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Die Konzert-Revolution findet nicht statt

Eutin Die Konzert-Revolution findet nicht statt

Das Festival Classical Beat präsentiert sich an seinem ersten großen Abend in Eutin mit traditionellen Auftritten und vor einem gesetzten Publikum.

Eutin. Der Abend beginnt ganz konventionell. Der US-amerikanische Klarinettist und Hochschullehrer Robert Walzel sitzt inmitten eines Streichquartetts, sie spielen das Klarinettenquintett B-Dur von Carl Maria von Weber. Den Komponisten reklamieren die Eutiner für sich – er kam 1786 hier zur Welt –, Walzel ist quasi Ehren-Eutiner, ihn kennt man von den Festspielen. Das Quartett aber besteht aus Studentinnen und Studenten aus aller Welt, sie haben sich für dieses Konzert des Festivals Classical Beat zusammengetan, was hörbare Konsequenzen hat:

 

LN-Bild

Mit Swing von Benny Goodman in seinem Element: der US-amerikanische Klarinettist Robert Walzel.

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Frisch und engagiert gehen sie zur Sache, blindes Verständnis kann man nicht erwarten. Und so holpert der ansonsten geschmeidige Gesamtklang immer wieder.

Dem Publikum soll’s recht sein. Es verhält sich so informell wie es dem Anlass entspricht – man klatscht nach jedem Quintett-Satz. Classical Beat trägt den Anspruch vor sich her, eine neue Konzertkultur zu begründen, die jüngere Menschen für Musik jenseits der Popcharts begeistern will. Hans Wilhelm Hagen, ein Eutiner Ex-Banker, hat eigens eine Stiftung gegründet, die nun das erste Festival mit Konzerten in Eutin, Lübeck und auf Fehmarn veranstaltet. Das Neue daran: Klassik werde „mit moderner Klubkultur“ verbunden, so Hans Wilhelm Hagen.

In den Eutiner Schlossterrassen sollte nach ein paar Feierabendkonzerten „mit einem fulminanten Programm zwischen Klassik und Jazz“, so die Ankündigung, der Startschuss gegeben werden. Das Konzert begann mit der für Pop-Events üblichen Verspätung, die Zeit wurde gefüllt mit Lounge- Gebrumme aus der Konserve. Das Eutiner Kulturbürgertum war gekommen, was auch heißt, dass jüngere Leute in der Minderheit waren. Für Aufbruch stand der Schweizer Etienne Abelin, der als künstlerischer Leiter von Classical Beat die Veranstaltungen mit viel Schwung anmoderiert. Mit Hütchen und Converse-Sneakers verkörpert er den Willen zur Modernisierung des Konzertlebens. Zum Hipster fehlt ihm nur der Vollbart.

Auf dem Programm stand zunächst eine Komposition des Jazz- Klarinettisten Paquito d’Rivera, bei der die Streicher perkussive Aufgaben haben, was sie akademisch- kühl erledigen. Den Höhepunkt aber bildet ein Stück des jungen Pianisten Kai Ono für Klavier und Klarinette, das Formenreichtum mit impressionistischer Noblesse verband. Er führte es gemeinsam mit Walzel auf. Großer Applaus.

Robert Walzel war zum Schluss in seinem Element, als er mit einer Jazz-Rhythmusgruppe, der der Vibrafonist Doug Perry angehörte, der als Schlagzeuger ebenfalls schon bei den Eutiner Festspielen aufgetaucht war, den Swing feierte. Bei Standards von Benny Goodman wippten die reiferen Herrschaften im Publikum mit dem Fuß und sprachen dem Feierabendbier zu. Jugendkultur aber war weder zu sehen noch zu hören.

Heute beim Classical Beat Festival, 16 Uhr: Garten am frischen Wasser, Eutin, Schülerkonzert; 20 Uhr: Classical Beat Discover, Schlossterassen, Eutin

mib

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