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Kultur im Norden Die Sprache der Politik
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18:26 27.10.2018
Grünen-Spitzenpolitiker Robert Habeck reflektiert in seinem neuen Buch die Wirkung der Sprache in der Politik. Quelle: imago/IPON
Lübeck

Eine Wahl stand an in Großbritannien, und Premierministerin Theresa May war mal wieder schwer angeschlagen. Also ging sie in die Offensive und brachte in jedem zweiten Satz „strong and stable“ unter – stark und stabil. Es war ermüdend, und es war peinlich. Noch peinlicher wurde es, als sie gefragt wurde, wie ihre Kindheit war. Sie überlegte einen Moment und sagte dann: „Strong and stable.“

Sprache ist wichtig in der Politik. Sie kann aufbauen, sie kann zerstören. Für Robert Habeck, den ehemaligen Kieler Superminister und jetzigen Grünen-Vorsitzenden, liegt in ihr „ein Schlüssel, ja vielleicht sogar das Geheimnis für die politische Praxis der Gegenwart“. Es gebe „faktisch keine Politik vor und jenseits der Sprache“.

„Wer wir sein könnten“ heißt seine jetzt erschienene Schrift. Es geht darin um das Setzen und Besetzen von Begriffen, um Deutungshoheit. Darum, wie man im Kampf mit Worten die Oberhand gewinnt. Eine der Thesen des Philosophen und Philologen: „Nur was wir sagen können, können wir denken“ – und dann Wirklichkeit werden lassen.

Es geht ihm nicht um sprachliche politische Unfälle wie „Infrastrukturplanungsbeschleunigungsgesetz“, sondern gerade auch um die Sprache, wie sie von rechter Seite als Kampfmittel eingesetzt wird. Bei der AfD würden Menschen so zu Dingen. Und sie sei auch deshalb so erfolgreich, weil die Linke einen „Raum der Sprachlosigkeit“ geschaffen oder gelassen habe. Den gelte es zurückzuerobern.

Aber das gehe nicht mit einer moralisierenden Sprache, die sich selbst nicht hinterfragt. Es gehe in der Sprache der Demokratie „nicht um Wahrheit oder ewige Werte, sondern um Argumente und Rechte“. Das möge verstören, fügt er an, wie das Buch überhaupt manchmal verstörend durch den Stoff mäandert, aber diese Haltung zeuge von der „Demut der Macht“. Habeck geht es vor allem um eine Beweglichkeit im Denken und Sprechen. Man müsse eine andere Form der politischen Kommunikation finden, eine, „die einlädt und fasziniert“ – kurz: Wir müssen „mehr Offenheit wagen“.

Robert Habeck, „Wer wir sein könnten“, Kiepenheuer & Witsch, 128 Seiten, 14 Euro

Peter Intelmann

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