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Die Prinzessin musste lange leiden

Lübeck Die Prinzessin musste lange leiden

Saisoneröffnung am Theater Lübeck mit „Ariadne auf Naxos“: Die Oper mit der Musik von Richard Strauss und dem Libretto von Hugo von Hofmannsthal ist ein schwieriges Stück. Warum das Werk so kompliziert zu inszenieren ist, zeigt ein Blick auf die Entstehungsgeschichte...

Der Haushofmeister (Steffen Kubach, links) mit den Akteuren der Commedia und der großen Oper über Ariadne (mit Hochfrisur: Gabriela Scherer).

Quelle: Jochen Quast

Lübeck. Die Urfassung wurde 1912 ein krachender Misserfolg, die neue Fassung geriet 1916 zum Erfolg, der bis heute anhält. Und das, obwohl auch die Neufassung kein homogenes Werk ist und zudem einige gefährliche Längen aufweist. Eine Oper für Kenner und Strauss-Liebhaber ist „Ariadne auf Naxos“ zudem – dieses Werk zur Saisoneröffnung zu geben, ist fast tollkühn.

LN-Bild

Saisoneröffnung am Theater Lübeck mit „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss.

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Bei der Lübecker Inszenierung von Aurelia Eggers wurden die Probleme der „Ariadne“ ebenso deutlich wie der Reiz, den dieses Werk unbestritten hat. Die Längen wirkten auch in dieser Produktion ausgesprochen lang, vor allem im Vorspiel, das seltsam uninspiriert wirkte. Zwar legte die Regisseurin vor allem Wert auf die Gestalt der Ariadne, deren Wandlung von der arroganten Primadonna zur leidenden Verlassenen das Bindeglied zwischen den beiden Teilen darstellen sollte. Der Funke wollte in diesen ersten 40 Minuten nicht überspringen. Das lag auch an der musikalischen Leistung: Den Philharmonikern und ihrem Generalmusikdirektor Ryusuke Numajiri gelang es in diesem ersten Teil nicht, wirklich Zugang zur Musik von Strauss zu finden.

Optisch hatte der erste Teil einiges zu bieten. Die Kostüme von Veronika Lindner waren fantasievoll und für hiesige Verhältnisse geradezu opulent, die um ein quadratisches Gebäude in der Bühnenmitte gebaute Szenerie (Andreas Wilkens) erfüllte ihre Zwecke.

Den zweiten Teil, die eigentliche Oper, verlegte Aurelia Eggers an die Gestade des Mittelmeeres, dort, auf der Insel Naxos, ließ Theseus die unglückliche Prinzessin ja auch sitzen. Mit drei Nymphen haust Ariadne auf der Insel, sie will nicht mehr leben und beginnt, sich mit einem Messer die Handgelenke aufzuritzen. Mit Andrea Stadel, Annette Hörle und als Gast Evmorfia Metaxaki stand der Regisseurin eine Luxus-Nymphen-Besetzung zur Verfügung. Warum Nymphe Echo allerdings als Blinde auftreten musste, wurde nicht deutlich.

Gabriela Scherer als Ariadne gelang es, die ganze Verzweiflung dieser unglücklichen Frau zu vermitteln. Sie verfügt über einen warm und fraulich timbrierten Sopran, dem man die Anstrengung nicht anmerkte. Der Wechsel ins jugendlich-dramatische Fach ist der aus der Schweiz stammenden Sängerin gut bekommen. Ihre schauspielerischen Fähigkeiten wurden weniger gefordert.

Erik Fenton als Bacchus sang seine Partie in heldentenoraler Manier, die lyrischen Passagen blieben dabei fast auf der Strecke. Das mag sich noch ändern.

In diesem zweiten Teil der „Ariadne“ hat dann auch Zerbinetta ihren großen Auftritt. Die neu ins Ensemble gekommene Emma McNairy ist nicht nur eine wunderbare und durch ihre Frische und Beweglichkeit überzeugende Darstellerin, sie ist auch gesanglich auf der Höhe. Ganz fertig ausgebildet ist ihre Stimme zwar noch nicht, aber man kann hören, welch riesengroßes Potenzial in ihr steckt. Nach der großen Arie bekam die Sängerin minutenlangen Szenenapplaus.

Herausragend als Komponist war wieder einmal Wioletta Hebrowska. Diese Partie ist exponiert, Wioletta Hebrowska gelangen auch die höchsten Töne elegant und sicher. Als Musiklehrer brillierte Gerard Quinn, in der Sprechrolle des Haushofmeisters beeindruckte Steffen Kubach. Auch die anderen Nebenrollen waren passend besetzt.

Im zweiten Teil fanden Dirigent und Orchester dann auch zu dem kammermusikalischen Klang, den diese Oper erfordert, die mit nur 36 Orchestermusikern besetzt ist. Einige Male aber ließ Ryusuke Numajiri viel zu laut spielen.

Das Publikum bejubelte die Sängerinnen und Sänger, für das Regieteam und den Dirigenten gab es freundlichen Beifall.

Die nächsten Vorstellungen: 18. 9. (18 Uhr), 2. 10. (16 Uhr).

Fruchtbare Zusammenarbeit

Sieben Bühnenwerke schufen Richard Strauss (1864-1949) und der österreichische Autor Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) gemeinsam. Die Künstler kannten sich seit 1899, als erste Zusammenarbeit entstand „Elektra“ (1909). Es folgten „Der Rosenkavalier“ (1911), „Ariadne auf Naxos“ (1912/1916) sowie in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg „Die Frau ohne Schatten“ (1919), „Die ägyptische Helena“ (1928) und „Arabella“ (1933). Ins Jahr 1912 fällt auch die Uraufführung der Pantomime „Josephs Legende“. Strauss und Hofmannsthal führten einen ausgedehnten Briefwechsel.

 Jürgen Feldhoff

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