein Einsehen und ließen den kleinen Gautier etwas anderes ausprobieren – und das war ein Volltreffer. „Das Cello habe ich von der ersten Minute an geliebt“, sagt er über die Begegnung mit dem Instrument, das sein weiteres Leben bestimmen sollte. „Ich muss unbewusst fasziniert gewesen sein von der geschwungenen Form des Cellos und von der Art, wie man es umfasst“, sagt er. Und dann erst der Klang: „Alle Töne, die man spielt, schwingen durch den ganzen Körper.“

Damit hat Capuçon früh herausgefunden, was das Violoncello von seiner nächsten Verwandten, der Violine, wesentlich unterscheidet: Während man sich die Geige in unbequemer Haltung unters Kinn klemmen muss, erscheint ihr tief tönender Bruder als natürliche Fortsetzung des menschlichen Körpers: Das Cello ist die sinnliche Variante der Geige.

Das bedeutet aber nicht, dass das Instrument, das wegen seines melancholischen Klangs lange als „Kummerkasten“ verspottet wurde, allerorten beliebt wäre. In Konzerten ist es sehr viel seltener solistisch zu hören als Geige oder Klavier. Es kann nicht schaden, wenn die deutschen Landesmusikräte das Violoncello nun als Instrument des Jahres 2018 ins Rampenlicht rücken.

Es verdient Beachtung wie die Ess-Kastanie oder der Star, die Baum, beziehungsweise Vogel des Jahres sind: Ähnlich wie Tier- und Pflanzenpopulationen scheint nämlich auch das Vorkommen an Cellisten im Laufe der Zeit stark zu schwanken. Dass das Cello vergleichsweise selten im Mittelpunkt der Konzertpodien steht, liegt zumindest für Capuçons deutschen Kollegen Leonard Elschenbroich nicht am Repertoire für sein Instrument, sondern an der Qualität der Solisten. „Bis vor 20 Jahren gab es nicht so viele gute Cellisten“, sagt er, „darum hat man ihnen traditionell weniger Auftrittsmöglichkeit eingeräumt.“

Seit Pablo Casals habe es zwar immer einige wenige große Musiker gegeben, die nicht schlechter gewesen seien als die besten heutigen Cellisten. „Abgesehen von denen war das technische und musikalische Niveau aber nicht mit den Geigern zu vergleichen.“ Mstislaw Rostropowitsch etwa habe den Komponisten Sergei Prokofjew Anfang der Fünfzigerjahre gebeten, ein Stück zu schreiben, das so schwer sein sollte, dass nur er es spielen könne: die „Sinfonia Concertante“. „Heute ist das Stück regelmäßig schon bei ,Jugend musiziert’ zu hören.“

Genau erklären lässt sich dieser Niveausprung nicht. Elschenbroich sieht eine „Wellenbewegung“ in der Entwicklung des Instruments. Und die hat gerade Platz geschaffen für viele gute Musiker wie nie zuvor. So sind Gautier Capuçon und Sol Gabetta, die mit ihren Aufnahmen regelmäßig die Klassikcharts anführen, bei Weitem nicht allein in der Konzertwelt. „Die Konkurrenz hilft dabei, das Instrument als Soloinstrument nach vorn zu bringen“, sagt Elschenbroich. Das Instrument des Jahres hat seine große Zeit womöglich erst noch vor sich.

Das Cello

Das Violoncello wird von Geigenbauern hergestellt. Den Beruf des Cellobauers gibt es aber nicht.

Die berühmtesten Instrumente stammen von Antonio Stradivari und tragen Namen wie „Mara“, „Romberg“ und „Duport“. Ihr Wert wird auf bis zu zwölf Millionen Euro geschätzt. Die Musiker, die sie spielen, besitzen die Instrumente nur leihweise.

Die Zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker waren Vorbild: Inzwischen gibt es in Japan regelmäßig „Konzerte der 1000 Cellisten“.

Stefan Arndt

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