Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
„Die Bühne ist ein Teil meines Lebens“

Lübeck „Die Bühne ist ein Teil meines Lebens“

Hannelore Kastorff war 40 Jahre der Niederdeutschen Bühne Lübeck verbunden, 16 Jahre als Bühnenleiterin. Ihr Amt übernimmt nun Günter Lüdtke.

Lübeck. Lübeck. Bewegte Zeiten bei der Niederdeutschen Bühne Lübeck: Hannelore Kastorff hat 16 Jahre als Bühnenleiterin die Geschicke des Vereins sicher geleitet. Jetzt gibt sie den Stab an Günter Lüdtke ab. Die 59-Jährige Lübeckerin ist seit 40 Jahren ihrer Bühne treu und will es auch bleiben. „ Wenn mein Rat gefragt ist, bin ich selbstverständlich zur Stelle“, verspricht sie. Es sei kein Bruch, sie wolle nur einen Schritt zurücktreten. „Die Bühne ist ein Großteil meines Lebens.“

LN-Bild

Hannelore Kastorff war 40 Jahre der Niederdeutschen Bühne Lübeck verbunden, 16 Jahre als Bühnenleiterin. Ihr Amt übernimmt nun Günter Lüdtke.

Zur Bildergalerie

Die Fachreferentin beim Bugenhagenwerk in Timmendorfer Strand will künftig andere Prioritäten setzen. Sie sagt: „Ich liebe meinen Beruf und ich möchte meinem Mann, meinen Töchtern und meinen zwei Enkelkindern mehr Zeit widmen können.“

Wechsel in der Leitung

In ihrer Ära als Bühnenleiterin lag das 90-jährige Jubiläum der Niederdeutschen Bühne. 2019 steht nun das 100-jährige Bestehen ins Haus: 1919 wurde sie gegründet, seit 1928 spielt die ambitionierte Laienspielschar, meist angeleitet von professionellen Regisseuren im Theater Lübeck. Das soll gebührend gefeiert werden, das Lübecker Ensemble ist eine der ältesten niederdeutschen Bühnen in Schleswig-Holstein. „Ich weiß, was da zu stemmen ist,“ sagt Hannelore Kastorff. „Ich bin gern dabei, aber Verantwortung müssen jetzt andere übernehmen.“ Der neugewählte Bühnenleiter Günter Lüdkte sei ein leidenschaftlicher Theatermensch, freut sich Kastorff, und im Gegensatz zu ihr habe er als Ruheständler mehr Zeit – vor drei Jahren ging der Allgemeinmediziner, der seine Praxis im Lübecker Stadtteil Eichholz hatte, in Pension.

Günter Lüdtke ist bereits seit 15 Jahren als Amateurschauspieler aktiv. Bevor er 2006 zur Niederdeutschen Bühne stieß, spielte er beim Kurtheater Bad Schwartau und beim Volkstheater Geisler. Nach Lübeck kam er über „die Meiers“ – Gerd und Gabi Meier sind langjährige Mitglieder und Spieler.

Seinen ersten Auftritt bei der Niederdeutschen Bühne Lübeck absolvierte Günter Lüdtke in „Revolutschon in Lübeck“, eine Szenenfolge von Rudolf Höppner. Dieser hat sie nach dem Kapitel in den Buddenbrooks geschrieben, Regie führte Otto Sawicki. In der Theaternacht vor zehn Jahren prozessierten die Spieler vom Rathaus bis zur Ecke Mengstraße/Marienkirchhof. Hannelore Kastorff und Günter Lüdtke erinnern sich lebhaft an den Auftritt vor dem Buddenbrookhaus: „Das war toll, nach draußen zu gehen. Die Szene wurde sieben mal aufgeführt, und es haben jedesmal viele Leute zugeguckt.“

Nun wird Lüdtke am kommenden Dienstag auf der Bühne der Kammerspiele stehen – als Sanitätsrat Lauprecht in „He dröömt vun Ilse“. Mit diesem Schwank von Max Reimann und Otto Schwarz – Gerd Meier hat ihn ins Niederdeutsche übersetzt – wird die neue Spielzeit eröffnet. „Als ich die Rolle übernommen habe, war noch nicht absehbar, dass ich Bühnenleiter werde,“ sagt der 69-Jährige. Der gebürtige Kieler hat bereits konkrete Pläne: Er will verstärkt die Jugend ansprechen und strebt deshalb eine Zusammenarbeit mit Schulen an. „Ich möchte Kinder für die plattdeutsche Sprache interessieren.“ Sein zweites Anliegen: „Die Homepage muss modernisiert werden.“ Das dritte Ziel: „Wir müssen Mitarbeiter gewinnen, die beim Ab- und Aufbau des Bühnenbilds helfen, wenn wir in die Vororte fahren.“ Neben den Auftritten in den Kammerspielen gibt das Ensemble dort fünf Gastspiele.

Es begann mit „Hexenhoff“

Und was hat die „Bühnen-Vorruheständlerin“ Hannelore Kastorff im Sinn? „Ich werde das Archiv weiterführen, Bilder und Artikel digitalisieren, so dass der Bestand vielleicht langfristig an das Lübecker Stadtarchiv gehen kann, “ sagt sie. Das Archiv führt sie, seit sie vor 40 Jahren 1976 über eine Freundin ihrer Mutter zur Niederdeutschen Bühne in Lübeck kam. Sie übernahm ihre erste Rolle in „Hexenhoff“, einem Lustspiel von Jens Exler – an der Seite der erfahrenen Elsbeth Schütz, mit 83 heute älteste Spielerin des Vereins. Hannelore Kastorff, damals Studentin in Kiel, erinnert sich:

„Man musste in zwei Stücken gespielt haben, bevor man von den Mitgliedern der Jahreshauptversammlung gewählt wurde, während man draußen vor der Tür bibberte.“

Bis sie dann vor 16 Jahren die Bühnenleitung übernommen hat, spielte sie in 24 Stücken mit – auch als sie als Lehrerin arbeitete, heiratete und Mutter von zwei Töchtern wurde. „Ich weiß nicht mehr wie – aber irgendwie ging es immer.“ Was war das Schönste in ihrer Zeit als Bühnenleiterin? „Ich konnte etwas gestalten und habe viele Menschen kennengelernt.“ Auch wenn sie einräumt, dass ihr Nachfolger seinen eigenen Weg finden muss, kann sie sicher sein: Die Pflege der plattdeutschen Sprache steht weiterhin an oberster Stelle und die Aufführung von Stücken in Niederdeutsch wird als kultureller, gesellschaftlicher Auftrag ernst genommen.

Neuer Spielplan

In dieser Saison gibt es wieder vier neue Stücke bei der Niederdeutschen Bühne Lübeck. Das vierte Stück ist ein Gastspiel der Fritz- Reuter-Bühne Schwerin. Neu ist auch Effi Méndez vom Theater Lübeck als Regisseurin. Zum zweiten Mal inszeniert Manfred Upnmoor. Die Regie des aktuellen Stücks in „He dröömt von Ilse“ liegt in den Händen von Karsten Bartels.

Premiere: Dienstag, 18.10., Theater Lübeck, Kammerspiele, 20 Uhr.

Dorothea Kurz-Kohnert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden