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Kultur im Norden Der mitreißende Herr O‘Neill
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21:15 21.09.2013
„Herbstporträts“: Eric Bass mit dem Mann, der sich nicht von seinen Fesseln lösen kann. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen

Der New Yorker Straßenmusiker O‘Neill kennt nur eine Tonart. Mäh. Das klingt zwar mehr nach dem Meckern einer Ziege als nach anspruchsvoller Musik. Aber wenn O‘Neill singt, reißt er alle mit. Herr O‘Neill gehört zum Ensemble des Stückes „Herbstporträts“. Puppenspieler Eric Bass und seine Frau, die in Vermont/USA gemeinsam das Sandglasstheater betreiben, sind damit zurzeit auf Deutschland-Tournee. Im Figurentheater Lübeck gaben sie ein Gastspiel.

„Herbstporträts“ ist — wie so viele Stücke, die im Figurentheater Lübeck gezeigt werden — Puppentheater für Erwachsene. Es erzählt aus dem Leben verschiedener Figuren: von einem gefesselten Mann, der es nicht schafft, sich zu befreien. Von einer Indianerfrau, die ihr Kind schützen will und es dennoch in Gefahr bringt, von dem sehr beschäftigten Schuster Reb Zeydl, der dem Todesengel begegnet.

Auf der Bühne ist eine weit kleinere Bühne aufgebaut. Die Tischfiguren brauchen nicht viel Platz, füllen dennoch den Raum. Den Charakteren bleibt nicht mehr viel Zeit. Eric Bass präsentiert ihre Geschichten mit viel Witz. So ist der Schuster viel zu beschäftigt, um dem Todesengel zu folgen. „Sie gehen voraus“, sagt er, auch, um sich selbst Mut zu machen, „ich werde Sie schon einholen.“ Es geht um Themen wie Freiheit, den Wunsch, zu behüten und zu bewahren, was uns wichtig ist, um die Endlichkeit aller Dinge, um die Vergeblichkeit mancher Bemühungen, aber auch um Spaß und Lebensfreude: großes Theater mit kleinen Figuren. Bass spielt das Stück schon seit über 30 Jahren. In beinahe allen Erdteilen war es zu sehen, „außer in Afrika“. Einmal wurde es sogar in zwei Ländern gleichzeitig aufgeführt. Das war in einer Bibliothek in Vermont. „Die Bühne ist in Kanada, das Publikum saß in den USA“, sagt Bass.

Weil ein Puppentheater-Festival wie 2012 für das Figurentheater Lübeck nicht jedes Jahr drin ist, setze man auf eine etwas kleinere Variante: auf Gastspiele internationaler Bühnen, wie Stephan Schlafke, Künstlerischer Leiter des Figurentheaters Lübeck, sagt. Nach den zeitlosen „Herbstporträts“ kommt im Oktober das digitale Zeitalter auf die Puppenbühne. „Drawing in Motion“ ist eine Performance, die bildende und darstellende Kunst verschmelzen lässt. Wesentliches Requisit ist das iPad. Michaela Bartonova vom Tineola Theater in Prag zeichnet auf dem Tablet, ihre Arbeiten werden per Videobeamer auf eine Leinwand projiziert. Hier lässt ihr Partner Ralf Lücke die Zeichnungen lebendig werden. Seine Helfer sind Schatten, Masken, Geräusche.

Auch für Kinder und Familien hat das Tineola Theater etwas zu bieten: Zwei Figuren, Wohinlang und Dahinlang, reisen „Im Teekessel rund um die Welt“.

„Drawing in Motion“, Dienstag, 8.10., 19.30 Uhr, „Im Teekessel rund um die Welt“, 9. und 10.10., jeweils 15 Uhr Uhr, Figurentheater Lübeck

„Wenn Sie auf der Straße eine kleine Puppe treffen, laden Sie sie zu sich nach Hause zum Essen ein.“
Aus dem Stück „Herbstporträts“

Liliane Jolitz

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