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Die Dolmetscherin der Bilder

Lübeck Die Dolmetscherin der Bilder

Anne Komischke führt durch die Schau „Niederländische Moderne“ im Museum Behnhaus/Drägerhaus.

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Erklärt, was Bilder nicht erzählen können: Anne Komischke (29) zeigt Besuchern die Ausstellung „Niederländische Moderne“ im Museum Behnhaus/Drägerhaus.

Quelle: Neelsen

Lübeck. „Drei Stunden könnten wir hier verbringen“, sagt Anne Komischke. Eine Stunde aber muss genügen. Die Kulturwissenschaftlerin geleitet Gruppen durch die Ausstellung „Niederländische Moderne“, die bis Ende Februar im Museum Behnhaus/Drägerhaus gezeigt wird. Zu sehen sind bekannte Motive unbekannter Maler: Landschaften, Interieurs, Straßenszenen, Stillleben. Die Bilder und Skulpturen, entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, stammen aus einer Privatsammlung.

Wer an einer Führung teilnimmt, will mehr über die ausgestellten Werke wissen. „Für viele ist es wichtig zu erfahren, wann der Künstler geboren und wann ein Bild gemalt wurde“, sagt Anne Komischke.

Viele wollten sich aber auch über Kunst austauschen. Führungen sollten keine einseitige Sache sein, „bei der ich spreche und andere zuhören“. Wenn Besucher über Kunst diskutieren wollten, dann mache sie das sehr gerne. Heute ist die Gruppe mit nur zwei Teilnehmern ausgesprochen klein. Einer von ihnen ist Carsten Kühn. Der 51 Jahre alte Lübecker nimmt oft an Führungen durch Kunstausstellungen teil: „Man erfährt dadurch viel über die jeweilige Zeit und darüber, wie die Menschen gelebt haben“, sagt er.

Bei dem Rundgang durch die „Niederländische Moderne“ trägt Anne Komischke einen Katalog unter dem Arm. Wenn eine Frage gestellt wird, die sie nicht ohne weiteres beantworten kann, kann sie darin nachschlagen. Muss sie heute aber nicht. Ohnehin empfiehlt die 29-Jährige gern, genau hinzuschauen. „Die meisten Antworten findet man auch in den Bildern.“ Über manches aber können die Bilder keine Auskunft geben. Zum Beispiel über den Sammler Reurt Jan Veendorp. Der Groninger Architekt und Ziegelfabrikant (1905- 1983) hat über 400 Werke niederländischer Kunst zusammengetragen und nach seinem Tod dem Groninger Museum zur Verfügung gestellt. Als Sammler hat Veendorp, der Zeit seines Lebens unverheiratet war, kein bestimmtes Ziel verfolgt, sondern sich vom Gefühl leiten lassen. Das spiegelt sich in der Ausstellung wider. Elegantes städtisches Leben ist dort zu finden, zum Beispiel das Gemälde „Hutgeschäft Mars auf dem Nieuwendijk in Amsterdam“ von Isaac Israels. Überwiegend aber werden einfache Motive gezeigt. Landschaften mit oder ohne Mühlen. Oder Kühe. Ausführlich erläutert die Museumsbegleiterin ihren Gästen das Bild „Melkzeit“ von Anton Mauwe. Auf dem kleinen Ölgemälde sind drei Kühe unter einem Blätterdach zu sehen, eine helle links, von der Sonne beschienen, die beiden anderen dunkel und im Schatten stehend. Dort sitzt auch der Melker, man nimmt ihn kaum wahr. „Man sieht sehr deutlich, dass es nicht um Kühe ging“, sagt Anne Komischke. Worum es geht, habe ein anderer Maler, Willem Maris (1844-1910), so ausgedrückt: „Ich male keine Kühe, sondern Lichteffekte.“

Die kleine Gruppe befindet sich in der Abteilung „Haager Schule“, auch „graue Schule“ genannt, weil die Künstler in ihren Bildern die ihnen vertraute Atmosphäre wiedergaben. Bilder, die der Sammler sehr gemocht haben muss. „Veendorp stand auf schlichte Bilder und Farben“, erklärt Anne Komischke, „das Nichtssagende war es, was ihn an Bildern gefesselt hat.“ Veendorp hat auch Werke von französischen Vorbildern niederländischer Maler gekauft. So findet sich auch ein Gauguin in der Schau. Das Gemälde „L‘église de Vaurigard“, ein frühes Werk des Künstlers, ist mit „vielen kleinen Pinselstrichen“ entstanden und hat mit den späteren Südseebildern wenig gemein.

Am Schluss geht es noch in die Dauerausstellung zu Gotthard Kuehl, nach gut einer Stunde ist die inspirierende Führung beendet. Es wäre schön gewesen, noch mehr zu erfahren. „Sie merken, dass Sie noch einmal wiederkommen müssen“, sagt die Museumsbegleiterin.

Führungen immer sonntags
Die Ausstellung „Niederländische Moderne“ läuft bis zum 28. Februar im Museum Behnhaus/Drägerhaus, Königstraße 9-11.



Die Öffnungszeiten: Bis 31. Dezember Di bis So von 10 bis 17 Uhr, ab 1. Januar von 11 bis 17 Uhr. Heute, am 1. Weihnachtsfeiertag, und an Silvester ist das Museum geschlossen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag ist es geöffnet.



Führungen gibt es jeden Sonntag ab 11.30 Uhr, Abendführungen am 14.1. und 18.2. ab 17 Uhr

Liliane Jolitz

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