Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Der vervielfachte Oskar

Lübeck Der vervielfachte Oskar

Andreas Nathusius inszeniert am Theater Lübeck eine Bühnenfassung von Günter Grass’ „Die Blechtrommel“.

Voriger Artikel
Wirklichkeit mit weichem Plüsch
Nächster Artikel
Kunst aus Schrott und Haferflocken

Der Meister und sein Gegenstand: Günter Grass (1927 - 2015) mit Blechtrommel 2013 beim Interview in Schwerin.

Quelle: Fotos: Frank Hormann, Lutz Roeßler, Dfd

Lübeck. Günter Grass’ Debütroman „Die Blechtrommel“ erschien 1959. Ein in mancher Hinsicht gewichtiges Buch: Zum einen machte es den jungen Autor Grass schlagartig bekannt, zum anderen sorgte es wegen angeblicher „Unsittlichkeit“ für einen erheblichen Skandal. „Die Blechtrommel“ ist aber auch quantitativ ein gewichtiges Buch: 734 Seiten widmete Grass dem Zwerg Oskar Matzerath und seiner Familie. Wie bringt man einen derart monumentalen Roman auf die Bühne? Regisseur Andreas Nathusius: „Wir mussten uns natürlich auf Aspekte des Buches beschränken. Was wir erzählen, ist vor allem die Geschichte der Familie Matzerath, in der Oskar aufwächst und irgendwann beschließt, nicht mehr zu wachsen.“

LN-Bild

Andreas Nathusius inszeniert am Theater Lübeck eine Bühnenfassung von Günter Grass’ „Die Blechtrommel“.

Zur Bildergalerie

Die Verfilmung des Romans durch Volker Schlöndorff war ein großer Erfolg, als erster deutscher Film gewann „Die Blechtrommel“ den Oscar als bester fremdsprachiger Spielfilm. „Viele Menschen bringen eher den Film als den Roman mit der ,Blechtrommel‘ in Verbindung“, sagt Nathusius. „Einige Bilder aus der Verfilmung haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Unsere Fassung, die auf der Dramatisierung von Peter Schanz basiert, versucht einen Extrakt aus Verfilmung und Roman zu schaffen.“

Im Zentrum der Inszenierung am Theater Lübeck steht die Figur des Oskar Matzerath. Er wird von fünf Schauspielerinnen und Schauspielern verkörpert, um die verschiedenen Aspekte der Person Oskar zu verdeutlichen. „Es gibt den empfindsamen Oskar, den grausamen Oskar, den egozentrischen Oskar und noch einige mehr. Wir stellen die Frage, wer dieser Oskar eigentlich ist, ob wir diese Frage beantworten können, weiß ich nicht. Oskar ist auf jeden Fall eine Person, die sich nur schwer greifen lässt, und das auch beim Lesen des Romans.“ Das beginnt schon mit den ersten Zeilen des Buches, in denen sich Oskar als Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt vorstellt. „Es ist möglich, dass er als Patient einer Nervenklinik seine ganze Lebensgeschichte nur halluziniert“, so Nathusius, „vielleicht hat er sie ganz einfach erfunden.“ Interessant ist sie dennoch – und die Inszenierung beschränkt sich auf die ersten beiden Teile des Romans. „Was im dritten Teil passiert, Oskars Schicksal in der jungen Bundesrepublik, referieren wir nur kurz. Zum einen aus Gründen der Zeitökonomie, zudem wollen wir weder den Film noch den Roman einfach nacherzählen. Außerdem ist der dritte Teil der ,Blechtrommel‘ meiner Meinung nach schlechter als die ersten beiden.“ Das ist eine Meinung, die Grass nicht teilte – aber viele Kritiker.

Der Meister selbst wird in Nathusius’ Inszenierung auch auf der Lübecker Bühne erscheinen. Andreas Hutzel spielt Günter Grass, versehen mit schwarzer Perücke und deftigem Schnurrbart. Außerdem auf der Bühne: Nadine Boske, Astrid Färber, Susanne Höhne, Patrick Berg, Peter Grünig, Henning Sembritzki, Vincenz Türpe, Will Workman und der Musiker Harm Hinz.

Wie Oskar im Gedächtnis der Menschen überlebt hat, wird ebenfalls Teil der Inszenierung sein. Eine Befragung von Lübeckern führte zu erstaunlichen Statements. „Das war doch so ein Lausejunge“, heißt es, oder auch „Das war ein Spanner“.

Premiere: Sonnabend, 1. Oktober, um 19.30 Uhr im Großen Haus

Buch und Wirkung

„Die Blechtrommel“ von Günter Grass wurde im Jahr 1959 als erster Teil der sogenannten „Danziger Trilogie“ veröffentlicht.

1979 wurde die „Blechtrommel“ von Volker Schlöndorff verfilmt. Er war der erste deutsche Film, der mit dem Oscar als bester ausländischer Film ausgezeichnet wurde. David Bennent spielte die Hauptrolle des Oskar Matzerath, der an seinem dritten Geburtstag den Entschluss fasst, sein Wachstum einzustellen.

Das Buch wurde bereits mehrfach auf Theaterbühnen umgesetzt – unter anderem in Bochum, Frankfurt und Danzig. 2015 wurde die Adaption am Thalia-Theater in Hamburg gefeiert.

 Jürgen Feldhoff

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den November 2016.

Sollten die Weihnachtsmärkte länger geöffnet haben?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kreuzwort

Auch online wartet täglich ein neues Rätsel auf Sie. Jetzt rätseln!

Sudoku

Bleiben Sie geistig aktiv – mit japanischem Gehirnjogging.