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Kultur im Norden Die Passion des Franz B.
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18:34 12.09.2018
Susanne Höhne spielt den Tod, der in „Berlin Alexanderplatz“ stets gegenwärtig ist. Quelle: Falk von Traubenberg
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Lübeck

 Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ gehört zu den großen epischen Werken der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, neben „Ulysses“ von James Joyce und „Manhattan Transfer“ von John Dos Passos. „Berlin Alexanderplatz“ schlug in seinem Erscheinungsjahr 1929 ein wie eine Bombe. Es war der erste wirkliche Großstadtroman, Döblins Montage-Technik war eine Innovation. Und jetzt kommt dieses 500 Seiten starke Buch als Schauspiel auf die Bühne des Großen Hauses des Theaters Lübeck.

Andreas Nathusius hat die Bühnenfassung geschrieben und führt Regie. Zuletzt hatte er mit seiner Version von Günter Grass’ „Die Blechtrommel“ großen Erfolg in Lübeck, in Erinnerung geblieben ist unter anderem auch seine Inszenierung von Lessings „Nathan der Weise“. Länger als ein halbes Jahr habe er an der Bühnenfassung gearbeitet, erzählt Nathusius. „Es war sehr viel Arbeit, sich selbst den Text zu erarbeiten und dann konsequent zu reduzieren, bis die Netto-Spielzeit dann bei drei Stunden lag.“

Besonderen Wert legt der Regisseur darauf, die Montage-Technik Döblins auf die Bühne zu übertragen. „Döblin hat Texte von der Antike bis in seine Gegenwart in seinen Roman eingefügt“, sagt Nathusius. „Die Aufgabe war, diese ganzen Zitate in einen verständlichen Zusammenhang zu bringen. Auch für Zuschauer, die ,Berlin Alexanderplatz’ nicht gelesen haben.“ Die Montagen finden auf der Bühne aber nicht nur mit Worten statt, sie werden sich auch in schnellen Szenenwechseln manifestieren. „Wir wollen die Geschichte von Franz Biberkopf erzählen und gleichzeitig die Atmosphäre des Romans auf die Bühne bringen“, sagt Nathusius dazu.

Die Geschichte von Franz Biberkopf hat es in sich. Die Romanhandlung beginnt mit dem Tag, an dem Biberkopf aus dem Gefängnis entlassen wird. Er ist ein einfacher Mann, früher war er Transport- und Zementarbeiter. Die vier Jahre im Gefängnis musste er absitzen, weil er im Streit seine Freundin Ida erschlagen hatte. In Freiheit fällt es ihm zunächst schwer, Fuß zu fassen, zu sehr hat sich Berlin verändert, die Stadt ist in diesen Jahren schneller, lauter und bunter geworden. Biberkopf arbeitet als Straßenhändler und hat sich geschworen, anständig zu bleiben. Er lebt mehr schlecht als recht, hat aber immer Freundinnen. Irgendwann gerät er an den Berufsverbrecher Reinhold, der ihn überredet, an Einbrüchen teilzunehmen. Bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei stürzt Biberkopf aus dem Auto und verliert einen Arm, auf Reinhold lässt er dennoch nichts kommen. Erst als dieser Biberkopfs Freundin ermordet, wird es dem Dulder Franz zu viel. Er landet im Irrenhaus, wird durch eine Begegnung mit dem Tod geläutert und kann fortan tatsächlich ein anständiges Leben führen.

„In diesem Roman und in dem Stück gibt es zwei Hauptpersonen: Franz Biberkopf und die Stadt Berlin“, sagt Andreas Nathusius. „Er befindet sich in einem Zustand, in dem sich auch heute viele Menschen nicht mehr zurechtfinden. Rapider technologischer Fortschritt, immer mehr akustische und optische Reize, dazu die allgemeine Beschleunigung des Lebens: Das ist zu viel für den einfachen Mann. Und das macht ,Berlin Alexanderplatz’ auch so aktuell. Erst nach seiner Läuterung findet er sich selbst und kann den Rat geben: Seid wachsam! Gegenüber der Welt und gegenüber euren Mitmenschen. Auch das ist höchst aktuell, im Berlin des Romans findet ein Tanz auf dem Vulkan statt, der letztlich in der NS-Diktatur und im Zweiten Weltkrieg endete.“

Premiere am 14. September 2018 um 19.30 Uhr im Großen Haus des Theaters Lübeck.

Jürgen Feldhoff

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