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Die Liebe in Zeiten des Kapitalismus

Lübeck Die Liebe in Zeiten des Kapitalismus

„Die Ehe der Maria Braun“ nach dem Film von Rainer Werner Fassbinder hat morgen Premiere in den Kammerspielen.

Sina Kießling kehrt als Gast ans Theater Lübeck zurück.

Lübeck. Sina Kießling fand den Film so umwerfend, dass sie sich anfangs fragte: „Wie wird man dem gerecht?“ Die Schauspielerin, die für ein paar Jahre festes Ensemblemitglied am Theater Lübeck war, spielt die Titelrolle in „Die Ehe der Maria Braun“. Die anfänglichen Zweifel legten sich, als die eigene Produktion Gestalt annahm. Morgen ist Premiere in den Kammerspielen.

Der Film von Rainer Werner Fassbinder, 1979 bei der Berlinale uraufgeführt, war einer seiner größten Erfolge. Auch finanziell: Trotz hoher Produktionskosten spielte er einen stattlichen Überschuss ein. Es geht um eine Ehe, die geschlossen, aber niemals geführt wurde: Noch während des Zweiten Weltkrieges heiratet Maria den Soldaten Hermann Braun, im Stück verkörpert von Henning Sembritzki. Der jedoch muss rasch zurück an die Front, gerät in Gefangenschaft. Maria Braun (in jüngeren Jahren: Sina Kießling, später: Astrid Färber) bleibt allein zurück, rechnet irgendwann nicht mehr mit seiner Heimkehr. Doch eines Tages, als sie mit einem anderen Mann zusammen ist, steht er plötzlich doch vor der Tür.

Die Vielschichtigkeit des Stoffes hat auch das Theater Lübeck gereizt. „Die Ehe der Maria Braun“ ist zunächst einmal eine Liebesgeschichte. Zugleich aber wird davon berichtet, wie es zuging nach dem Zweiten Weltkrieg und davon, wie die Westdeutschen wieder zu Ansehen und Wohlstand kamen. Maria Braun ist eine, die die Regeln des Kapitalismus schnell lernt und für sich zu nutzen weiß. Für die Bühne wurde das Drehbuch — von Peter Märthesheimer und Pea Fröhlich — gekürzt, die Erzählstruktur etwas verändert. Ein Bühnenbild im eigentlichen Sinn gibt es nicht, das Geschehen spielt sich in einem Bühnenraum ab.

Regie führt das Duo Joerg Zboralski und Mirja Biel, das seit 2008 zusammenarbeitet und schon öfter Fassbinder-Stoffe auf die Bühne gebracht hat. Zboralski, 1967 geboren, stammt aus dem Ruhrgebiet. Mirja Biel, 1977 in Kiel geboren, begann ihre Theater-Karriere in Lübeck, absolvierte an der Beckergrube zunächst eine Ausbildung zur Theatermalerin. Sehr berührend sei das Stück, sagt Dramaturgin Katrin Aissen. Das Melodramatische werde immer wieder ironisch gebrochen — auch mit Hilfe von Musik, für die Richard von der Schulenburg verantwortlich ist. Wie auch im Film setzt er Schlager ein, die er jedoch verfremdet. Die Titel mag von der Schulenburg vor der Premiere nicht verraten. Nur so viel: Statt der „Capri-Fischer“ kommt der Schlager „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ zum Zuge. liz

Premiere morgen, 20 Uhr, Kammerspiele des Theaters Lübeck.

LN

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