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Kultur im Norden Die Frau als Kunstwesen
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19:16 09.12.2015
Starporträt: Ellen Terry, fotografiert von Julia Margaret Cameron.

Um das Jahr 1900 war die Fotografie noch ein relativ junges Medium. Man fotografierte nicht mehr auf Platten, sondern bereits mit Filmen, die Kameras wurden klein und handlich. Doch in der Studiofotografie ging es weiter sehr steif zu: Patriarchen setzten sich mit Familie in Szene, das Lichtbild ersetzte das Ölgemälde.

Erstaunlich, dass die von moderner Technik ermöglichte Kunstform rückwärtsgewandte Leitbilder erzeugte. Dass insbesondere das Bild der Frau in der Fotografie um 1900 aus der Zeit gefallen war, illustriert jetzt eine Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. „Von Maria zu Salome“ heißt die von Esther Ruelfs zusammengestellte Schau, die die Jugendstilausstellung „Die große Utopie“ im selben Haus flankiert. Sie zeigt Aufnahmen renommierter deutscher und internationaler Fotografen.

„Madonna, Mutter, Fee, Lichtgestalt mit Heiligenschein oder Königstochter mit edelsteinbesetztem Diadem — dies sind einige der Rollen, die die Fotografen der Jahrhundertwende den Frauen ihrer Zeit zuschreiben“, sagt Esther Ruelfs. Die Kunstfotografen wollten weder den sozialen Status ins Bild setzen, noch die zeitgenössischen Frauen in der sich verändernden Welt samt emanzipatorischer Fortschritte zeigen. „Sie inszenierten überhöhte sphärische Gestalten — die Frau als Kunstwesen, eine Gegenwelt wird da aufgemacht.“ Die entrückten Figuren entsprächen denen auf vielen Jugendstil-Plakaten.

Künstlerinnen machten da keine Ausnahme. Die US-Amerikanerinnen Gertrude Käsebier und Clarence Hudson White zeigten die Frau „als Verkörperung der Reinheit im weißen Kleid und in der Rolle der selbstlosen Mutter“, so Ruelfs. Ihre Ahnherrin war die Britin Julia Margaret Cameron, die bereits um 1864 das Bild der elegischen Dame prägte. Ihr Bild der Schauspielerin Ellen Terry kann allerdings auch als Vorbild für die Star-Fotografie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelesen werden.

„Von Maria zu Salome“, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Bis 28. März 2016. Kuratorenführung mit Esther Ruelfs: Do., 21. Januar, 19 Uhr.

mib

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