Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Die Absurdität im Normalen

Lübeck Die Absurdität im Normalen

„Back to Back“ – Rücken an Rücken – ist eine Ausstellung in St. Petri betitelt, in der Anne-Julie Raccoursier Banner und Videos zeigt. Die Schau der Künstlerin aus der Schweiz ist eine Kooperation der Overbeck-Gesellschaft und des Petri–Kuratoriums.

Lübeck. Anne-Julie Raccoursier (43) ist begeistert von der Kulturkirche, in der sie ihre Werke ausstellt, ihre erste Einzelpräsentation in Deutschland. Die in Lausanne und Genf lebende Künstlerin sagt: „Ich wollte unbedingt die Wirkung des Raum belassen.“ Ihre Objekte, zwei Banner und zwölf Videoinstallationen, sind zwar über das ganze Kirchenschiff angeordnet, aber sie machen dem sakralen Raum seine würdevolle Weite nicht streitig. Die beiden riesigen Banner – 4,50 Meter mal 5,80 Meter weißer Stoff mit großen schwarzen Buchstaben beschriftet – ziehen die Blicke auf sich: Beim Betreten des Kirchenschiffs liest man „Make War not War“, beim Verlassen das Pendant „Make Love not Love“. Das irritiert – hieß das nicht anders?

Die Künstlerin spielt an auf „Make Love not War“, den Slogan der Hippies und der Bewegung gegen den Vietnamkrieg Ende der 1960er Jahre. Diesen greift sie auf, um ihn zu verfremden, ins Paradoxe zu verkehren, zu ironisieren.

So führt sie auch auf ihren Videos die Absurdität alltäglicher Situationen vor Augen. Standbilder oder Endlos-Schleifen zeigen sinnentleerte, fragwürdige Rituale oder Zustände, die wir normal finden, weil sie uns vertraut geworden sind: ein Heer von Brokern, die wie uniformiert in London jeden Tag Seite an Seite, aber jeder für sich zur Arbeit eilen, das französische Rennpferd „Crazy Horse“, das auf einem Laufband seine lädierten Gelenke in Bewegung halten muss, oder das Olympiastadion in Athen, das sich seit 2004 ungenutzt zum Biotop entwickelt hat – Sand und Gräser bedecken die ehemalige Arena.

Eine öffentliche Gymnastikvorführung in Österreich hat Anne-Julie Raccoursier als Triptychon gestaltet und nennt es „Non-Stop-Fun“: In der Mitte bewegen sich auf dem Monitor weiß kostümierte Kinder rhythmisch im Takt, rechts und links ergehen sich die Zuschauer begeistert in Massen-Choreografien.

Oliver Zybok, Künstlerischer Leiter der Lübecker Overbeck- Gesellschaft, hat die Ausstellung „Back to Back“ kuratiert. Da der Pavillon des Kunstvereins im Skulpturengarten des Museums Behnhaus an der Königstraße 11 zurzeit saniert wird, ist Bernd Schwarze, Pastor in St. Petri, Gastgeber. Dorothea Kurz-Kohnert

 

Vernissage am morgigen Sonntag um 17 Uhr. Bis zum 12. November; geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11-16 Uhr.

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden