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Kultur im Norden „Die barocken Rockstars vereint“
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18:21 06.12.2017

Herr Mayer, Sie sind dem barocken Lebensgefühl lange auf der Spur. Wie ist es zu der Idee Ihres aktuellen Projektes ,Tesori d’Italia’ gekommen?

Sinn für musikalische Entdeckungen: Oboist Albrecht Mayer. Quelle: Foto: Dgg

Wir wollten die Rockstars des 18. Jahrhunderts auf einem Album vereinen. Ich habe schon vor einigen Jahren für mein Album „Lost and found“ sehr viel Recherche betrieben, um vergessene Kompositionen der Mozartzeit, also aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, zu finden. Dabei habe ich festgestellt, dass viel mehr Stücke aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den Bibliotheken liegen als aus der Mozartzeit. Die hatte ich damals schon für ein Folgeprojekt beiseite gelegt und jetzt wieder hervorgeholt.

Welche Entdeckungen haben Sie gemacht?

Ich habe einige wunderbare Stücke ausgegraben – barocke Raritäten, die mehr oder minder vergessen im legendären Schrank II der phänomenalen Musikalien-Sammlungen der Sächsischen Staats- und Landesbiliothek Dresden in einem Dornröschenschlaf lagen. Zum Beispiel drei Konzerte von Giuseppe Sammartini, einem der größten Oboisten seiner Zeit, der es ohne Weiteres mit Händel und Vivaldi aufnehmen kann. Sensationell ist auch das Oboenkonzert von Domenico Elmi, über den uns heute praktisch nichts bekannt ist. Dieses farbenreiche und mitreißende Konzert war daher eine echte Entdeckung für mich, und es ist mir eine besondere Freude, es nun in Weltersteinspielung vorlegen zu können. Ähnlich ist es mit Alberto Ristori, den heute selbst Musik-Experten nicht kennen, der nach Dresden ging und als Kollege von Johann Georg Pisendel und Johann Adolph Hasse gearbeitet hat. Natürlich darf aber auch der Super-Rockstar von allen, Antonio Vivaldi, mit seinem Prachtstück der Barockmusik, dem Oboenkonzert in C-Dur, nicht fehlen.

Was verbindet die Komponisten?

Alle Komponisten waren Italiener, die in ganz Europa gehört wurden und zum Lebensgefühl und zur kulturellen Vielfalt beitrugen. Alle waren auf der Suche, um etwas zu lernen und einen neuen Stil hinaus in die Welt zu tragen. Sie waren viel auf Reisen, wurden von einem Königshof zum nächsten geholt, waren international gefragt und wurden vielfach kopiert. Denken Sie an Vivaldi, der von Bach mehr als einmal kopiert wurde.

Wie ist es zur Zusammenarbeit mit ,I Musici di Roma’ gekommen?

Ich kenne ,I Musici di Roma’ bereits seit ich Kind bin und habe sie in den 1970er Jahren rauf und runter gehört. Sie sind allesamt virtuose Spezialisten und eine Instanz auf dem Gebiet des italienischen Barockrepertoires. Die originalgetreue Präsentation von Komponisten wie Albinoni, Corelli, Scarlatti oder Vivaldi ist jeher wesentliches Credo der ‚Musici’, daher habe ich mit ihnen die perfekten Mitstreiter gefunden. Im Laufe der Jahre sind sie Freunde geworden, mit denen ich schon viele Konzerte spielen durfte.

Sie kommen gerade von der letzten Asien-Tournee der Berliner Philharmoniker mit Simon Rattle zurück und werden nun bis eine Woche vor Heiligabend mit Ihrem neuen Programm auf Tournee sein.

Was sagt Ihre Familie dazu?

Ich habe ja viele Jahre meines Lebens als Junggeselle gelebt und konnte mich ausleben. Jetzt bin ich leidenschaftlicher Familienvater, koche sehr viel, wenn ich zu Hause in Berlin bin, versuche im Haushalt nützlich zu sein. Wenn ich solistisch oder mit dem Orchester unterwegs bin, versuche ich jeden Tag ein kleines Video an meine Tochter und meine Frau zu senden, damit man auf diesem Weg Teil am Leben des anderen hat.

Interview: Andrea Guballa

Am Sonnabend im Lübecker Dom

Albrecht Mayer ist ein deutscher Oboist und hat in seiner langen Karriere bereits viele CDs veröffentlicht. Er arbeitete bereits mit Nigel Kennedy und Hélène Grimaud.

Die CD „Auf Mozarts Spuren“ stand über Monate in den deutschen Klassik-Charts.

Konzerte mit Werken von „Tesori d’Italia“

heute um 20 Uhr in Rendsburg in der ACO Thormannhalle

Morgen, 20 Uhr, Hamburg, Elbphilharmonie

Sonnabend, 20 Uhr, Lübeck, Dom

LN

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