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Die Einsamkeit des Bruce Springsteen

Die Einsamkeit des Bruce Springsteen

Frankfurt am Main. Bruce Springsteen kommt herein, aber er hat keine Gitarre dabei. Der 67-Jährige steht heute Abend auf keiner Konzertbühne.

Frankfurt am Main. Bruce Springsteen kommt herein, aber er hat keine Gitarre dabei. Der 67-Jährige steht heute Abend auf keiner Konzertbühne. Er spricht bei einem mit viel Geheimhaltung arrangierten Termin in einem Frankfurter Luxushotel über seine Autobiografie „Born to Run“, das zurzeit meistverkaufte Sachbuch in Deutschland.

 

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„Kalte,schwarze Tränen“: Bruce Springsteen.

Quelle: Arne Dedert/dpa

Springsteen ist hauptberuflich Singer/Songwriter, und doch ist er ein Star der Buchmesse. Er erzählt in seinen Erinnerungen Interna, die nicht nur für Fans interessant sind. Über seine Stimme zum Beispiel, die er „nicht gerade toll“ findet. Bemerkenswert aber ist das 672-Seiten-Buch, weil er über Angst und Depressionen schreibt. Und er tut das mit einer Botschaft: Gebt nicht auf!, sagt er.

Trotzt den Schrecklichkeiten, den Schmerzen, den Enttäuschungen! Gebt euer Bestes! So wie er selbst.

Dass Springsteen eine ramponierte, angsterfüllte Seele hat, merkt man ihm in seinen Shows nicht an. Nun, in seinen Memoiren, schreibt er über „kalte, schwarze Tränen“, die er aus Verzweiflung weinte, und dass ihn eine giftige, selbstzerstörerische Sehnsucht nach Einsamkeit peinigte. „Ich wollte vernichten, was ich liebte, weil ich es nicht ertragen konnte, geliebt zu werden.“ Mit 32 begann er eine Therapie, die 30 Jahre dauern sollte. Heute nimmt er Antidepressiva. Musikmachen und die Liebe seiner Familie, beides hat für ihn eine heilende Wirkung.

Während er Fragen beantwortet, lacht er immer wieder, als könne er nicht fassen, was er da geschrieben hat. Er erzählt von seinem manisch-depressiven Vater, der ihm lange die Anerkennung verweigerte.

Der nachts in der dunklen Küche saß, rauchte, soff und grübelte. Der Vater konnte nicht darüber sprechen, Springsteen aber hat es gelernt. Geradezu demütig ist sein Tonfall, beim Gespräch wie im Buch. Man spürt: Der Mann blickt nicht nur als besorgter Chronist auf die Kluft zwischen amerikanischem Traum und Wirklichkeit, er hat sich auch selbst gründlich durchleuchtet. Mathias Begalke

LN

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