Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Die Geschichte einer Flucht auf Zeltwände gebannt

Hannover Die Geschichte einer Flucht auf Zeltwände gebannt

Hunger, Not, Verzweiflung: Ein syrischer Künstler erzählt mit Zeichnungen die Geschichten der Flüchtlinge.

Voriger Artikel
„Hoffentlich ist Haydn mit mir zufrieden“
Nächster Artikel
„Tristan“: Jubel für die Musik, Buhs für die Urenkelin

Eyad Alkhateeb sitzt auf einem Bettgestell in jenem Zelt, auf dessen Wänden er Gesichter von Flüchtlingen verewigt hat.

Quelle: dpa

Hannover. . Ausgemergelte Menschen, Kinderfinger, die einen Daumen umklammern. Der syrische Künstler Eyad Alkhateeb hat  seine Erlebnisse und Erfahrungen sowie die Erzählungen seiner vier Mitbewohner aus einer Flüchtlingsunterkunft auf die  Innenwände  eines Zeltes gemalt. Der Plastikgeruch und die stickige Luft unter den Planen verstärken die bedrückenden Situationen, von denen die Zeichnungen erzählen. Die Städtische Galerie Kubus in Hannover hat gestern einen ersten Einblick in den Aufbau der Ausstellung „Eyad Alkhateeb: An Inside Look“ gegeben.

Zu sehen sind verzweifelte Menschen, die in einer Krisenregion auf Wasser und Nahrung warten, ein Engel, der über den Schlaf wachen soll und kleine Finger, die Halt und Hilfe suchen. „Hab keine Angst, mein Kind“ steht auf Englisch daneben. Alkhateeb ist verheiratet und hat zwei Kinder – sie sind noch immer in Syrien. Als er von ihnen erzählt, ringt der 34-Jährige um Fassung. Im Oktober habe er einen Antrag gestellt, damit seine Familie nachkommen könne. Diese Woche dürfe seine Frau endlich in der Botschaft vorsprechen, sagt er. Der Künstler ist seit einem Jahr in Hannover. Sechs Monate lebte er mit vier weiteren Flüchtlingen in dem Zelt, das in einem ehemaligen Baumarkt stand. „Ich konnte nachts nicht schlafen, also habe ich angefangen zu zeichnen“, erklärt Alkhateeb. Aus Sicherheitsgründen sei das Licht in der Halle nie ausgeschaltet worden. Bis zu 450 Menschen waren dort zeitgleich untergebracht.

„Wir haben davon erfahren, dass es dieses Kunstwerk gibt und eine passende Art der Ausstellung gesucht“, sagt Kultur- und Feuerwehrdezernent Harald Härke, der den Wiederaufbau begleitete und betont:

„Das Zelt gehörte zwar der Feuerwehr, nun ist es aber ein Kunstwerk.“

300 Zelte wurden für Notunterkünfte in Hannover angeschafft, jedes kostete etwa 2500 Euro. Manche sind kaputt gegangen, andere wurden eingelagert, dieses wird nun ausgestellt.

Ergänzt werden die Bilder durch Zitate von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Nietzsche. Eyad Alkhateeb, dessen Großmutter in Deutschland lebte, interessiert sich nach eigenen Angaben schon lange für deutsche Literatur, Philosophie und Musik. Er ist studierter Bildhauer und bereits in Gesprächen mit Professoren, weil er eine Doktorarbeit schreiben möchte. Sein Wunschthema: Die Auswirkungen von Politik auf die Kunst.

Besucher der Ausstellung können auch einen Film über Damaskus sehen, den der Künstler mit Texten und Musik versehen hat.

„Eyad Alkhateeb: An Inside Look“ öffnet am 12. August im Kubus, Theodor-Lessing-Platz 2, in Hannover.

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden