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Kultur im Norden "Die Zauberflöte": Vom ewigen Zauber der Liebe
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12:02 18.04.2018
Johan Hyunbung Choi als Papageno und Evmorfia Metaxaki als Pamina in der „Zauberflöte“. Quelle: Malzahn
Lübeck

Was ist die „Zauberflöte“ eigentlich – eine Oper, ein Singspiel oder gar ein Musical? Tom Ryser: „Von allem etwas, das macht auch einen Teil ihrer Beliebtheit aus. Außerdem gibt es in diesem Werk wunderbare bekannte Melodien, die Handlung ist ziemlich leicht zugänglich, auch wenn sie häufig unlogisch ist.“

Die Handlung ist eine krude Mischung aus Freimaurer-Symbolik und Alt-Wiener Zaubertheater. Mozart verließ mit der „Zauberflöte“ dann auch den höfischen Bereich und schrieb erstmals für ein Vorstadttheater – Wolfgang Hildesheimer nannte das „Mozarts letzten verzweifelten Versuch, Geld zu verdienen“. „Die Zauberflöte“ ist dennoch unverwüstlich. Man hat sie als Comic inszeniert, im Zirkus und auf fast leerer Bühne, all dies hat der Oper nicht wirklich geschadet.

Welche Vorstellungen hat Tom Ryser von der „Zauberflöte“? „Ich kann erst einmal sagen, was man bei uns nicht sieht, und das sind Palmen und Pyramiden. Die ganze Freimaurersymbolik spielt bei uns keine Rolle. Es geht in diesem Stück um Macht und um Liebe, das wollen wir zeigen.“

Unklar ist auch die Frage, wer eigentlich das Gute und wer das Böse verkörpert – die Königin der Nacht oder der Priesterkönig Sarastro? Tom Ryser: „Das ist auch nicht eindeutig zu sagen, beide haben ihre guten und ihre schlechten Seiten. Das ist immer wieder faszinierend. Wir beginnen die Inszenierung mit der Hochzeitsfeier von Tamino und Pamina. Tamino schläft ein und träumt die ganze Geschichte. Die Königin der Nacht ist bei uns eine moderne Frau, die sich von Sarastro betrogen sieht und ihr Erbe beansprucht. Dafür tut sie alles.“

Wenn Tamino erwacht, begegnet ihm der „Naturmensch“ Papageno – eine ganz besondere Figur. In Lübeck wird er von Johan Hyunbung Choi gesungen. Der ist Koreaner – und spricht auch Koreanisch. Tom Ryser: „Tamino erwacht nach der Begegnung mit der Schlange aus seiner Ohnmacht in einer fremden Umgebung – das können wir so auch sprachlich verdeutlichen.“

Goethe höchstpersönlich hat davon gesprochen, einen zweiten Teil der „Zauberflöte“ zu schreiben, dazu ist es leider nicht gekommen. Vielleicht hätten bei Goethe Tamino und Pamina eine glückliche Ehe geführt, vielleicht auch nicht. Ein Comeback der Königin der Nacht wäre auch nicht ausgeschlossen, Meuterei gegen Sarastros Diktatur auch nicht.

Aber das sind nur Gedankenspiele, wir müssen uns mit der Fassung von Mozart und Schikaneder begnügen. Am Ende aber finden sich auch bei Tom Rysers Reise in die Märchenzeit die beiden Paare, Sarastro hat triumphiert, und Tamino erwacht auf seiner eigenen Hochzeit – schlauer als vorher. Und wie würde der Regisseur „Die Zauberflöte“ in einem Satz definieren? „Reise zu sich selbst – auf Umwegen.“

Auf der Bühne

Die Zauberflöte feiert am Freitag, 20. April, um 19.30 Uhr Premiere am im Großen Haus am Theater Lübeck.

Das Singspiel von Wolfgang Amadeus Mozart Mozart wurde 1791 im Freihaustheater in Wien uraufgeführt. Es steht mit seinen märchenhaften Inhalten in der Tradition des Alt-Wiener Zaubertheaters.

Weitere Vorstellungen in dieser Spielzeit sind am 28. April, 19.30 Uhr, am 13. Mai um 16 Uhr sowie am 27. Mai und 15. Juni jeweils um 19.30 Uhr zu erleben.

 Jürgen Feldhoff

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