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Die Schatztruhe der Museumsfreunde

Schleswig Die Schatztruhe der Museumsfreunde

Schloss Gottorf widmet Freundeskreis eine Ausstellung — Schau quer durch Stile und durch mehrere Jahrhunderte.

Schleswig. Ausstellungen unterstützen, aber auch mal Klappstühle besorgen oder Geld für die Fassadenbeleuchtung geben: Der Freundeskreis Schloss Gottorf mit seinen etwa 3000 Mitgliedern ist der gute Geist des Landesmuseums in Schleswig. Wichtigste Aufgabe aber sind Ankäufe. Etwa 1000 Arbeiten hat der Freundeskreis in den 67 Jahren seines Bestehens erworben und dem Schloss als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt.

Die Anschaffungen folgten vor allem den Vorlieben der jeweiligen Museumsdirektoren, der Mode, dem Kunstmarkt und den jeweiligen finanziellen Möglichkeiten. So ist eine bunte Sammlung aus unterschiedlichen Epochen zusammengekommen, in der alte Schinken ebenso ihren Platz haben wie zeitgenössische Kunst. Viele Stile und Techniken sind vertreten, Gemälde und Grafik, Skulpturen, Fotos und Kunsthandwerk. Entsprechend vielseitig ist auch die Ausstellung mit dem Titel „Beste Freunde“.

Die Kuratoren Christian Walda und Thomas Gädeke haben 200 Werke ausgesucht und eine Ordnung hergestellt. Unten ist die Malerei angesiedelt, oben befindet sich die Abteilung Grafik. Außerdem gibt es einen Bereich, in dem Kunsthandwerk gezeigt wird.

An einem Werk kommt kein Besucher der Ausstellung vorbei: an HAP Grieshabers Arbeit zur alttestamentarischen Geschichte von Josef und seinen Brüdern unter Berücksichtigung des Romans von Thomas Mann.

Sie besteht aus 36 Pastellzeichnungen auf Papier — Entwürfen für eine Folge von Linolschnitten, die der Künstler für die evangelische Pfarrkirche Stuttgart-Untertürkheim fertigte. Sie beherrscht die größte Wand gegenüber dem Eingang.

Nur 35 der 36 Blätter sind allerdings erhalten, so dass in der unteren Reihe eine Lücke, eine entsetzliche Lücke, klafft. In Nachbarschaft dazu wird ein weiteres Monumentalwerk gezeigt, ein Wandteppich von beachtlicher Größe, der bisher im Depot schlummerte. Eine menschenleere, irreale Landschaft in erdigen Farben mit sich windendem Gewässer, Bäumen, Büschen, Bergen und Wolken, die den Titel „Urlandschaft“ trägt und 1946 von Alfred Mahlau und Hildegard Osten geschaffen wurde.

Viel Raum nehmen die Norddeutschen Realisten ein, denen Schloss Gottorf 2013 eine Ausstellung gewidmet hatte. Nun sind sie wieder dabei, Friedel Anderson mit dem Meeres-Gemälde „Kein Land in Sicht“, Lars Möller mit „Männlicher Akt an der Wand“ oder auch Erhard Göttlichers „Erfolgreicher Kommunalpolitiker“ (1990), das Porträt eines beleibten Mannes mit fleischigem Gesicht. Norddeutsche Realisten hätten dem Freundkreis Arbeiten gestiftet, sagt Kurator Christian Walda, „deshalb sind die so gut vertreten“.

Bei aller Vielfalt: Eine repräsentative Auswahl wurde für die Ausstellung nicht getroffen, wie Museumschefin Kirsten Baumann unterstreicht. Sonst würde die Grafik dominieren, auf der mit 70 Prozent der Arbeiten der große Schwerpunkt liegt.

Es galt zu zeigen, was man hat, und große Namen zu präsentieren. Radierungen von Rembrandt sind zu sehen, außerdem Werke von Ernst Barlach und Oskar Kokoschka. In der Abteilung Kunsthandwerk finden sich Arbeiten von Klaus Fußmann. Hier gehören aber auch Werke unbekannter Künstler zu den herausragenden Stücken — Schießbogen oder Jagddolch aus dem 17. Jahrhundert.

Ein umfangreicher Katalog ergänzt die Ausstellung. Hier sind die Exponate nach Anschaffungsdatum abgebildet. Schriftsteller aus dem Norden wurden gebeten, dazu Texte zu verfassen. Viele sind diesem Wunsch gefolgt, zum Beispiel Armin Mueller-Stahl, Doris Runge, Feridun Zaimoglu und Heinrich Detering, andere stammen aus dem Nachlass wie ein Gedicht von Günter Grass (siehe Foto und Text oben).

Dass so viele bemerkenswerte Texte zusammengekommen sind, erfüllt Gabriele Wachholtz, Vorsitzende des Freundeskreises, mit Stolz: „Deren Blick auf ihr Lieblingsbild ermöglicht uns eine neue, oft ungewohnte, zugleich lebhafte und anregende Sicht auf unsere Kunstwerke.“

„Beste Freunde“, 16. Februar bis 5. Juni, Reithalle, Schloss Gottorf

Liliane Jolitz

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