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Die Garten-Schau ist eröffnet

Eutin Die Garten-Schau ist eröffnet

Zwei Jahre lang hat Klaus Fußmann Gärten, Schlösser, Felder, Strände und Seen in der Holsteinischen Schweiz gemalt — Ab Sonntag sind seine blühenden Landschaften im Ostholstein-Museum in Eutin zu sehen.

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Werk mit Zwerg: Klaus Fußmann neben einem großformatigen Ölbild, das im eigenen Garten entstand. Der Hingucker der Ausstellung.

Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Eutin. Der Zwerg trägt eine rote Zipfelmütze und stößt mit der Nase fast gegen den rechten Bildrand. Man erkennt ihn kaum inmitten der Farbexplosion auf dem großformatigen Ölbild „Mythologischer Versuch: B. mit Zwerg im Garten“. B steht für Barbara, die Frau von Klaus Fußmann, die er in ihrem Garten in Gelting malte. Und der Zwerg für den Humor des Künstlers: „Ich fand das irgendwie lustig und mythisch. Gartenzwerge gehören seit meiner Kindheit zu einem deutschen Garten dazu.“

LN-Bild

Zwei Jahre lang hat Klaus Fußmann Gärten, Schlösser, Felder, Strände und Seen in der Holsteinischen Schweiz gemalt — Ab Sonntag sind seine blühenden Landschaften im Ostholstein-Museum in Eutin zu sehen.

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Am 28. April wird in Eutin die Landesgartenschau eröffnet, und begleitend dazu hatte Julia Hümme, die Leiterin des Ostholstein-Museums, Klaus Fußmann schon vor zwei Jahren zu einer Ausstellung angeregt. Der 77-Jährige gehört zu den bedeutenden Landschaftsmalern unserer Zeit, lebt und arbeitet in Berlin und hatte dort viele Jahre eine Professur an der Hochschule der Künste. Seit den 1970er Jahren verbringt er die Sommer in Gelting an der Ostsee. Seine Motive fand er bisher in seiner engeren Umgebung, und vor fünf Jahren wurden diese Kunstwerke bereits in einer großen Ausstellung in Eutin gefeiert: kraftvolle, expressive, farbstarke Bilder norddeutscher Landschaften. Seine Ölbilder bestehen aus mehreren Farbschichten, dicken Spachtel- und Pinselspuren und erreichen dadurch eine große Dynamik. So entstehen intensive Farb-Landschaften. Kein Mensch, nirgends.

Nun lautete der Auftrag oder besser die Idee: die Holsteinische Schweiz künstlerisch zu entdecken. „Ich kannte mich hier wenig aus und fuhr tagelang herum, um wundervolle Motive zu entdecken.“ Und so sieht man in Öl, Aquarell oder Pastell das Kloster Cismar, Blicke auf Plön, das Gut Panker, melancholische Impressionen aus Malente, Raps bei Lensahn, das Schloss und das Museum in Eutin, die Scheune in Kirchnüchel, eine Allee bei Wilhelmshöhe und natürlich den guten alten Bungsberg. Aber auch Landschaften ohne konkrete Lokalisierung, die dennoch eine Allgemeingültigkeit ausstrahlen. „Die Struktur des Landes ist erhalten, und so entsteht ein Klang, der das Wiedererkennen leicht macht“, sagt Fußmann.

Der Maler fuhr zwei Jahre lang durchs Land, machte Fotos und Skizzen und malte dann meist im Atelier. Aquarelle entstanden auch vor Ort, wie Strandszenen bei Grömitz oder Heiligenhafen. Und hier entdeckt man, wie auch auf einigen anderen Bildern, Menschen. Leicht abstrahiert zwar, aber erkennbar. „Die haben sich mehr oder weniger bewusst eingeschlichen“, sagt Klaus Fußmann. In allen Kunstrichtigen hätten Menschen in Landschaftsbildern ihren Platz gehabt. „Vielleicht ist das meine Art Aussöhnung mit der Welt oder der Landschaft.“

Die 50 Landschaftsbilder werden ergänzt durch 15 farbenprächtige Blumenbilder, für die Fußmann auch vorher schon bekannt war: Mohn, Margeriten, Rosen, Malven, Phlox, Sonnenblumen und Rudbeckia erblühen auf den Aquarellen. Viele Motive fand er in Malente, „die haben unglaublich schöne Vorgärten“. Die Garten-Schau ist, zumindest im Museum, eröffnet.

Begleitend zu der Ausstellung hat der Verleger Jens-Uwe Jess in der Edition Eichthal ein wunderbares kleines Buch herausgegeben, das Fußmanns Bilder zeigt, dazu gibt es passende Texte, die einen Bezug zum östlichen Schleswig-Holstein haben. So etwa ein Zitat aus dem Gedicht „Luise“ von Johann Heinrich Voß, die Sage und das Lied vom Ukleisee von Emanuel Geibel, ein Auszug aus Wilhelm von Humboldts Reisetagebuch nach Norddeutschland 1796, die humorvolle „Fahrt über den Plöner See“ von Wilhelm Lehmann und eine von der in Cismar lebenden Lyrikerin Doris Runge neu erzählte Sage der Waldfrau. Es sind sorgsam ausgewählte und schön aufgemachte Texte, und am Ende schreibt Klaus Fußmann, der sich übrigens auch als Buchautor einen Namen gemacht hat, eine Hommage an diesen ganz besonderen Landstrich: „Überraschend vielfältig, aber stets vor dem Hintergrund der Notwendigkeit, entstand hier mit der Zeit eine Landschaft, die wir schließlich als kollektives Kunstwerk begreifen können.“

Bilder & Buch

Die Ausstellung „Stadt Land Seen“ wird am Sonntag um 11.30 Uhr eröffnet. Einführende Worte: Augustin M. Noffke. Kurzlesung: Doris Runge. Die Ausstellung läuft bis zum 3. Juli.

Öffnungszeiten: Di-Fr 11-17 Uhr. Sa, So, Feiertag: 10-17.30 Uhr. Ab 28. April auch montags.

Preise: 8/4 Euro. Wer ein Ticket der Landesgartenschau hat, erhält 2 Euro Ermäßigung.

Das Buch „Stadt Land Seen“ ist in der Edition Eichthal erschienen, hat 112 Seiten und kostet zehn Euro. Es ist im Ostholstein-Museum und in Buchhandlungen erhältlich.

Von Petra Haase

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