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Die Gemeinde des großen Schnatterers

Entenhausen Die Gemeinde des großen Schnatterers

Überall Ducks: Hamburger Museum zeigt die Welt der humanoiden Enten – Ein Riesenvergnügen.

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„MomEnte der Weltgeschichte": Entenmotive (von oben l. im Uhrzeigersinn) auf einem Gemälde nach Eugène Delacroix zur französischen Julirevolution, als Gletschermumie „Dötzi“, ägyptische „Duckfretete“, Freiheitsstatue und als „Mona Duck“.

Quelle: Fotos: Christophe Gateau/dpa

Entenhausen. . Dass es eine Disney-Welt gibt, in der hauptsächlich Enten aus dem Geschlecht derer von Duck das Weltgeschehen vorantreiben, war bekannt. Dass es aber auch eine Enten-Welt ohne Disney gibt, ist für viele neu: Ihr widmet sich eine spektakuläre Ausstellung mit dem bezeichnenden Namen „Duckomenta“, die auf ihrer Tournee durch Deutschland derzeit unweit von Lübeck Station macht – im Archäologischen Museum in Hamburg-Harburg.

LN-Bild

Überall Ducks: Hamburger Museum zeigt die Welt der humanoiden Enten – Ein Riesenvergnügen.

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Die Erfinder

Die Berliner Künstlergruppe „interDuck“ hat das Enten-Paralleluniversum in den 80er Jahren ins Leben gerufen. Die Idee stammt von Prof. Eckhart Bauer von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, der seine Studenten aufforderte, spielerisch die Kunstgeschichte zu erkunden. Zwei Millionen Besucher haben die witzigen Kunstwerke bewundert.

Darin sind zahlreiche Exponate der Kunst- und Kulturgeschichte zu bestaunen: Vom fossilierten Duckaeopterix, der die Frage aufwirft, „ob dieser Fund auf die Entwicklung humanoider Enten oder anatider Menschen hinweist“, bis zur Gletschermumie „Dötzi“, bei deren Anblick sich der Betrachter fragt, „wie er mit dieser Statur ins Hochgebirge gelangt ist“. Zu beschauen sind Darstellungen des „Anas erectus“ oder auch des „Anas neanderthalensis“ sowie seiner Epoche zuzuordnende Höhlenmalereien mit dazugehörigen geschnäbelten Statuetten, die nach anfänglichen Fehldeutungen heute „als frühes Zeichen des bei Enten bis heute geltenden Schönheitsideals der Fettbürzeligkeit“ gelten.

Der Besucher schreitet an Artefakten aus alt-ägyptischer Zeit mit der Büste der betörenden „Duckfretete“ vorbei, über die Entwicklung der griechischen Antike mit anatider Medusa bis zur Säugung der Zwillinge Romulus und Remus durch – nein, keine Wölfin, sondern durch eine verwandte Art, die einst den Namen eines Kleinstplaneten erhielt. Es geht durch Mittelalter und Moderne bis hin zur Landung auf Mond und Mars: Dass die ersten Menschen auf dem Mond dortselbst einen nur menschenähnlichen Fußabdruck vorfanden, blieb der Menschheit lange verborgen. Es gibt abstrakte Enten, expressionistische, impressionistische, popartige im LichtensteinStil, solche der Romantik oder byzantinischer Ikonenmalerei sowie bisher unerkannte Hinweise auf die Religion der Anatiden, für die die Welt wie aus dem Ei gepellt ist. Eine Gottheit namens „der große Schnatterer“ gilt ihnen als Weltenlenker, und selbst ihr Einsatz bei der Landung in der Normandie 1944 ist duckomentiert, auch wenn die Enten seinerzeit „in die falsche Richtung schwammen“.

Wer die glucksenden und kichernden Besucher erlebt, die einander auf kleine Anspielungen auf den Gemälden oder an den Plastiken hinweisen sowie rätseln, wo jeweils die Ente zu finden ist, glaubt Museumsdirektor Rainer-Maria Weiss sofort, wenn er sagt: „Die Ausstellung ist schlicht und einfach ein großer Spaß“, der seit dem Start vor über 30 Jahren bereits über zwei Millionen Besucher in seinen Bann zog. Sie sei aber mehr, „denn sie vermittelt auch spielerisch Kunst- und Kulturgeschichte“.

Es sei „ausdrücklich erwünscht, dass die Kunstwerke ein Lächeln hervorzaubern“, fügt Geschäftsführerin Anke Doepner hinzu. Die kleinen loriotesken Erläuterungen tragen nicht unerheblich dazu bei. Die Künstler hinter dieser Marathonschau hätten „ein modernes Märchen“ geschaffen, „das von einer mystischen Entensippe erzählt, die parallel zu den Menschen lebte – den Anatiden“. Wer also in Hamburg Station macht – die viertelstündige S-Bahnfahrt vom Hauptbahnhof nach Harburg lohnt sich. Michael Wittler

„Duckomenta“, Di - So 10 - 17 Uhr, bis 4. Februar 2018 im Helms-Museum, Hamburg-Harburg, 6/4 Euro, Kinder und Jugendliche frei.

LN

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