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Kultur im Norden Die Star-Trompeterin zeigt Nerven
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18:16 19.08.2016
Äußerlichkeiten zählen nicht: Alison Balsom mit der NDR Radiophilharmonie unter der Leitung des Dirigenten Andrew Manze. Quelle: Olaf Malzahn

Die britische Trompeterin Alison Balsom sagt immer wieder, dass Medien und Publikum nicht so viel Aufhebens um ihr Äußeres machen sollten. Dass vielmehr ihre Musik, ihre Interpretationen barocker und klassischer Werke gewürdigt werden müssten. Doch dann betritt sie strahlend im leuchtend roten Hosenanzug (mit Rückendecolleté) die Bühne in der Lübecker Musik- und Kongresshalle – und man ist geblendet. Wie sollte man da Äußerlichkeiten ignorieren?

Versuchen wir’s. Alison Balsom gilt als eine führende Vertreterin ihres Instruments, und das Trompetenkonzert von Joseph Haydn bezeichnet sie als eines ihrer Lieblingswerke, es ist ihr vertraut wie sonst nur wenige Partien. Wie immer lässt sie schon ein paar kurze Solomotive während der Orchestereinleitung hören – da wird schon mal die Akustik vermessen. Als dann der eigentliche Einsatz der Trompete ansteht, scheint die Solistin von Nervosität behindert zu werden. Ihr Ton steht, aber er kommt gepresst aus dem Schalltrichter. Sie intoniert ihren Part gesanglich, doch Souveränität hört sich anders an. Immerhin lässt sie am Ende des Kopfsatzes eine Kadenz hören, die geschmeidig das Haydn’sche Motivmaterial durchdekliniert, auch wenn die Koloraturen nicht überschäumend klingen. Das hat sich bei ihr schon einmal befreiter angehört. Eleganter bläst sie dann das Andante und das flotte Finale.

Ganz bei sich scheint Alison Balsom nach der Konzertpause zu sein, als sie ins hintere Glied zurücktritt. Die verkleinerte NDR Radiophilharmonie begleitet die norwegische Sopranistin Mari Eriksmoen bei der Bach-Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“, Balsoms Pikkolo-Trompete strahlt dazu mit lächelnder Virtuosität, ohne protzig aufzutrumpfen. Schön, dass auch die Sängerin nicht die Funken sprühen lässt, sondern in fast kindlicher Manier, doch überaus gewandt jauchzt.

Die Radiophilharmonie aus Hannover umrahmte die Balsom-Auftritte mit einer Haydn-Sinfonie (g-Moll Hob. I:39) und mit Mozarts „Jupiter“-Sinfonie. Chefdirigent Andrew Manze legte dabei auf scharfe dynamische Kontraste Wert, sie gerieten fast etwas ruppig, doch auch prägnant. Als Zugabe gönnte er dem begeisterten Publikum dann noch das flinke Finale der „Haffner“-Sinfonie.

mib

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