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Die Intendantin will Geschichten erzählen

Eutin Die Intendantin will Geschichten erzählen

In knapp einer Woche beginnen die 66. Eutiner Festspiele mit dem „Freischütz“.

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Eutin. Wenn eine Oper auf den Grünen Hügel von Eutin gehört, dann ist es Carl Maria von Webers „Freischütz“. Mit dieser romantischen Oper begann 1951 die Tradition des Musiktheaters auf der Bühne am Großen Eutiner See, am kommenden Freitag hat die Geschichte über den Jägerburschen Max, der sich dem Teufel verschreibt, wiederum Premiere in Eutin. Regie führt Dominique Caron, die Intendantin der Neuen Eutiner Festspiele.

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In knapp einer Woche beginnen die 66. Eutiner Festspiele mit dem „Freischütz“.

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„Kein Stück ist hier häufiger gespielt worden“, sagt Dominique Caron. „Das macht meine Aufgabe nicht einfacher.“ Vor allem will die Regisseurin ganz einfach die Geschichte erzählen: „Sie ist für sich spannend genug, als dass man noch viele Ingredienzien hinzufügen müsste.“ Die Geschichte des „Freischütz“ handelt von Angst: „Max hat Angst, den Probeschuss nicht erfolgreich absolvieren zu können und so seine Braut Agathe zu verlieren. Agathe wiederum plagen düstere Vorahnungen vor ihrer Hochzeit, ein Bild fällt von der Wand und verletzt sie. Max sieht deshalb nur die Möglichkeit, mit Hilfe des Teufels Freikugeln zu gießen. Aus Angst verschreibt er sich dem Bösen. Wie man sieht, hat die Angst viele Stimmen.“

Das Innenleben der Personen will Dominique Caron auf die Bühne am See bringen. „Aber natürlich auch die Szene in der Wolfsschlucht – der ,Freischütz‘ ist schließlich auch eine Schauergeschichte.“ Und auch auf einige ironische Brechungen, etwa bei den Kostümen oder in der Inszenierung der Chorszenen, will die Regisseurin nicht verzichten.

Zweite Regiearbeit von Dominique Caron ist in diesem Sommer George Bizets unsterbliche Oper „Carmen“. „Auch das ist eine Oper, in der es aus meiner Sicht darum geht, einfach die Geschichte zu erzählen. Die Geschichte des Don José, der aus Leidenschaft für Carmen seine bürgerliche Existenz opfert. Und die Geschichte der Carmen, die nur den Augenblick lebt. Und die gerade in diesem Punkt in dem Stierkämpfer Escamillo den idealen Partner findet.“

Dabei könnte doch alles so schön sein mit Don José und seiner braven Micaela. Ein solides Beamtenleben im Eigenheim mit Kindern und Enkeln wäre das geworden – wenn Don José nicht der verworfenen Carmen begegnet wäre. „Liebe kann man zur Not noch definieren, Leidenschaft aber nicht. Und in dieser Oper geht es um Leidenschaft. Im letzten Akt ist das Libretto ganz dicht an der Erzählung von Prosper Mérimée, bis zum brutalen Ende Carmens, das sie kompromisslos kommen sieht und hinnimmt.“

Mit Milana Buteava steht Dominique Caron für die Rolle der Carmen eine Darstellerin und Sängerin von Rang zur Verfügung, die im vergangenen Jahr als Amneris in „Aida“ bejubelt wurde.

Als dritte Produktion gibt es in diesem Jahr eine Wiederaufnahme: die Operette „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller. Inszeniert wird die Wiederaufnahme von Philip Lüsebrink.

Verzichten wird Intendantin Dominique Caron in diesem Sommer auf die traditionellen Gala-Abende. „Bei drei Produktionen haben wir keine Kapazitäten mehr frei für die Galas. Aber im kommenden Jahr werden wir zusätzlich zu ,Cavalleria rusticana‘, ,Der Bajazzo‘ und der Operette ,Die Fledermaus‘ wenn es möglich ist noch eine Crossover-Produktion auf die Bühne bringen.“

Erstmals werden in diesem Jahr zwei verschiedene Orchester bei den Eutiner Festspielen tätig sein. „Der Freischütz“ und „Der Vogelhändler“ werden gespielt vom wie gewohnt zusammengesetzten Festspielorchester, das aus Profis der Opernhäuser in Lübeck, Hamburg, Flensburg, Kiel und anderen norddeutschen Städten besteht. Ihren ersten Auftritt überhaupt wird die 2016 gegründete Kammerphilharmonie Lübeck bei „Carmen“ haben. Das Orchester besteht aus rund 60 Profi-Musikern, die sich vorgenommen haben, mit Auftritten an ungewöhnlichen Orten frischen Wind in die Musikszene Schleswig-Holsteins zu bringen. Romely Pfund dirigiert den „Freischütz“, Leo Siberski „Carmen“ und „Der Vogelhändler“.

Die Termine der Eutiner Festspiele

„Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber: 24. und 29. Juni, 9. und 15. Juli sowie 5. August jeweils 20 Uhr, 10. August, 19 Uhr.

„Carmen“ von George Bizet : 8. Juli, 20 Uhr, 13., 23. und 29. Juli, 6. und 13. August jeweils 19 Uhr, 16. Juli 18 Uhr.

„Der Vogelhändler“: 20. und 22 Juli, 7. und 12. August, 19 Uhr, 30. Juli und 3. August, 18 Uhr, 31. Juli, 16 Uhr.

Gastkonzert: „Carmina Burana“ mit der Eutiner Kantorei, dem Münchner Motettenchor und dem Kammerchor Cantico am 2. Juli um 20 Uhr.

LN

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