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Die Welt des George Grosz

Hamburg Die Welt des George Grosz

Das Hamburger Barlach-Haus zeigt Bilder des Berliner Großstadtflaneurs, Caféhausgängers und Polit-Aktivisten aus der Zeit von 1914 bis 1930.

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Gab der Schau den Titel: Grosz’ Bild „Der große Zeitvertreib“.

Hamburg. Die Bilder sind zum Teil 100 Jahre alt.Und sie sind zum Frösteln aktuell. Der böse, kalte, exakte, satirische, analytische Blick von George Grosz (1893-1959) liefert sozial- und gesellschaftskritische Bilder, Zeichnungen, Druckgrafiken, Aquarelle, die wie Sittengemälde der 20er Jahre daherkommen.

LN-Bild

Das Hamburger Barlach-Haus zeigt Bilder des Berliner Großstadtflaneurs, Caféhausgängers und Polit-Aktivisten aus der Zeit von 1914 bis 1930.

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Museum im Park

Bis zum 15. Januar ist die Grosz-Ausstellung im Hamburger Barlach-Haus zu sehen. Das Museum im Jenisch Park im Hamburger Stadtteil Groß Flottbek hat Dienstag bis Sonntag von 11 – 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet sieben Euro (bis 18 Jahre frei).

„Der große Zeitvertreib“ ist die Schau betitelt. Sie umfasst mehr als 90 Arbeiten aus der Zeit von 1914 bis 1930. Und sie kommt mit Blick auf den inzwischen beendeten Böhmermann-Prozess zum rechten Zeitpunkt, sagt Karsten Müller, Leiter des Hamburger Ernst-Barlach- Hauses, wo die Bilder zu sehen sind: „Auch Georg Grosz hatte ja genau wie Jan Böhmermann zu Lebzeiten gewisse Prozesse durchzustehen.“ Es geht also um Meinungsfreiheit, Freiheit der Kunst – damals wie heute.

Und es geht – wie das titelgebende Bild „Der große Zeitvertreib“ vom Clown, der mit Freizeitaktivitäten jongliert – um eine in sich zerrissene Gesellschaft. Auf der einen Seite die Goldenen Zwanziger mit Unterhaltung, Varieté, Kabarett und einer Berliner Gesellschaft, die sich im Bewusstsein sonnt, Schmelztiegel Europas und der Künste zu sein. Und auf der anderen Seite politische Unruhen, die Grosz als Kommunist selbst befeuert habe. Straßenkämpfe, Kriegsversehrte, Huren, Bettler, Gangster, Schachernde, Großindustrielle, Bonzen – all das hat Grosz festgehalten. Es ist das Sammelsurium einer Berliner Gesellschaft, auf deren Schwelle Hitlers Fratze und die Vorboten des zweiten Massenschlachtens im 20. Jahrhundert zu erkennen sind. Und so ist es vom aktuellen Europa gar nicht entfernt, schaut man auf die Bilder. Man fragt sich nur, wo sind die Typen wie Grosz, Kurt Tucholsky, Elias Canetti, Karl Kraus, Wieland Herzfelde, John Heartfield, mit denen Grosz im Berliner Malik Verlag politisch wirkte, heute. Viel mehr als Böhmermann fällt da kaum auf, zumal der Kunstbetrieb der Gegenwart mit sich selbst beschäftigt ist.

Die Ausstellung geht auf den gleichnamigen Gedichtband von Peter Pons – Pseudonym für Gerhard Otto – zurück. Die Datierung der Bilder von 1914 bis 1930 zeigt unterschiedliche Phasen des Schaffens von Grosz, so Müller. Da finde sich zugleich Leichtigkeit, aber auch Schwere und Bösartigkeit.

Die Schau besteht aus zwei Leihgaben und war 2014 im Düsseldorfer Kunstpalast zu sehen. 65 Arbeiten stammen aus dem Museum Kunstpalast und 30 Bilder von einem privaten Düsseldorfer Sammler. Das Barlach-Haus zeigt frühe Flaneursskizzen, Trinkergeschichten, Caféhaus- und Straßenszenerien mit den Wimmelbildern aus der „Ecce Homo“-Mappe von Grosz. Karsten Müller empfindet die Konstellation Grosz-Barlach „hochspannend, weil beide in derselben Zeit gearbeitet und ähnliche Gegenwartsbezüge haben, obwohl man das bei der urbanen Coolness von Grosz nicht erwartet hätte. Aber wenn man sich die Bettlerfiguren von Barlach ansieht, erfährt man dieselbe Realität. Barlach dockt bei Grosz an.“

Michael Meyer

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