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Kultur im Norden Kapellmeister Luiz de Godoy über die Freude am Singen
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16:58 04.12.2018
Der Mozartchor der Wiener Sängerknaben mit seinem Kapellmeister Luiz de Godoy. Quelle: Luckas Beck
Lübeck

Die Wiener Sängerknaben sind der älteste Knabenchor der Welt, der nicht zu einer Kirche gehört. Ihr Sie sind eine Institution in der Musikgeschichte und blicken auf eine über 500-jährige Tradition zurück. Mit ihren kristallklaren, perfekten Stimmen präsentieren die Knaben am 6. Dezember im Lübecker Dom in ihrem Weihnachtskonzert neben klassischen Werken auch Advents- und Weihnachtslieder unter dem Motto „200 Jahre Stille Nacht“.Kapellmeister Luiz de Godoy sprach mit den LN über junge Talente und die Freude aufs Fest.

Sie sind seid zwei Jahren Kapellmeister der Wiener Sängerknaben und leitet deren Mozartchor. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Das Besondere an dieser Aufgabe ist die große Verantwortung, die man hat, wenn man mit jungen, talentierten Kindern und Jugendlichen arbeitet. Gleichzeitig ist es auch ein Privileg, denn die Aufgabe hält so viele Möglichkeiten bereit. Mit Musik zu arbeiten kann gerade bei Heranwachsenden viel bewegen. Die wahre Faszination geht jedoch von der unglaublichen Professionalität, vom staunenswerten Können dieser Jungen aus. Man muss sich eben immer wieder vergegenwärtigen, dass diese kleinen Sänger musikalisch hochbegabt sind – nicht zufällig gingen ungezählte prominente Musiker und Komponisten aus dem Chor hervor.

Sehen Sie sich eher als musikalischen Leiter, Löwenbändiger oder Beichtvater?

Es ist eine Mischung von allem. Wir verbringen ja viel Zeit miteinander: in Wien mit einem sehr intensiven Alltag und dann drei Monate im Jahr auf Tournee. Jungen in dem Alter brauchen eine Identifikationsfigur. Wenn man im künstlerischen Umfeld miteinander arbeitet, braucht man eine gute Beziehung, die ich ihnen hoffentlich sowohl musikalisch als auch menschlich geben kann. Daher trenne ich nicht zwischen Vaterfigur und Chorleiter.

Ihre musikalische Ausbildung begann auch als Sängerknabe an der Musikschule in São Paulo. Wie unterscheidet sich die dortige musikalische Ausbildung zu der bei den Wiener Sängerknaben?

Es gibt viele Unterschiede, vor allem sozialer Art. Zu uns kommen Kinder aus aller Welt und aus allen sozialen Schichten. Das war in São Paulo ganz anders. Dort hatten nur wenige ausgesuchte Kinder aus dem Land die Möglichkeit, an einer der wenigen öffentlichen Musikschulen Brasiliens eine musikalische Ausbildung auf diesem Niveau zu genießen.

Konzert in Lübeck

Der Mozartchor: Die Wiener Sängerknaben sind eine Institution in der Musikgeschichte und blicken auf eine über 500-jährige Tradition zurück.

Das Konzert: Mit ihren kristallklaren, perfekten Stimmen präsentieren die Knaben am 6. Dezember um 20 Uhr im Lübecker Dom in ihrem Weihnachtskonzert neben klassischen Werken auch Advents- und Weihnachtslieder unter dem Motto „200 Jahre Stille Nacht“.

Tickets: Für das Weihnachtskonzert des SHMF gibt es noch Restkarten an der Abendkasse.

Welches Anforderungsprofil muss ein Junge mitbringen, um Mitglied im berühmtesten Knabenchor der Welt zu werden?

Lust aufs Musizieren, Begeisterung für die Musik und Disziplin. Wenn sich Kinder in diesem Alter dieser Aufgabe widmen möchten, dann müssen sie sich bewusst dafür entscheiden. Ein musikalisches Talent ist jedem in die Wiege gelegt worden; mit der richtigen Förderung und Betreuung kann sich jeder zu einem Chorsänger entwickeln. Idealerweise kommt ein Kind - wenn es nicht schon die Volksschule der Wiener Sängerknaben besucht - im Alter von acht oder neun Jahren zum Vorsingen. In diesem Alter kann man noch alles lernen, was man als Sängerknabe so braucht. Wenn das Vorsingen erfolgreich verläuft, wird der Kandidat zum „Schnuppern“ für eine Probezeit eingeladen, in der sich herausstellt, ob der Knabe Sängerknabe wird oder nicht. Die wichtigste Voraussetzung ist aber die Freude am Singen. Dafür reicht ein ganz einfaches Volkslied beim Vorsingen.

Ist das in der heutigen Zeit schwieriger geworden, weil sich Jugendliche angeblich lieber mit Smartphone und Computerspielen beschäftigen?

Ich glaube nicht, dass es schwieriger geworden ist. Im Gegenteil: durch die Zugänglichkeit zu den Medien können viel mehr Kinder in Kontakt mit uns treten. Natürlich sieht der Alltag anders aus als früher und Medien sind teilweise zum Konkurrenten fürs Musizieren geworden. Ich sehe es dann aber als eine Herausforderung an, mir besonders große Mühe zu geben, so dass die Knaben bei der Sache bleiben.

Als Botschafter Österreichs und seiner Musikkultur sind die Wiener Sängerknaben in aller Welt bekannt. Zu den Höhepunkten gehören die Weihnachtskonzerte, mit denen Sie am 6. Dezember auch in den Lübecker Dom kommen. Was erwartet die Konzertbesucher?

Im ersten Teil erklingen Motetten, die eine Bogen vom 16. Jahrhundert über Heinrich Schütz, Franz Schubert und Benjamin Britten bis in die Gegenwart schlagen. Und im zweiten Teil singen wir dann traditionelle Weihnachts-Volkslieder von „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ bis Max Regers „Mariä Wiegenlied“. Dadurch ist das Programm sehr abwechslungsreich und stimmungsreich. Über allem steht die Idee des wohl berühmtesten Friedenslieds der Welt „Stille Nacht“, das in diesem Jahr 200. Geburtstag feiert.

Sind sind mit dem Chor in der ganzen Adventszeit unterwegs. Kommt da bei Ihnen und den Jungs überhaupt so etwas wie Weihnachtsstimmung auf?

Es ist natürlich viel Arbeit und mit vielen Reisen verbunden. Aber es ist ja unsere Passion, Musik zu verbreiten. Wir freuen uns auf unsere Tournee durch Schleswig-Holstein, denn das deutsche Publikum ist sehr aufmerksam und sehr gut informiert. Wenn man mit Kindern unterwegs ist, kommt die Weihnachtsstimmung aber ganz allein auf. Jedes Mal wenn wir an einem Weihnachtsmarkt vorbei kommen und die Möglichkeit haben, dort zu halten, dann steigt die Vorfreude auf das Fest. Wir sind rechtzeitig in Wien zurück zu unserem gemeinsamen Weihnachtsfest mit allen vier Tourneechören, das wir mit allen Kindern, Eltern und Mitarbeitern feiern. Am 25. Dezember gestalten wir dann traditionell die Weihnachtsmesse in der Hofburgkapelle, bevor es für alle in die Winterpause geht.

Andreas Guballa

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