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Die Zappanale feierte den Vater und den Sohn

Bad Doberan Die Zappanale feierte den Vater und den Sohn

Dweezil Zappa spielte drei Stunden lang in  Bad Doberan. Er selbst sagte:  „Ich wollte nie wie er werden“.

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Große Musik gespielt in altem Stil

 Dweezil Zappa (48)

Quelle: Thorsten Czarkowski

Es war wie die Heimkehr eines verlorenen Sohns. Als am Sonnabend Nachmittag kurz nach 15.30 Uhr Dweezil Zappa (48) das große Zelt gegenüber der Haupttribüne der Zappanale betrat, war da mehr als nur Begeisterung. In dem Applaus, im Jubel und in den euphorischen „Dweezil!“-Rufen war zu spüren, wie froh und glücklich die Besucher der 28. Zappanale waren, dass endlich auch einmal der Sohn ihres großen Idols nach Bad Doberan gekommen war.

Dabei ist Dweezil gar nicht der erste mit dem Nachnamen Zappa, der zu diesem inzwischen europa-, ja sogar weltweit bekannten Festival zu Ehren Frank Zappas und seiner Musik gekommen war. Aber er ist eben ein besonderer Zappa. Dweezil ist derjenige, der die Musik seines Vaters am Leben erhält, der sie virtuos auf die Bühne bringt, der sie spielt, ohne sie einfach nur zu kopieren – aber stets ihren Kern erhält.

Und, auch nicht ganz unwichtig: Auch Dweezil Zappa hat einen tiefgehenden Streit mit dem „Zappa Family Trust“ (ZFT), der unter der Führung der Zappa-Witwe Gail ja lange versucht hat, den Organisatoren der Zappanale Knüppel zwischen die Beine zu werfen. So verhindert der ZFT gerichtlich, dass Dweezil weiter unter dem Namen „Zappa plays Zappa“ auftritt. Deshalb tourt er jetzt unter dem Motto „Dweezil Zappa Plays Whatever the F @%K He Wants“. Kein Wunder, dass der Beifall nochmals richtig laut wurde, als Zappa die Fans im Zelt mit den Worten „Ich bin hier, weil meine Mutter nicht hier ist“ einstimmte.

Dann ging es beim „Meet and Greet“ mit Moderator Jim Cohen aber auch um Musik von Frank Zappa und um dessen sozialkritische Haltung. Ob er, Dweezil, denn auch so ein politischer Mensch sei, wollte Cohen wissen. Nein, so die Antwort. Er habe sich immer auf die Musik konzentriert. „Ich wollte nie mein Vater werden. Ich habe auch nie einen Bart wie er getragen“, so der 48-Jährige. Er sei kein politischer Mensch.

Aber er ist ein herausragender Musiker. Mehr als drei Stunden lang spielte Zappa dann vor der untergehenden Sonne die Musik, wegen derer die rund 1800 Fans erneut an die Ostsee gepilgert waren. Beginnend mit Songs aus dem Album „Freak out“ (1966) und dem Film „200 Motels“ (1971) ging er rasch über zu Stücken aus den späten 1970er- und 80er-Jahren. „The Meek shall inherit nothing“ gab’s in einer A-capella-Version, und bei Stücken wie „Teenage Wind“, „Montana“ und „Zombie Woof“ zeigte die hervorragende sechsköpfige Begleitband, dass sie nicht nur gut mehrstimmig singen kann. Vor allem Scheila Gonzalez (Saxophon, Keyboards, Gesang) bekam zurecht häufig Szenenapplaus.

Und nach zwei Stunden kam dann das, worauf wohl die meisten gewartet und vertraut hatten: Ike Willis betrat die Bühne. Willis hat mit Frank Zappa zahlreiche Alben aufgenommen und war viele Jahre lang die Stimme auf Platten, CDs und Bühnen. Und mit Stücken wie „Doreen“, You are what you is“ und „Wet T-Shirt Night“ gab Dweezil ihm die Chance zu zeigen, dass er es noch drauf hat. Kurz nach Mitternacht und nach vier Zugaben – als letztes Stück gab es „Muffin Man“ – entließ der Zappa- Sohn die begeisterten und vom Tanzen, Mitsingen und Luftgitarre-Spiel erschöpften Fans in die Nacht.

So mancher Zappanale-Besucher mag sich nun fragen, wie die Macher des Festivals diese 28. Ausgabe toppen wollen, wenn in zwei Jahren die 30. Ausgabe ansteht. Sicher ist: Die Musik von Frank Zappa lebt – nicht nur, wenn Dweezil spielt, sondern auch in der Arbeit der vielen Gruppen, die ebenfalls auf dem Gelände an der Galopprennbahn in Bad Doberan spielten. „Caballero Reynaldo“ aus Spanien, „Polka Streng“ und „Studio Dan“ aus Österreich zeigten, wie sie die Musik des Meisters interpretieren – und Gruppen wie „Hildegard lernt fliegen“ aus der Schweiz betten Zappa in ganz neue Zusammenhänge ein. Zappanale 30? Wir werden es erleben – und bestimmt würde sich kein Zappa-Fan beschweren, wenn Dweezil dann wieder nach Bad Doberan kommen würde. Immerhin: Ehrenmitglied der „Arf Society“, dem Verein, der die Zappanale trägt, ist er jetzt. Andreas Hess

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