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Deutsche Filme sorgen für Aufsehen in Venedig

Venedig Deutsche Filme sorgen für Aufsehen in Venedig

Deutsche Filme haben es bei den großen internationalen Festivals oft schwer. Beim 70. Filmfest Venedig ist es dieses Mal anders.

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„Die Frau des Polizisten“: David Zimmerschied, Alexandra Finder.

Venedig. Deutsche Filme haben es bei den großen internationalen Festivals oft schwer. Beim 70. Filmfest Venedig ist es dieses Mal anders. Dort haben deutsche Filme schon in den ersten Tagen bemerkenswert starke Akzente gesetzt.

So thematisiert Philip Gröning in dem Wettbewerbsbeitrag „Die Frau des Polizisten“ Gewalt in der Ehe, während Rick Ostermann in seinem Debüt „Wolfskinder“ auf die erschütternden Schicksale der zahlreichen Mädchen und Jungen aufmerksam macht, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf sich allein gestellt ums Überleben kämpfen mussten. Zuvor hatte schon Edgar Reitz in „Die andere Heimat“ den Exodus armer deutscher Bauern ins Ausland beleuchtet.

„Die Frau des Polizisten“ konkurriert als einziger deutscher Beitrag um den Goldenen Löwen des Festivals — und hat durchaus Chancen auf eine Auszeichnung. Denn der in Düsseldorf geborene Gröning legt eine einprägsame Studie über eine Beziehung vor, die sich von einer liebevollen Zweisamkeit zur brutalen Alltagshölle entwickelt. Gröning nimmt sich dafür rund drei Stunden Zeit, teilt sein Werk in knapp 60 (!) Kapitel ein, so dass „Die Frau des Polizisten“ so etwas wie ein Tagebuch dieser Ehe wird. Die strenge Struktur hält Zuschauer zunächst zwar eher auf Distanz, löst gleichzeitig aber eine innere Angespanntheit aus, durch die der Film noch länger in den Gedanken haften bleibt.

Bedrückend auch der Film „Wolfskinder“, der in der renommierten Nebenreihe Orizzonti läuft. Der in Paderborn geborene Ostermann zeigt in seinem auf wahren Begebenheiten basierenden Spielfilm erschütternde Bilder: Die Brüder Hans und Fritz werden nach dem Tod ihrer Mutter bei der Flucht zu Kriegsende getrennt. Bei der Suche nach Fritz wird Hans mit Mord und Vergewaltigung konfrontiert, leidet unter Hunger und muss für sein Überleben auch töten.

Einen historischen Stoff nahm sich auch Edgar Reitz mit „Die andere Heimat“ vor. Das außer Konkurrenz laufende Schwarz-Weiß-Werk spielt im 19. Jahrhundert, zeigt arme Familien auf dem Land, die trotz sehr harter Arbeit kaum etwas zum Leben haben. Zwei Brüder träumen daher davon, nach Südamerika auszuwandern.

Die Dreharbeiten seien eine „Reise in ein anderes, gar nicht so fernes und doch so vergessenes bitterarmes Deutschland“ gewesen, erklärte Reitz. „Es ist kaum vorstellbar, dass die Menschen in unserem Land noch vor weniger als 150 Jahren ein Leben führen mussten, das heute auf dem ganzen Globus kaum noch Parallelen findet.“

LN

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