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Deutsche Hoffnungen in Hollywood

Deutsche Hoffnungen in Hollywood

Patrick Vollrath aus dem Harz träumt vom Oscar, und Daniel Orthey aus Lüneburg trommelt für den Favoriten Leonardo DiCaprio.

Los Angeles Beide hoffen auf einen Oscar: Patrick Vollrath aus Bad Grund im Harz tritt mit seinem Kurzfilm „Alles wird gut“ an. Daniel Orthey hat mit seinem Frantic Percussion Ensemble Musik für den Favoriten-Film von Leonardo DiCaprio „The Revenant“ eingespielt. In der Nacht zum Montag werden die Preise verliehen.

Patrick Vollrath erinnert sich ganz genau an den „Schlüsselmoment“ seiner Filmkarriere: „Seit ,Titanic‘ gab es kein Zurück mehr“, erzählt der 31 Jahre alte Regisseur und Drehbuchautor. Er war 12 Jahre alt, als er 1998 den Katastrophenfilm von James Cameron in einem Provinzkino im Harz sah. Danach wollte er ins Filmgeschäft.

Sein 30-minütiger Film „Alles wird gut“ ist sein Abschlussfilm an der Wiener Filmakademie, wo er unter Oscar-Preisträger Michael Haneke studierte. Der Film macht betroffen: Ein geschiedener Vater holt seine achtjährige Tochter Lea für ein Wochenende bei der Mutter ab. Nach und nach bekommt Lea das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Der Vater will sie ins Ausland entführen. Die Oscar-Nominierung (in der Sparte Live-Action-Kurzfilm) habe ihn überrascht, räumt Vollrath ein: „Es ist ein europäischer Film, langsam erzählt, mit Handkamera gedreht.“ Nicht der typische Hollywood-Stil. Was Oscar-Gold betrifft, so will er „realistisch“ bleiben. „Wir sind eher Außenseiter“, wehrt Vollrath ab. Neben „Alles wird gut“ sind vier weitere Filme nominiert, darunter zwei Kriegsgeschichten.

Daniel Orthey wartet gespannt auf die Verleihung, bei der das düstere Rachedrama „The Revenant“ mit DiCaprio für zwölf Preise nominiert ist. Sein Frantic Percussion Ensemble hat den Sound für wichtige Szenen des Films geliefert. Zunächst wusste er gar nicht, dass es um den großen Oscar-Favoriten des Mexikaners Alejandro G. Iñárritu geht. „Ich habe eine E-Mail bekommen — von einem Tontechniker aus Leipzig, ob wir Filmmusik machen wollen“, sagt Orthey. „Ich habe es nicht richtig ernst genommen, doch dann kam eine Nachricht aus New York.“ Der 37-Jährige ist Musiker und Schlagzeuglehrer. Neun Jahre lang hat er bei der Bundeswehr getrommelt, dann hat er 2007 an der Musikschule Uelzen das heutige Frantic Percussion Ensemble gegründet.

Verantwortlich für die Filmmusik ist der japanische Oscar-Preisträger Ryuichi Sakamoto, in seiner Heimat ein Superstar. „Experimentell, innovativ, zeitgenössisch“, beschreibt Orthey seine Musik, auf die die Auftraggeber über ein YouTube-Video aufmerksam geworden sein sollen. „Frantic“ bedeutet für Orthey nicht nur „rasend“ und „außer sich“, sondern steht auch für die fieberhafte Suche nach neuen Klängen.

LN

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