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Kultur im Norden Der stille Weltverbesserer
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19:18 20.01.2016
Regisseur Ettore Scola im Herbst 2015. Quelle: dpa

. Eigentlich stand Ettore Scola auf verlorenem Posten. Er war ein überzeugter Linker, lange Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens, er wollte die Welt besser haben, als sie war. Aber das Mittel, das ihm zu ihrer Veränderung zur Verfügung stand, war allein der Film. Scola glaubte an das Kino als politische Kunst: „Wegen seiner großen Verbreitung, wegen des Kontakts mit den Massen, weil es sich an ein großes Publikum wendet“, wie er einmal sagte. Und doch zweifelte er daran, viel bewirken zu können: „Filme können sicherlich zum Nachdenken und Träumen anregen und dazu beitragen, das Leben zu verbessern, aber sie ändern es nicht.“

Dieser Pessimismus war jedoch kein Grund für ihn, nicht immer wieder neue Anläufe zu unternehmen, die Gesellschaft kritisch in Augenschein zu nehmen. Mehr als 40 Filme drehte der 1931 in Trevico bei Neapel geborene Filmemacher. Die besserwisserische Geste war ihm fremd, er zog die stille Beobachtung vor. Gerne begab er sich an einen einzigen Schauplatz wie in „Die Familie“ (1987): Die Chronik des römischen Bürgertums über 80 Jahre hinweg erzählte er in der düsteren Wohnung eines Clans. Zwischen Küche und Bad, Aufstehen und Zubettgehen erledigte er die Weltgeschichte.

Sein erfolgreichster Film war „Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen“, für den er 1976 die Goldene Palme in Cannes bekam. Auch hier blendete sich Scola in das Leben einer allerdings ganz anderen Großfamilie ein: Sie haust in einem Slum am Rande von Rom, lebt von Diebstahl und Prostitution. Gemeinheit und Gier bis hin zum Mordversuch bestimmen den Alltag. Unsentimental, aber nicht denunzierend erzählt Scola davon, orientiert am italienischen Neorealismus.

Viele Stars standen vor seiner Kamera: Fanny Ardant, Vittorio Gassman, Marcello Mastroianni, Federico Fellini, Sophia Loren und einige mehr. In Scolas großen Zeiten war das europäische Kino wirklich noch europäisch, und Scola war eines seiner bedeutendsten Regisseure. Vorgestern ist er im Alter von 84 Jahren in Rom gestorben.

Stefan Stosch

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