Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Die Musiker und der Musensohn Geibel
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Die Musiker und der Musensohn Geibel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:28 30.09.2017
Das Emanuel-Geibel-Denkmal schuf der Bildhauer Hermann Volz. Es steht in der Königstraße. Quelle: Foto: Dpa

Geibel war der „literarische Star des 19. Jahrhunderts“ und spielte eine bedeutende Rolle innerhalb der romantischen Liedkunst. Viel zu sagen hatten Musikwissenschaftler Wolfgang Sandberger als Gastgeber und als Gäste der Bariton und Altphilologe Ulf Bästlein sowie der Germanist Hans Wißkirchen. Am Rande platziert war Pianist Sascha El Mouissi, der nur durch seine Musik sprach und auf Nachfrage betonte, er hätte nicht Teil der Runde sein mögen, denn viele Worte zu machen sei seine Sache nicht.

Es war ein gelungener Abend, an dem sich Gesang und Wort die Waage hielten. Musikalische Fragen, literarische Aspekte und historische Einschätzungen zur Einordnung des wegen seiner ausgeprägten national-preußischen Einstellung auch als problematisch geltenden Dichters ließen die Veranstaltung lehrreich und gleichermaßen kurzweilig werden. In drei musikalischen Blöcken präsentierten Sänger und Pianist Geibelvertonungen von Brahms, Mendelssohn, Wolf oder Schumann, aber auch von Komponisten, die heute kaum mehr jemand kennt wie Gottfried Herrmann oder Adolf Jensen.

Nahezu alle Vertonungen zählen nicht zum gängigen Repertoire, sondern sind Wiederentdeckungen. Das Duo hat sie auf einer gerade erschienenen CD „Ich blick’ in mein Herz und ich blick’ in die Welt“

zusammengefasst. Neben der intellektuellen, spielerisch-geistreichen Unterhaltung war der Abend auch musikalisch ein Genuss. Ulf Bästlein hat eine große Stimme, die vor allem in dem Lied „In mondverklärten Nächten“ von Gottfried Herrmann ihren Facettenreichtum zeigte und mit fließenden, geradezu schmeichelnden Klavierklängen durch den Pianisten untermalt wurde. Eingerahmt wurde der Abend durch ein lockeres Beisammensein vor und nach dem Gesprächskonzert mit Wein und feinen Snacks, sodass die Gäste der sehr gut besuchten Veranstaltung mit den Künstlern und Wissenschaftlern ins Gespräch kommen konnten.

Von Cornelia Schoof

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ich lese gerade in den Tagebüchern des Lübecker Dichters Erich Mühsam (1878-1934, von den Nazis im KZ Oranienburg ermordet).

30.09.2017

Wer heute einen großen Lübeck-Roman schreibt, steigt in große Fußstapfen. Thomas Manns „Buddenbrooks“ schwebt wie ein Damoklesschwert über Autoren, die sich der Hansestadt als Thema widmen wollen. Svealena Kutschke hat es dennoch gewagt.

30.09.2017

So lebendig hat man Brechts modernen Klassiker lange nicht mehr gesehen. Sinnvoll ergänzt mit neuen Texten, ohne das Original dadurch zu schwächen, hervorragend besetzt und außerdem auch noch kurzweilig: Diese Labor-Version von „Mutter Courage“ kann sich sehen lassen.

30.09.2017
Anzeige