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Die Lübecker Elbphilharmoniker

Lübeck Die Lübecker Elbphilharmoniker

Hamburgs neues Wahrzeichen kommt auch bei den Musikern gut an. Sie sind angetan von Raum und Klang.

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Die Elbphilharmoniker in ihrem neuen Konzertsaal. Eingekreist Constantin Ribbentrop (links) und Daniel Tomann- Eickhoff.

Lübeck. Luft genug hat er, der Lübecker Daniel Tomann-Eickhoff (37) – Luft für lange Töne und schnelle Läufe. Und als begeisterter Sportler legt der zweite Flötist der Elbphilharmonie oft zwischen zwei Proben ein kleines Training ein. Zwischen sieben und 15 Kilometer entlang der Elbe, das macht dem erfahrenen Marthonmann nichts aus. Das Schönste aber ist der Rückweg, das Gebäude der Elbphilharmonie vor Augen: „Jedes Mal ein wunderbarer Anblick!“

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Hamburgs neues Wahrzeichen kommt auch bei den Musikern gut an. Sie sind angetan von Raum und Klang.

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Lange Tradition

Das NDR Elbphilharmonie Orchester wurde 1945 als „Sinfonieorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks“ gegründet, seit 1956 firmierte es als NDR Sinfonieorchester. 2016 wurde es nach seiner neuen Heimstatt in NDR Elbphilharmonie Orchester umbenannt.

Für Tomann-Eickhoff ist sein neuer Arbeitsort immer noch etwas Außergewöhnliches, immer noch neu und faszinierend sei es, den Fuß über die Schwelle des edlen Konzerthauses zu setzen. „Wir haben ja hier ein richtiges Zuhause, jeder Musiker mit eigenem Spind und den Stimmzimmern unterm großen Saal – mit Blick auf die Elbe.“ Das war früher in der Laeiszhalle beengter und improvisierter.

Aber das seien alles Randaspekte – um Meilen geschlagen vom Gefühl, im großen Saal der „Elphi“ musizieren zu dürfen. Nie werde er den Tag vergessen, an dem es die erste Probe dort gab. Extra Zeit hat er sich genommen, sagt der sportlich-hagere Tomann-Eickhoff, habe den großen Saal ganz bewusst erst betreten, als die Kollegen schon strahlend Platz genommen hatten, bereit zum ersten Ton. „Das habe ich mir von ganz oben angehört – und war sofort eingenommen vom Klang!“

Bei allem Lob der Akustik: Als Musiker müsse man sich sehr wohl einstellen auf die neue Umgebung. „Es spielt sich leicht und man hört sich selbst gut – das ist ein Vorteil, man kann ales sehr genau kontrollieren“, sagt der Flötist. Auf der Bühne selbst höre man andere Gruppen und Solisten dagegen nicht so deutlich. „Darauf kann man sich aber in den Proben einstellen.“ Und die große Stärke des Saales liege nicht darin, dass das Orchester dort laut und voll klingen kann – im Gegenteil: „Hier ist das leiseste Pianissimo möglich, das man sich vorstellen kann.“ Das werde unter Chefdirigent Thomas Hengelbrock auch oft geprobt: Erst leise, dann ganz leise, dann so leise wie möglich – dann davon nur halbe Kraft. „Schließlich bläst man kaum noch und trotzdem entsteht in diesem Raum im Zusammenspiel mit allen ein tragender Klang – und dem Chef ist es noch zu laut“, sagt der Flötist und lacht.

Oft hat er die Musik noch im Kopf, wenn es nach Hause geht zu Frau und Tochter. Dort kann er seine Begeisterung teilen: Daniels Frau Christina (33) ist Bratscherin am Lübecker Theater – und hat als Aushilfe bei den Elbphilharmonikern die faszinierende Akustik des neuen Hauses an der Elbe bereits selbst erprobt.

Constantin Ribbentrop spielt 2./4. Trompete bei den Elbphilharmonikern und wohnt mit seiner Familie mitten in der Lübecker Altstadt. Seine Frau spielt bei den Lübecker Philharmonikern Violine – und Constantin Ribbentrop fährt häufig mit dem Rennrad zu seinem Hamburger Arbeitsplatz. Als begeisterter Radsportler ist die Distanz für ihn eine Kleinigkeit.

Als Blechbläser sitzt er im Orchester direkt vor den Pauken, in der Elbphilharmonie etwas weiter entfernt als in der Laeiszhalle. „Hier entscheidet jeder Zentimeter, in der Elbphilharmonie geht der Paukenton schneller nach oben weg. Für uns Bläser ist es durchaus leiser“, sagt Ribbentrop. Den Klang des Großen Saales bezeichnet der Trompeter als „analytisch“ und etwas heikel: „Man hört gnadenlos jeden Fehler, auch für die Streicher ist die Akustik nicht unbedingt optimal. Dafür aber hören alle Instrumentengruppen sich selber besser, das ist ein echter Vorteil.“ An der Lösung eines Problems sollte nach Ansicht von Constantin Ribbentrop noch gearbeitet werden: „Jeden Huster im Publikum hören wir Musiker brutal laut, das stört wirklich. Vielleicht sollte man vor Konzerten Hustenbonbons verteilen, das könnte uns helfen.“

Jürgen Feldhoff und Nick Vogler

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