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Kultur im Norden Die Welt als große Wundertüte
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21:17 05.01.2016

Pearl S. Buck (1892-1973) war zu Lebzeiten eine der erfolgreichsten US-amerikanischen Schriftstellerinnen. 1938 erhielt sie den Literaturnobelpreis. Ihr Roman „Die gute Erde“ aus dem Jahr 1931, in dem sie das Leben eines armen chinesischen Bauern beschreibt, der zum Großgrundbesitzer aufsteigt, ist zu einem Klassiker geworden und erhielt den Pulitzer- Preis. Heute ist das Werk der in China aufgewachsenen Autorin allerdings aus der Mode gekommen. Das könnte sich jetzt ändern.

Vor über drei Jahren wurde in einer Lagerhalle in Texas ein Manuskript Bucks zu Tage gefördert. „Die Welt voller Wunder“ erscheint jetzt auch auf Deutsch. Buck hat es vermutlich kurz vor ihrem Tod im Jahr 1973 geschrieben.

Es handelt sich um einen klassischen Entwicklungsroman. Buck beschreibt den Weg des hochbegabten Rann Colfax vom Säugling bis zu seinem Durchbruch als Bestsellerautor.

Verständnis findet er zunächst nur bei seinem Vater, der zu Ranns Unglück jedoch früh stirbt. Der Sohn muss allein in die Welt hinaus. Geradezu klassisch lässt Buck ihren Helden verschiedene Stufen der Erkenntnis erklimmen. Zunächst entdeckt er die Sexualität — doch er wird von Männern und Frauen immer wieder enttäuscht. Schließlich lernt er in Paris eine Französin mit chinesischen Wurzeln kennen, die, wie auch die Autorin, versucht, ihre verschiedenen Identitäten miteinander in Einklang zu bringen. Bei ihr erfährt Rann die Liebe, aber auch den Sinn für Schönheit und Kunst.

Als US-Soldat in Korea bekommt Rann Einblick in dunkle Schwarzmarktpraktiken des Militärs, die er in seinem ersten Roman veröffentlicht. Das Buch macht ihn berühmt. Wie der Titel andeutet, begreift Rann die Welt als eine große Wundertüte, deren Geheimnisse er sich nach und nach aneignet.

Bucks letztes Buch erscheint wie ein vom Alter verklärter und weichgezeichneter Rückblick auf ihr eigenes, an Erfolgen und außergewöhnlichen Erfahrungen reiches Leben.

„Die Welt voller Wunder“ von Pearl S. Buck. Deutscher Taschenbuch-Verlag, 368 Seiten, 19,90 Euro

Sibylle Peine

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