Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Die Tragödie des unberechenbaren Königs
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Die Tragödie des unberechenbaren Königs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:32 24.10.2013
Pit Holzwarth Quelle: Maxwitat

Lübecks Schauspieldirektor Pit Holzwarth ist Shakespeare- Experte — er hat die Bremer Shakespeare Company mitbegründet, seine Version der „Lustigen Weiber von Windsor“

wurde im neuen Globe Theatre in London gezeigt, als es noch Baustelle war.

Nun inszeniert er erstmals in Lübeck ein Stück des größten Dramatikers aller Zeiten: „König Lear“, das ausladende Vater-Töchter-Drama von 1605. Doch keine Angst: Spezialist Holzwarth wird, das hat ein Probenbesuch gezeigt, eine leichte und, bei aller Dramatik, von Witz begleitete Version in den Kammerspielen zeigen.

Das fängt bei der Titelfigur an: Lear, sonst gerne als gewichtige, laut tönende Person auf die Bühne gestellt, wird von Robert Brandt gespielt, einem eher schmächtigen Schauspieler mit komödiantischer Ader. Er wollte ihn „gegen den Strich besetzen“, sagt der Regisseur. Holzwarths Fassung kommt mit wenigen Schauspielern für viele Rollen aus: Das Verhältnis lautet etwa sieben zu 17.

Nur Brandt darf sich auf den König von Britannien konzentrieren, aber die drei Schauspielerinnen, die seine beiden durchtriebenen Töchter und die aufrichtige Jüngste spielen, müssen noch diverse Männerrollen auf sich nehmen. „Ich habe versucht, die Ornamentierung zu reduzieren und die Familiengeschichte ins Zentrum zu stellen“, sagt Holzwarth.

Diese Familiengeschichte wird angefacht von der Frage des Alten an die drei Töchter: „Welche von euch liebt uns nun wohl am meisten?“ Zwei schmeicheln ihm, die Jüngste, aufgefordert, sich zu erklären, sagt: „Nichts!“ — und wird enterbt. Der König aber, der seine Macht und seinen Besitz an die beiden Älteren abtritt, wird von diesen in der Folge als Altlast verstoßen. Lear steuert auf den Wahnsinn zu.

Es sei eines der schwersten Stücke Shakespeares, „auch weil Lear schwer zu fassen ist“, so Holzwarth. Er zitiert den Literaturwissenschaftler Stephen Greenblatt: Die späten Figuren Shakespeares seien von einer „strategischen Undurchsichtigkeit“. „Lears Handlungen haben etwas Willkürliches.“ Die Entscheidung, die Menschen in der Liebe träfen, „sind eben unerklärlich und irrational.“ Holzwarth wird seine These für die Motive des alten Patriarchen und seiner Brut aber überraschend sichtbar machen. Mit seinen großen Inszenierungen hat der Schauspieldirektor das Publikum immer wieder mit originellen Einfällen verblüfft und mit Märchenhaftem verzaubert. Der „Lear“ wird da keine Ausnahme machen.

Premiere: heute, 20 Uhr, Kammerspiele des Theaters Lübeck

mib

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Jussi Adler-Olsen und Andreas Eschbach haben neue Bücher herausgebracht.

24.10.2013

Im Arbeiter-und-Bauern-Staat singen — dafür kämpfte Udo Lindenberg lange. Dann wurde sein Traum wahr. Heute vor 30 Jahren durfte er im Palast der Republik ans Mikrofon — für 15 Minuten.

24.10.2013

Vier ansehnliche Männer unter 40, die sehr schön singen — gemeinsam, ohne Instrumentalschnickschnack.

24.10.2013
Anzeige