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Die Wahrheit ist ein – relativ – hohes Gut

Lübeck Die Wahrheit ist ein – relativ – hohes Gut

Morgen beginnt die Saison des Schauspiels am Theater Lübeck mit einem Klassiker: „Ein Volksfeind“ von Henrik Ibsen. Das Drama des Norwegers gehört zu den meistgespielten Stücken auf deutschen Bühnen und ist auch eine beliebte Schul-Lektüre.

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Marja Biel hat mehrfach in Lübeck inszeniert. Sie setzte unter anderem „Der Spieler“, „Woyzeck“ und „Die Ehe der Maria Braun“ in Szene.

Lübeck. In Lübeck inszeniert Mirja Biel das gesellschaftskritische Drama aus dem Jahr 1882. An Aktualität hat das Werk aus Sicht der Regisseurin nichts verloren: „Wenn man den Text liest, kommen einem viele Personen aus der heutigen Politik in den Sinn. Donald Trump natürlich mit seinen Thesen zu ,Fake news‘ und ,alternativer Wahrheit‘. Beim Namen genannt wird er in unserer Inszenierung allerdings nicht.“

Wahrheit ist eins der Zentralen Themen in „Ein Volksfeind“. Ein Küstenort in Norwegen hat durch die Entdeckung einer Heilquelle als Kurort prächtig verdient, als der Badearzt entdeckt, dass das „Heilwasser“ durch die Abfälle einer Gerberei verseucht ist. Zunächst machen Medien und Mitbürger den Arzt aufgrund seiner Entdeckung zum „Volksfreund“, später kippt die Stimmung, aus dem Aufklärer wird der „Volksfeind“. Mira Biel: „Ibsens Drama ist ein Lehrstück darüber, wie Medien Wahrheiten generieren können, die sich unabhängig von den Fakten entwickeln. Und es ist ein Lehrstück über die Verführbarkeit von Menschen.“

Eine besonders pikante Note erhält die Geschichte durch die Tatsache, dass der Bruder des Arztes Bürgermeister des Kurortes ist, der mit allen Mitteln für den Weiterbetrieb der Heilquelle eintritt:

„Aus der persönlichen Auseinandersetzung wird eine politische.“

Mirja Biel hat Ibsens Drama kräftig gekürzt und die Sprache modernisiert. So will sie die emotionalen und auch die komischen Elemente klarer herausarbeiten: „Manche Dialoge haben schon fast Dada-Qualität, und das bei einem so ernsten Thema.“ Die Kulissen in den Kammerspielen werden aus Papier bestehen, sie sind variabel und wirken durch ihre eigene Form oder durch Projektionen – ein Material, so vergänglich wie der Ruhm. Fel

Premiere morgen um 20 Uhr.

LN

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