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Kultur im Norden Die Maler und das Meer
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22:12 17.09.2016

Wer Jochen Hein begegnet, muss auf Großes gefasst sein. Besucher seiner neuen Ausstellung etwa treffen als Erstes auf ein 5,40 Meter breites Triptychon: mehrere Meter bewegte Wasseroberfläche von der unteren Bildkante bis fast zum Horizont mit Wellen, Gischt und hellen Sonnenreflexen. „Nordsee“ heißt das beunruhigende Gemälde. Wasseroberflächen gehören zu den Hauptthemen von Jochen Hein, vor allem die Nordsee. Denn die hatte der 1960 in Husum geborene Künstler ja praktisch vor der Haustür.

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Jochen Heins 5,40 Meter breites Triptychon „Die Nordsee“ (ganz oben), der Künstler in seinem Atelier in Hamburg.

Wir sind ein Stubenfliegenwesen, einen Wimpernschlag sind wir da, denken aber, das Ganze hätte irgendetwas zu bedeuten.“Jochen Hein

Im Museum Kunst der Westküste in dem kleinen Dorf Alkersum auf Föhr, das einen seiner Schwerpunkte auf Bilder vom Meer legt, ist Jochen Hein gleich doppelt präsent. Seit Juni ist dort die Ausstellung „Über die Tiefe“ zu sehen. Heute wird die Schau „Jenseits der Zeit“ eröffnet. Dafür hat sich Hein gemeinsam mit Museumschefin Ulrike Wolff-Thomsen ins Depot des Museums begeben. Etwa 600 Werke galt es durchzusehen. Besucher der Ausstellung werden auf ganz große Namen wie Edvard Munch, Max Liebermann oder Piet Mondrian treffen sowie auf Künstler aus dem Norden Deutschlands und Europas.

Die Themen sind Wasser und Meer, Landschaften, Alltagsszenen, Porträts. Wer mag, kann Vergleiche anstellen. Etwa zwischen Heins „Nordsee“ und dem Gemälde „Blanker Hans“ von dem Nordfriesen Hans Peter Feddersen (1848-1941), das den damals zehn Jahre alten Hein bei einem Besuch im Nissen-Haus in Husum in Ehrfurcht versetzte. „Für mich gibt es keine neuen Themen“, sagt Jochen Hein, „aber es gibt immer wieder neue Bilder.“

Nicht immer sind die Bezüge derart offensichtlich. Aber Hein will die Ausstellung auch nicht als Dialog verstanden wissen. Vielmehr handele es sich um einen großen Chor, „in den jeder Maler eigentlich zeitlich versetzt, doch hier gleichzeitig einstimmt.“ Seine Bilder, die mit einer gewissen Distanz betrachtet fotorealistisch und fein gemalt wirken, sind aus der Nähe besehen eine Überraschung. Statt hauchzarter Pinselstriche ist ein gröberes Gewirr zu entdecken, das dadurch entsteht, dass der Künstler mehrere Farbschichten aufträgt beziehungsweise -spritzt, um dann einen Teil der Farbe abzuschleifen oder zu -kratzen. Welch feine Wellen, Gischt, Lichtreflexe, Wasseroberflächen, Gras, Landschaften er auf diese Weise formt, ist mehr als verblüffend. Das gilt auch für eine weitere Spezialität Heins – Haar-Bilder von ganz besonderer Ästhetik. Große braune Locken scheinen ineinander verschlungen zu sein, Lichtreflexe lassen sie wirklicher als die Wirklichkeit erscheinen.

Solches lasse sich mit einem abgebrochenen Bleistift schaffen, sagt der Künstler. Auch mit Materialien experimentiert er gern. Für sein Großgemälde „American Star“ von einem rostigen Schiff hat er außer Acrylfarbe deshalb auch Eisenoxid verwendet.

Menschen kommen in Heins Meeresbildern oder Landschaften nicht vor. Menschen, die dem Künstler nahestehen, begegnet man in seinen großformatigen Porträts. Lebensgroß befinden sie sich in einem schwarzen Raum, der alles umgibt, nur für Kopf und Hände gilt dies nicht. Hein spricht von Selbstporträts: „Denn sie zeigen meinen Blick auf meine engsten Verwandten und Angehörigen.“

„Jenseits der Zeit“, Museum Kunst der Westküste, Alkersum auf Föhr, bis 8. Januar 2017

Liliane Jolitz

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