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Die Rotunde wurde zur Kathedrale

Lübeck Die Rotunde wurde zur Kathedrale

Das Philharmonische Orchester Lübeck bot zum Saisonende geistliche Chor- und Orchesterwerke von Mendelssohn und Messiaen.

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Hinter dem Philharmonischen Orchester sangen der Chor des Lübecker Theaters sowie der Carl- Philipp-Emanuel-Bach-Chor.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. In der Rotunde der Lübecker Musik- und Kongresshalle mochte man sich wie in einer Kathedrale fühlen. Das Programm der Lübecker Philharmoniker beim letzten Konzert der Saison 2015/16 bestand nämlich aus Werken, die auch in der Kirche aufgeführt werden könnten. Generalmusikdirektor Ryusuke Numajiri koppelte Mendelssohns „Lobgesang“ mit einem Jugendwerk des großen französischen Orgelmeisters Olivier Messiaen (1908-1992).

Mindestens 150 Mitwirkende waren aufgeboten. Hinter den Philharmonikern standen der Chor des Lübecker Theaters sowie der Carl- Philipp-Emanuel-Bach-Chor aus Hamburg. Jan-Michael Krüger hatte die Lübecker vorbereitet, Gabriele Pott die Gäste aus Hamburg.

„Lobgesang“ nannte Felix Mendelssohn Bartholdy seine Sinfonie Nr. 2. Vom Aufbau her ist es eher eine ausgedehnte Kantate mit sinfonischer Einleitung. Angeblich war der Rat der Stadt Leipzig anno 1838 der Auftraggeber. Gefeiert werden sollte 400 Jahre Buchdruckerkunst als menschliche Errungenschaft im Zusammenspiel mit dem göttlichen Geist. Aus dem Dunkel des Mittelalters schritt der Mensch zum Licht der Vernunft. Oft wird Beethovens Neunte als Vorbild genannt. Der Vergleich hinkt, denn Chor und Gesangssolisten bilden bei Beethoven nur den Schluss. Bei Mendelssohn bestimmen sie zwei Drittel des Geschehens.

Der Komponist wählte Textstellen aus der Luther-Bibel und Gesangbuchverse, um sein Gotteslob zu verkünden. In fulminanter Klangentfaltung zelebrierte Numajiri den einleitenden Hymnus. Federnd und leicht ging es in den Allegro-Teil der Sinfonia. Mächtig brauste der erste Chorsatz auf: „Lobt den Herrn mit Saitenspiel.“ Da kam sehr oft Power auf, wenn die Chöre sich ins Zeug legten. Auch die Solisten durften voll aussingen, Andrea Stadel und Katharina Kühn mit hellen Sopranstimmen, Daniel Jenz mit seinem Operntenor, der hier fürs Oratorium gezügelt wurde. Das üppige Chor- und Orchesterwerk erhielt am Schluss viel Beifall.

Die erste halbe Stunde des Konzertes hatte dem jungen Olivier Messiaen gehört. Bekannt ist er fast ausschließlich als Komponist von Orgelmusik, seine großformatigen Zyklen für die „Königin der Instrumente“ dauern bis zu zwei Stunden. In jungen Jahren – er war mit 22 Organist in Paris geworden – schrieb er geistliche Meditationen für großes Orchester. Sein Beichtvater hatte dem frommen Katholiken Messiaen die Himmelfahrt Christi als geheimnisvollstes Fest der Christenheit beschrieben. „L’Ascension“ nannte der 24-Jährige deshalb sein Werk.

Als besinnlichen Auftakt dirigierte Ryusuke Numajiri den ersten Satz, eine mächtige Steigerung für das Blech aufbauend. Klangschöne Holzbläsersoli, unterlegt mit leichten Streicherteppichen, symbolisierten die Sehnsucht einer gläubigen Seele. Mit flirrenden Farben malte das volle Orchester schwungvoll den dritten Satz aus. Festlich ließen Dirigent und Orchester das Stück ausklingen, mit geheimnisvoll aufleuchtenden Streichern. Auch hier herzlicher Beifall des konzentriert mitgehenden Publikums.

Konrad Dittrich

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