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Die Steinzeit-Kunsthalle wird kopiert

Paris Die Steinzeit-Kunsthalle wird kopiert

Die berühmte Lascaux-Höhle in Südwestfrankreich wird nachgebaut: Erstmals wird die ganze Grotte mit allen Malereien reproduziert. Mitte Dezember soll sie eröffnet werden.

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Mehr als 25 Künstler arbeiten seit über drei Jahren an der Reproduktion der Bilder und des Höhlensystems aus dem südfranzösischen Lascaux.

Quelle: Fotos: Sabine Glaubitz/dpa, Martin Schutt/dpa

Paris. . Die Höhle von Lascaux wird wegen ihrer reichen Steinzeitmalerei die „Sixtinische Kapelle der Urgeschichte“ genannt. Nur sind die über 17

LN-Bild

Die berühmte Lascaux-Höhle in Südwestfrankreich wird nachgebaut: Erstmals wird die ganze Grotte mit allen Malereien reproduziert. Mitte Dezember soll sie eröffnet werden.

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000 Jahre alten Kunstwerke nur noch für wenige Wissenschaftler zugänglich. Die Grotte bei Montignac in der Dordogne wurde 1963 wegen Pilzbefalls, der durch den Atem Tausender Besucher entstanden ist, geschlossen. Auch die vor mehr als 30 Jahren eröffnete Kopie Lascaux II, in der ein Teil der Tierdarstellungen nachgebildet ist, musste mittlerweile restauriert werden. Sie ereilte dasselbe Schicksal. Unter dem Namen „Lascaux III“ tourt seit einigen Jahren eine Ausstellung durch die Welt. Nun wird Lascaux IV neben dem Original realisiert.

Rund 60 Millionen Euro hat die neue Kopie gekostet, denn erstmals wird die ganze Grotte mit über 1900 Tiermalereien reproduziert. Ein gigantisches Unternehmen, denn die von den Cro-Magnon-Menschen mit natürlichen Pigmenten gemalten und gravierten Felsenbilder sind von erstaunlicher Qualität und Präzision. Selbst Pablo Picasso war begeistert. „Wir haben nichts Neues gelernt“, soll der Maler nach der Besichtigung der Original-Höhle im Jahr 1940 gesagt haben. Die jungpaläolithische Grotte steht seit 1979 auf der Weltkulturerbe-Liste der Unesco.

Die Idee zur neuen Replik ist Anfang 2000 entstanden, als erste, durch die Lascaux II-Besuchermassen ausgelöste Schäden an dem Hügel festgestellt wurden, unter dem auch das Original liegt. Zudem drohte auch der 1983 eröffneten Lascaux II der Pilzbefall. Bis zu zehn Millionen Besucher wurden in den vergangenen 30 Jahren durch die Replik geschleust.

„Mit dem neuen Faksimile soll der Besucherstrom besser verteilt werden“, hofft Nicolas Platon, der sich um die Kulturstätte im Departement Dordogne kümmert. Lascaux IV liegt rund 500 Meter vom Original entfernt. Schließen werde man Lascaux II nicht, denn sie sei die erste Replik in der Geschichte der Höhlenmalerei.

Lascaux IV ist spektakulär, auch wenn es sich noch um eine Baustelle handelt. Die Höhle ist in einem riesigen Betonklotz untergebracht, der zum Teil in der Erde, zum Teil an der Oberfläche liegt. Irgendwann soll die Replik eins werden mit der Natur. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro Snøhetta. Die Norweger sind bekannt für fließende Übergänge von Landschaft und Architektur.

Die neue Kopie hätte schon früher eröffnet werden sollen. Doch um die Finanzierung gab es Streit. Mit vier Millionen Euro ist der Staat Frankreich nun dabei.

Ein zwischenzeitliches Finanzloch stopften die Europäische Union mit zwölf Millionen Euro und Privatsponsoren mit mehr als zwei Millionen Euro. Offiziell heißt die neue Replik „Centre International de l‘Art pariétal Montignac-Lascaux“, etwa Internationales Zentrum für Höhlenmalerei. Denn die Kopie bildet nicht nur naturgetreu die reich verzierten Felskammern nach. Ein Teil des 8500 Quadratmeter großen Faksimile ist der Wissenschaft der prähistorischen Kunst gewidmet und der Geschichte von Lascaux.

Über 25 Künstler arbeiten seit mehr als drei Jahren in einem Atelier an der Reproduktion der Tierbilder. Millimetergenau gemalt und graviert wird auf Felsimitationen aus Stahl und Acrylharz, die auf einem 3-D-Modell basieren, für dessen Design Boden, Wände und Decken der Originalhöhle gescannt wurden. Die ersten Kopien der Höhlenmalereien haben in der Replik bereist ihren Platz gefunden.

Alles werde so wie in der Originalhöhle sein, erklärt Nicolas Platon. Sogar die Temperatur und die Feuchtigkeit. 

Die ersten Tierbilder

Die Höhle von Lascaux im französischen Département Dordogne enthält die ältesten bekannten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte. Die Tierbilder sollen zwischen 17000 und 15

000 vor Christus entstanden sein. Einige Experten meinen gar, sie seien 21000 bis 38000 Jahre alt. Dargestellt sind Auerochsen, Wisente, Wildpferde, Hirsche, Steinböcke, Raubkatzen, ein Bär, ein Rentier und ein Einhorn.

Entdeckt wurde die Höhle 1940 von vier Jugendlichen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Lascaux der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, 1963 allerdings wegen großer Schäden geschlossen.

Von Sabine Glaubitz

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