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Die antike Stätte Nimrud verfällt

Nimrud Die antike Stätte Nimrud verfällt

Nach der Sprengung durch IS-Terroristen haben die Aufräumarbeiten noch nicht begonnen.

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Nur wenige bewaffnete Wachmänner schützen die Ruinen der altassyrischen Hauptstadt Nimrud im Norden des Irak.

Quelle: Foto: Dpa

Nimrud. In seinem Zerstörungswahn sprengte der IS die assyrische Königsstadt Nimrud im Nordirak. Seit acht Monaten ist die berühmte Stätte befreit, d och bisher geschieht nichts, um sie zu retten. Nimrud war vor fast 3000 Jahren assyrische Königsstadt, Sitz eines riesigen Palastes, heute ist die Stadt archäologische Stätte auf der Vorschlagsliste für das Weltkulturerbe.

Als die IS-Kämpfer in Nimrud einmarschierten, legten sie die antike Stätte mit Tonnen an Sprengstoff in Schutt und Asche. Die wichtigsten Überreste hatten die Dschihadisten vorher schon mit Bulldozern und Presslufthämmern zerlegt.

Gut möglich, dass die Extremisten kleinere Teile auch verkauft haben, um Geld zu machen. Abu Dschasim, der in der Nähe des Grabungsfeldes wohnt, vermutet sogar, dass der IS Nimrud gesprengt hat, um diesen illegalen Handel zu verschleiern. Jetzt steht Abu Dschasim, der früher bei Ausgrabungen mithalf, zwischen dem, was die Explosion vom Königspalast übrig gelassen hat: Staub, Steine und einige Mauern. Doch für den IS sind solche archäologischen Überreste Symbole des Unglaubens aus der vorislamischen Zeit, die vernichtet werden müssen. Auch in Hatra und Mossul zerstörten die Extremisten, was die Jahrtausende überlebt hatte.

Noch schlimmer wird die Lage, weil die Stätte derzeit ein Drama nach dem Drama erlebt. Mehr als ein halbes Jahr ist es her, dass die Region befreit wurde. Doch bisher hat noch keine systematische Bestandsaufnahme aller Schäden begonnen. Zuständig wäre die oberste Antikenbehörde in Bagdad. Diese aber habe ihren 300 lokalen Mitarbeitern in der Provinz Ninawa bislang nicht erlaubt, die Arbeit wieder aufzunehmen. Weil sie unter dem IS gelebt haben, muss das Innenministerium sie nun zuerst überprüfen. Aber selbst nach acht Monaten hat nicht ein einziger Mitarbeiter eine Genehmigung bekommen.

Hinter der Untätigkeit stecken wohl politische Gründe. Iraks Regierung wird von der Mehrheit der Schiiten dominiert – Nimrud aber liegt im Kernland der Sunniten.

LN

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