Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° wolkig

Navigation:
Die Musiker und der Musensohn Geibel

Lübeck Die Musiker und der Musensohn Geibel

Wie ein „Musikalisches Quartett“ wirkte der Abend in der Lübecker Villa Brahms am Jerusalemsberg. Ähnlich wie in der Literatursendung saßen Größen ihres Fachs in lockerer Runde beisammen und sprachen über Emanuel Geibel.

Voriger Artikel
Lübeck ist „Die Stadt aus Rauch“
Nächster Artikel
Wer wird Nachfolger von Bob Dylan?

Das Emanuel-Geibel-Denkmal schuf der Bildhauer Hermann Volz. Es steht in der Königstraße.

Quelle: Foto: Dpa

Lübeck. Geibel war der „literarische Star des 19. Jahrhunderts“ und spielte eine bedeutende Rolle innerhalb der romantischen Liedkunst. Viel zu sagen hatten Musikwissenschaftler Wolfgang Sandberger als Gastgeber und als Gäste der Bariton und Altphilologe Ulf Bästlein sowie der Germanist Hans Wißkirchen. Am Rande platziert war Pianist Sascha El Mouissi, der nur durch seine Musik sprach und auf Nachfrage betonte, er hätte nicht Teil der Runde sein mögen, denn viele Worte zu machen sei seine Sache nicht.

Es war ein gelungener Abend, an dem sich Gesang und Wort die Waage hielten. Musikalische Fragen, literarische Aspekte und historische Einschätzungen zur Einordnung des wegen seiner ausgeprägten national-preußischen Einstellung auch als problematisch geltenden Dichters ließen die Veranstaltung lehrreich und gleichermaßen kurzweilig werden. In drei musikalischen Blöcken präsentierten Sänger und Pianist Geibelvertonungen von Brahms, Mendelssohn, Wolf oder Schumann, aber auch von Komponisten, die heute kaum mehr jemand kennt wie Gottfried Herrmann oder Adolf Jensen.

Nahezu alle Vertonungen zählen nicht zum gängigen Repertoire, sondern sind Wiederentdeckungen. Das Duo hat sie auf einer gerade erschienenen CD „Ich blick’ in mein Herz und ich blick’ in die Welt“

zusammengefasst. Neben der intellektuellen, spielerisch-geistreichen Unterhaltung war der Abend auch musikalisch ein Genuss. Ulf Bästlein hat eine große Stimme, die vor allem in dem Lied „In mondverklärten Nächten“ von Gottfried Herrmann ihren Facettenreichtum zeigte und mit fließenden, geradezu schmeichelnden Klavierklängen durch den Pianisten untermalt wurde. Eingerahmt wurde der Abend durch ein lockeres Beisammensein vor und nach dem Gesprächskonzert mit Wein und feinen Snacks, sodass die Gäste der sehr gut besuchten Veranstaltung mit den Künstlern und Wissenschaftlern ins Gespräch kommen konnten.

Von Cornelia Schoof

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden