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Der junge Sound Serbiens

Lübeck Der junge Sound Serbiens

Barbi Markovic und Vladimir Kecmanovic zu Gast im Buddenbrookhaus.

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Sie lasen in Lübeck: Vladimir Kecmanovic und Barbi Markovic.

Quelle: Foto: D. Kurz-Kohnert

Lübeck. „Superheldinnen“ heißt der neugierig machende Titel des Romans von Barbi Markovi. Mit „Sibirien“ entführte ihr Schriftstellerkollege Vladimir Kecmanovic, geboren in Sarajewo, im Gewölbekeller des Buddenbrookhauses das Publikum in die Unterwelt des Balkans. Die beiden Nachwuchstalente aus der Literaturszene Serbiens lasen aus ihren inhaltlich und technisch gänzlich unterschiedlichen Werken.

Barbi Markovic ist in Belgrad geboren und lebt und arbeitet seit zehn Jahren in der österreichischen Metropole Wien. Ihr Roman um drei Frauen lassen autobiographische Züge erkennen: Auch ihre Protagonistinnen sind als Migrantinnen nach Wien gezogen, um es zu etwas zu bringen. Ihr Ziel: Aufstieg in den Wiener Mittelstand. Aber sie scheitern, obwohl sie als „Superheldinnen“, angelehnt an die Superfrauen aus der Comicwelt, über übernatürliche Fähigkeiten verfügen.

Der collageartige Roman mit seinem ironischen Unterton beschreibt nicht nur die Eigentümlichkeiten der Stadt Wien, sondern auch von Berlin, Sarajevo und Belgrad. Die Autorin: „Ich habe meine Beobachtungen in den Städten aufgeschrieben und eingeflochten.“ Barbi Markovic las ihre Texte in österreichisch gefärbtem Deutsch selbst. Vladimir Kecmanovic trug einen Teil auf Serbisch vor, weitere Passagen interpretierte die junge Schauspielerin Jule Nero auf Deutsch. Sie schlüpfte in die Haut der Protagonisten – sie schrie, fluchte, drohte. Typographisch ist der Text von Kecmanovic ungewöhnlich: Fast jede Zeile steht für sich, mit viel Luft dazwischen. Er benutzt das Twittern und den Jugendjargon als Stilmittel.

„Eigentlich sollte es auf Wunsch meiner Freundin Tanja ein Liebesroman werden,“ berichtet Kecmanovic, „aber es ist ein Thriller geworden.“ Die Literaturagentin Jelena Dakic, die sich für einen Austausch zwischen norddeutschen und serbischen Autoren stark macht, übersetzte. Sara Dusanic moderierte die Lesung, die im Rahmen des Literatursommers Schleswig-Holstein stattfand. Der Schwerpunkt sind Serbien, Bosnien und Herzegowina. Kecmanovic hielt mit seiner Kritik an der Politik seines Landes nicht hinterm Berg. Als es spannend wurde, war die Veranstaltung nach gut zwei Stunden zu Ende.

Man hätte sich weniger Lesung und mehr Diskussion gewünscht. dku

LN

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