Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Die Fotografin und die Liebe zu Bowie
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Die Fotografin und die Liebe zu Bowie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:06 14.09.2016
Fotografin Eva Lucas-Karberg aus Sereetz mit Bildern des in diesem Jahr verstorbenen David Bowie. Sie hat zahllose weitere Rock-Legenden abgelichtet. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen, Olaf Malzahn, fotolia

Es war im Januar, als ein Pfleger sie im Krankenhaus zur Computertomografie brachte. Sie redeten über Rockmusik, und der Pfleger sagte, es sei gerade wieder jemand gestorben, David Bowie oder so. Da schluckte sie und schrie. Es war ziemlich laut. Der Pfleger erschrak und meinte, vielleicht sei es auch jemand anderes gewesen. War es aber nicht. Das neue Jahr, es nahm keinen guten Anfang für Eva Lucas-Karberg.

Zur Galerie
Eva Lucas-Karberg aus Sereetz hat David Bowie und viele andere Größen des Pop-Zeitalters aufgenommen. Einige der Fotos sind jetzt zu sehen.

Die Leute sollen sehen, wie schön

David Bowie war.“Eva Lucas-Karberg

David Bowie hat sie mehr als ihr halbes Leben begleitet. Das sind, wenn man 80 ist, mehr als vier Jahrzehnte. Es war nicht so sehr seine Musik, sagt sie. Es war sein Gesicht. Sie hatte es auf „Sorrow“ gesehen, einer Single ihres Sohnes, und sie besaß wenig Abwehrkräfte gegen diesen Mann mit den damals roten Haaren. Später ist sie ihm auch begegnet, im „Musikladen“ von Radio Bremen. Der Regisseur Mike Leckebusch hatte sie eingeladen. Und natürlich hat sie ihn auch fotografiert.

Bowie steht ganz oben für Eva Lucas-Karberg, dann kommt lange gar nichts. Aber vor die Kamera genommen hat sie die anderen trotzdem. Und das waren nicht wenige. Lou Reed gehört dazu, Bryan Ferry, Genesis auf der „The Lamb lies down on Broadway“- Tour in Hamburg und Kiel, „ein Traum“. Sie war bei Kraftwerk, Rick Wakeman und Bob Marley, bei Patti Smith und Leonard Cohen, bei Todd Rundgren und Gary Numan. Sie war bei den Walker Brothers 1966 im Lübecker Kolosseum und hat die Rolling Stones in der längst verschwundenen Hamburger Ernst-Merck-Halle gehört. Sie hat Peter Gabriel als „unglaublich arrogant“ erlebt und fand Devo „krass“.

Sie hat immer aus dem Publikum heraus fotografiert, nie aus dem Graben vor der Bühne. Sie war ja keine Pressefotografin. Und sie hat auch nie daran gedacht, ihre Bilder zu veröffentlichen. Deswegen lagern nun Abzüge und Negative bei ihr zu Hause in Sereetz in Ordnern und Mappen. Es sind hunderte, tausende, sie hat sie nicht gezählt.

Einige Bilder sind jetzt aber doch zu sehen, Bowie-Fotos von 1978 aus Hamburg, Bremen und Berlin, eine Erinnerung nach seinem Tod. In der Lübecker Galerie von Franziska Koschmidder werden sie ausgestellt.

„Vielleicht sollte ich das machen“, hat sie gedacht. „Die Leute sollen sehen, wie schön er war.“ Bowies letztes Album aber, nur wenige Tage vor seinem Tod erschienen, hat sie bislang nicht gekauft.

„Es geht noch nicht“, sagt sie. „Ich weiß nicht, ich habe ein besonderes Verhältnis zu ihm.“

Eigentlich ist Eva Lucas-Karberg Schauspielerin. Sie hat in Hamburg studiert, aber das Theater gefiel ihr nicht. Sie begann mit Ende zwanzig etwas Neues, belegte einen Foto-Crashkurs und fing an, Bilder zu machen. Ihre Konzertfotos sind alle schwarzweiß. Sie hat sie mit langer Brennweite aufgenommen, mit empfindlichen Filmen, nie mit Blitz. Später, als sie nach der Wende die zerfallenen Schlösser und Herrenhäuser und überhaupt die zerfasernde DDR fotografierte, wechselte sie zur Farbe.

Sie hat auch Politiker wie Helmut Schmidt und Helmut Kohl fotografiert, Schriftsteller wie Günter Grass und Siegfried Lenz, Komponisten wie Philip Glass. Sie hat den Niedergang der Lübecker Flender-Werft begleitet und das Ende der Herrenbrücke. Sie war dabei, als Andy Warhol 1980 Lübeck besuchte. Im Möbelhaus Reese waren 150 seiner Arbeiten zu sehen, auch die Holstentor-Serie, die er eigens für die Ausstellung geschaffen hatte.

Doch eigentlich hängt ihr Herz musikalisch an etwas ganz anderem als an den Pop- und Rock-Größen. „Im Grunde“, sagt Eva Lucas-Karberg, „bin ich eine Operntante.“

Bis zum 24. September sind Eva Lucas-Karbergs Fotos von David Bowie noch in der Lübecker Galerie Koschmidder (Stavenstraße 35) zu sehen. Am 16. und 23. September jeweils von 17 bis 19 Uhr, am 17. und 24. September jeweils von 12 bis 14 Uhr.

 Peter Intelmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der französische Komponist Thomas Adès hat den Lübecker „Totentanz“ vertont. Die Hamburger Symphoniker führen ihn auf.

13.09.2016

Es ist ein bekanntes Problem unserer Zeit: Junge Mädchen aus Osteuropa werden von Schleusern unter falschen Versprechungen in den Westen gelotst und dort zur Prostitution gezwungen.

12.09.2016

Für das Musical „Das Wunder von Bern“ im Hamburger Hafen hebt sich am 5. Januar 2017 zum letzten Mal der Vorhang.

12.09.2016
Anzeige