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Der mit den Möwen singt

Niendorf Der mit den Möwen singt

Von Nena bis Cat Stevens, von David Bowie bis Procol Harum – Gustav Peter Wöhler nahm mit seiner Band in Niendorf einen großen Anlauf.

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Spielten sich durch vier Jahrzehnte Rockgeschichte: Gustav Peter Wöhler und der Bassist Olaf Casimir. Zur Band gehören noch der Pianist Kai Fischer und der Gitarrist Mirko Michalzik.

Quelle: Foto: Erik Nielsen

Niendorf. Er wollte „Rubber Soul“ von den Beatles und bekam „Aftermath“ von den Rolling Stones. Gustav Peter Wöhler war jung und enttäuscht. Aber sein Vater hatte gemeint:

„Lange Haare sind lange Haare, das merkt der Junge gar nicht“, und dann gab es halt das falsche Geschenk.

Inzwischen hat Wöhler jr. die Stones längst schätzen gelernt, sehr sogar. So sehr, dass sie am Mittwochabend in der ausverkauften Niendorfer Evers Werft zu hören waren. Mit „Mother’s Little Helper“, einem Song von „Aftermath“.

Seit mehr als zwanzig Jahren ist Wöhler mit seiner Band unterwegs, ein Schauspieler mit deutlichem Hang zur Musik. Er hat bei Peter Zadek in Hamburg Shakespeare gespielt und ist von „Soul Kitchen“

bis „Tatort“ ständiger Gast in Kino und Fernsehen. Man kommt kaum an ihm vorbei. Aber die Musik lässt ihn nun mal nicht los. Und dann stellt er sich auf eine Bühne und singt eine Reihe von Songs, die ihm besonders am Herzen liegen.

Als Platte seines Lebens hat er mal Genesis’ „The Lamb Lies Down On Broadway“ bezeichnet. Davon gab es in der Schiffbauhalle nichts zu hören. Ansonsten aber arbeitete er sich mehr als zwei Stunden durch vier Jahrzehnte Rockmusik, unterstützt von drei großartigen Musikern an Bass, Gitarre, Flügel und Hammond-Orgel, einer eingespielten Einheit, die nicht mehr viel Abstimmung braucht, um auch so zu klingen.

Der Meister selbst aber fand nur schwer ins Spiel. Er hatte anfangs manchmal Mühe, sich gegen die Kollegen zu behaupten und irgendwie wohl auch gegen sich selbst. „I’m much too fast to take that test“, sang er bei David Bowies „Changes“, und da mochte man nicht widersprechen.

Aber er kämpfte sich durch. Er wurde lockerer. Er fand zu der Form von vor vier Wochen an gleicher Stelle. Da hatte er beim Jazz-Baltica-Familienkonzert den Erzähler bei den „Bremer Stadtmusikanten“

gegeben und nicht lange gebraucht, um das tollste Zirkuspferd in der Manege zu sein. Da tobte er über die Bühne, ein nicht eben großer und nicht eben schlanker Mann, aber mit einer besonderen Anmut, gerade auch im Kopf. Und auch jetzt wurde er besser, je länger der Abend dauerte, bis er bei der letzten Zugabe vollends mit sich im Reinen war.

Bis dahin hatten sie fast das komplette letzte Album „Shake A Little“ gespielt und noch einige Songs mehr. Eine Reihe von Songwritern war da zu hören, von Jackson Browne bis Suzanne Vega. Aber auch anderes, das mal mehr und mal weniger entlegen war. Das Electric Light Orchestra hatte Wöhler 1972 in der Dortmunder Westfalenhalle erlebt, sein erstes Festival, jetzt spielten sie ihr „Can’t Get It Out Of My Head“. Sie fanden von Nena zu Procol Harum, von Steve Miller zu Tim Hardin und Cat Stevens, und oft verließen sie dabei die gewohnten Bahnen und landeten in jazzigen Bereichen. Das geriet wie bei „Bridge Over Troubled Water“ wunderbar, U2’s „In The Name Of Love“ aber wurde jeder Rock’n’Roll und damit jede Kraft ausgetrieben. Annie Lennox’ Ballade „Why“ sang Wöhler mit geschlossenen Augen und ganz bei sich, ein Pavarotti aber wird er wohl nicht mehr werden.

Dafür ist er ein großer Entertainer, einer, der spontan reagieren und improvisieren kann und zum Schluss ein geschenktes Regencape auf berückende Weise in Eric Claptons „Wonderful Tonight“ einbaute.

„Do I look alright?“, sang er da in seiner blauen Hülle. Ja, alright, sehr sogar, das konnte man so sagen. Und manchmal passte es auch ganz ausgezeichnet, wenn in ruhigen Passagen draußen die Möwen zu hören waren.

Junge Meister am Cello

Ein Meisterkurskonzert ist kein Wettbewerb. Das Miteinander der jungen Cello-Talente war daher auch entspannt und fröhlich. Lehrer Wolfgang Emanuel Schmidt umarmte die sechs jungen Männer und die drei jungen Frauen sowie Klavierbegleiterin Keiko Tamura nach dem Konzert und zeigte so seine Anerkennung für ihre enorme Leistung. Das Publikum im ausverkauften Konzertsaal des Herrenhauses Hasselburg hatte zuvor schon jeden Einzelnen mit großem Applaus versehen.

Zehn Minuten hatten die jungen Talente Zeit, um sich zu präsentieren, um neben der Technik vor allem auch ihre Gefühle zu zeigen. Am bewegendsten war Margarita Balanas aus Lettland. Eine zarte junge Frau in einem langen roten Kleid spielte das Andante aus Sergei Rachmaninoffs Sonate für Violoncello und Klavier in g-Moll. Sie hatte die Hörer im Saal komplett vergessen, versank in der Musik und hinterließ einen tiefen Eindruck. Für bekannte Werke oder besonders virtuose Stücke gab es neben dem Beifall auch noch Bravorufe. Darüber freuten sich Daniel Arias aus Venezuela (er spielte Robert Schumanns Adagio und Allegro As-Dur op. 70), John Crawford aus den USA (mit zwei Sätzen aus Edvard Elgars Cellokonzert in e- Moll), Lukas Schwarz aus Lübeck (mit einer Max Reger-Suite für Cello solo) und Sebastian Fritsch aus Stuttgart: Fritsch bekam als einziger ein anderes Zeitfenster. Er spielte Schumanns durchkomponiertes Cellokonzert a-Moll op. 129. Sein großes Talent rechtfertigte eine Sonderbehandlung. Aber fair war das nicht, denn so wurde es am Ende doch ein Wettbewerb mit einem Erstplatzierten ganz am Schluss. Cornelia Schoof

Gelernter Kaufmann

Gustav Peter Wöhler (61) ist in Eickum bei Herford groß geworden. Seine Eltern hatten dort einen Gasthof. Nach ihrem frühen Tod wuchs er bei seiner Schwester auf, lernte Großhandelskaufmann und ging auf Anraten seines ehemaligen Religionslehrers in Bochum auf die Schauspielschule.

In Bochum bei Claus Peymann hatte er auch sein erstes Engagement, bevor ihn Peter Zadek ans Hamburger Schauspielhaus holte, wo er mit Eva Mattes, Ulrich Wildgruber und Angela Winkler im Ensemble war. Seit ’96 arbeitet er als freier Schauspieler.

Peter Intelmann

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