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Kultur im Norden Die „Sounds der Gegenwart“ auf Kampnagel
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18:17 11.08.2016
Schwarmchoreografie: Tänzer des Ballet du Nord tanzen „Auguri“, das Stück des französischen Choreographen Olivier Dubois. Quelle: dpa

. Es beginnt in nahezu völliger Dunkelheit: Schemenhaft sind vier längliche, durchsichtige Kästen auf der Bühne zu erkennen, die mit überkreuzten Stahlseilen an der Decke befestigt sind. Neben einem Kasten steht eine Tänzerin im spärlichen Scheinwerferlicht und blickt ins Publikum. Dröhnende Elektromusik erklingt. Plötzlich rennt wie aus dem Nichts eine Tänzerin im Kreis über die Bühne, es folgt ein zweiter Tänzer aus der anderen Richtung, eine dritte – leicht bekleidet in Hose und T-Shirt. Die Musik schwillt an, wird immer bedrohlicher, es wird heller, und immer mehr Tänzer rennen über die Bühne, manchmal scheint es, als ob sie sich gegenseitig jagen.

Mit der mit viel Beifall bedachten Uraufführung von „Auguri“ hat der französische Choreograf Olivier Dubois das Internationale Sommerfestival in der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel eröffnet. Dabei überträgt er das Prinzip der Ornithomantie, das Wahrsagen durch die Beobachtung von Vögeln, das in der Antike weit verbreitet war, auf den Tanz. Die dabei entstehenden choreografischen Bilder sollen etwas über das Schicksal der Menschen aussagen. „Wir wollen in die Zukunft sehen, aber es gibt keine Antwort, oder bestenfalls entdeckt jeder für sich eine andere.

Noch bis zum 28. August präsentieren Avantgarde-Künstler aus aller Welt das Neueste aus den Bereichen Theater, Tanz, Musik, Film, Performance und Bildende Kunst. „Wir wollen Künstler verschiedener Sparten miteinander vernetzen, die sich an unserer gesellschaftlichen Gegenwart abarbeiten und daraus Zukunftsvisionen in neuen künstlerischen Formaten entwickeln“, sagte Festivalleiter András Siebold. Das Programm solle die „Sounds der Gegenwart“ einfangen. Natürlich würden dabei auch radikalere Positionen gezeigt wie etwa ein Musical über Pornografie des Hamburger Komponisten Thies Mynther und des israelischen Regisseurs Jason Danino Holt. „Es geht darum, die Leute herauszufordern“, sagte Siebold.

Spektakuläre Aktionen verspricht auch „The Greatest Show on Earth“: Die Dramaturgen Anna Wagner und Eike Wittrock haben internationale Performance-Künstler eingeladen, ein 20-minütiges Programm in einer Manege zu präsentieren.

Eine Pop-Oper hat der japanische Komponist Keiichiro Shibuya der animierten Manga-Figur Hatsune Miku gewidmet: Das Mädchen mit den blauen Haaren ist der größte Popstar der digitalen Welt. Zu den musikalischen Höhepunkten gehört ein neues Projekt mit Liebesliedern von Jan Plewka, Sänger der Band Selig, das Tom Stromberg inszeniert hat. Die Abschlussparty beschallt die satirische Elektro-Band Fraktus, eine Erfindung der Künstlergruppe Studio Braun. Carola Große-Wilde

Kartentelefon: (040) 27094949 oder tickets@kampnagel.de

LN

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