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Kultur im Norden Die Literaten und die Krise um die Flüchtlinge
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19:15 29.01.2016
Martin Walser (88).

Zwischen Anerkennung und scharfer Kritik bewegten sich die Äußerungen namhafter Schriftsteller und Autoren zur Flüchtlingsdebatte. Altstar Martin Walser, gerade mit „Ein sterbender Mann“ erneut in den literarischen Ring getreten, zollte Kanzlerin Angela Merkel Lob: „In Deutschland wurde zum ersten Mal weltbewegend menschlich reagiert“, sagte Walser dem Magazin „Focus“.

Er stellte sich auch hinter das Merkel-Motto „Wir schaffen das“: „Wir haben nach 1945 viel mehr schaffen müssen, und wir haben es geschafft in einer viel, viel schlechteren wirtschaftlichen Lage.“

Dass sich das Land durch die Flüchtlinge verändern werde, sei auch eine Chance: „In 20 Jahren wird es Romane und Gedichte dieser Menschen geben, die es zuvor noch gar nicht geben konnte, und das wird ein Reichtum sein“, so der 88-Jährige.

Ganz anders beurteilt der Philosoph Peter Sloterdijk die Lage: „Die deutsche Regierung hat sich in einem Akt des Souveränitätsverzichts der Überrollung preisgegeben“, zürnte Sloterdijk („Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“) im Magazin „Cicero“, diese Abdankung gehe „Tag und Nacht weiter“. Sloterdijks Prognose: „Auf die Dauer setzt der territoriale Imperativ sich durch. Es gibt schließlich keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung.“ Der 68-Jährige prophezeite dem Nationalstaat ein langes Leben: Er sei das einzige politische Großgebilde, das halbwegs funktioniere.

Aus Kiel meldete sich der Schriftsteller Feridun Zaimoglu zu Wort, 1964 im anatolischen Bolu geboren, in München großgeworden und 1985 nach Kiel gekommen. Er forderte eine schonungslose Auseinandersetzung mit den Geschehnissen der Silvesternacht in Köln innerhalb der islamischen Gemeinschaft. Zwar sei Frauenverachtung „geradezu ein Gebot im Judentum, im Christentum und im real existierenden Islam — das nur an die Adresse der Heuchler, die vom Abendland schwätzen und nicht ein einziges Mal die Bibel aufgeschlagen haben“, so Zaimoglu, nach eigener Aussage „Moslem mit einem Kinderglauben“; er hat sich intensiv mit allen monotheistischen Religionen aus dem Orient befasst.

Zaimoglu („Siebentürmeviertel“) sieht eine Krise nicht des Islam, sondern „wir haben eine Krise moslemischer Männer mit Minderwertigkeitskomplexen“. Es gehe „nicht um Religionen, es geht darum, dass Menschen mit religiösem oder nationalem Anstrich den sozialen Frieden zu Klump schlagen wollen“. mw

LN

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