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Kultur im Norden Der schwierige Aufbruch in ein eigenes Leben
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20:24 09.11.2013
Rigoletto (Titus Witt) umgeben von Spara (Frank Schwemmer, oben), Maddalena (Feline Knabe) und dem Herzog (Christian Newman). Quelle: Olaf Malzahn (hfr)
Lübeck

In seinem schwarzen Anzug sieht Rigoletto aus wie geleckt. Überall hängen blaue Wahlplakate mit seinem Konterfei und dem Slogan: „Sicher. Sauber. Hand drauf. Rigoletto für unsere Stadt.“

„Rigoletto für Jugendliche“ hatte gestern Nachmittag im Studio des Lübecker Theaters Premiere. Die Kooperation des Lübecker Theaters und der Taschenoper Lübeck war kindgerechter als Verdis Original und kam gut an. Regisseur Sascha Mink hat Rigoletto (Titus Witt, Bariton) zum Politiker gemacht und damit eine Figur geschaffen, die in der heutigen Zeit besser funktioniert als der verkrüppelte Hofnarr, den Verdi vor Augen hatte. In dieser Inszenierung singt die Hauptrolle ein Mann, der „Leichen im Keller“ hat, weil er in seiner Jugend ein Schwerenöter war und diese Zeit gerne vergessen möchte. Permanent wäscht er seine Hände in Unschuld — wofür er sich mit kleinen Tüchlein die Hände desinfiziert. Eifersüchtig versucht er seiner Tochter Gilda (Margrit Dürr, Sopran) einzureden: „Es gibt keine Liebe zwischen Männern und Frauen. Es gibt nur Verrat.“

Gildas Zimmer ist ein Käfig, vergittert, aber mit Vorhängen wie bei einem Himmelbett. Vor und in dem Raum, aber auch dahinter auf einer separaten Bühne mitten in den Zuschauern spielt sich die Vater-Tochter-Geschichte ab. Das Ende ist hier gnädiger als im Original. Der Vater verliert seine Tochter zwar — sie verlässt ihn, um ihr eigenes Leben zu führen. Sterben muss sie aber nicht.

Katia Diegmann (Ausstattung) hat ein funktionales Bühnenbild geschaffen, nicht mehr als nötig, aber so viel, dass die Fantasie loslaufen kann. Ihre Kostüme sind vielseitig.

Nicht nur die Inszenierung war überzeugend. Die sängerische und instrumentale Leistung war ebenfalls hoch (musikalische Leitung: Carl Augustin). Stimmgewaltig und technisch gut präsentierten sich alle fünf Solisten. Auch das Trio, das die Opernpartitur unter sich verteilt hatte, spielte ausgewogen: Cornelia Bach (Violine), Anna Reichwein (Cello) und Irene Aristei (Harfe).

Cornelia Schoof

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