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Die geile Meile hat Udo wieder

Die geile Meile hat Udo wieder

Premiere mit Prominenz und Panikdresscode für Udo Lindenbergs Musical: Auf der Hamburger Reeperbahn hat der Musiker am Donnerstagabend den Start seiner Show „Hinterm Horizont“ gefeiert.

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Udomania vor der Kulisse des Atlantic-Hotels: Hauptdarsteller Alex Melcher (Mitte) mit Panik-Ballett – am Ende kam sogar die Nachtigall leibhaftig auf die Bühne.

Quelle: Fotos: Dpa

Am Ende kommt der echte auf die Bühne. Udo Lindenberg, leibhaftig. Dabei war er in den vergangenen drei Stunden auch auf der Bühne: in Filmaufnahmen, etlichen Lindenberg-Doubles und mit Udo-Darsteller Alex Melcher, der mit seinen Zappel-Schritten, Mikrofon-Wirbeln und vernuschelten Songs streckenweise echter wirkt als das Original. Und als sie dann alle auf der Bühne stehen auf der Reeperbahn nachts um halb elf, da feiert sich Hamburg selbst mit dem Musical „Hinterm Horizont“ – bei der Premiere im Operettenhaus.

LN-Bild

Hamburg feiert sich mit dem Lindenberg-Musical „Hinterm Horizont“ im Operettenhaus.

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Vor dem furiosen Finale wird allerdings erst mal eine Epoche der Weltgeschichte abgearbeitet, nämlich die des Kalten Krieges, und dit wird ville barlinert, wa. Originalaufnahmen vom Mauerbau 1961 gibt’s als Intro, es folgen Szenen von Udos erstem und einzigen Auftritt 1983 in Ostberlin im „Palast der Republik“. Damit beginnt die Geschichte vom „Mädchen aus Ostberlin“ – ein Lied, mit dem der Panikrocker schon 1973 gegen die deutsche Teilung angesungen hatte. Eine teils autobiografische und teils fiktive Geschichte bringen die Macher rund um den Rockstar auf die Bühne. Der Star Udo und Jessy aus’m DDR-Plattenbau verlieben sich, sind durch die Mauer gtrennt, verbringen eine heiße Nacht in Moskau und werden von den Stasi-Kontrolettis natürlich beschattet. Es folgen ein Kind, eine verkorkste Ehe – und das Wiedersehen nach dem Mauerfall.

Wie bei der Berliner Inszenierung, die fünf Jahre lang am Potsdamer Platz lief, führt St.-Pauli-Theater-Intendant Ulrich Waller Regie. Die Rolle des Udo übernimmt der musical-erfahrene Alex Melcher, der auch schon als Udo in Berlin spielte. Ursprünglich war Serkan Kaya für die Premiere besetzt, doch er stürzte bei Proben von der Kulisse, einem überdimensionalen Udo-Hut, aus fünf Metern ab. Es gehe ihm aber schon wieder besser, heißt es.

Die Ostkulisse ist mit Sandmännchen, grünem Ampelmännchen, Stasi, Armee und Plattenbau auf Klischee reduziert, Ostalgie-Klamauk wird durch Originalaufnahmen gebrochen. Aber eigentlich kommt es doch auf die Musik der Nachtigall an, wie Udo sich selbst bezeichnet. Spiel- und Tanzszenen wechseln sich ab, in Erinnerung bleiben Alex Melcher als Jung- Udo und die stimmgewaltige Josephin Busch, die schon in Berlin die Jessy spielte, Boris Böhringer als schnoddriger Berliner und Rainer Brandt als kaltschnäuziger Stasi-Minister. Knapp 30 Udo-Songs sind zu hören, zum Teil in rasanten und originellen Tanzszenen wie etwa bei „Gitarren statt Knarren“ oder „Olga von der Wolga“.

In Hamburg sollte das „Panical“, wie Lindenberg das Musical lieber nennt, „mehr Hambuich“ haben, und so kamen zu den alten Gassenhauern aktuelle Songs wie „Einer muss den Job ja machen“ und „Durch die schweren Zeiten“. Und wenn dann beim Finale vor der Kuppel des Atlantic-Hotels, seit 20 Jahren Lindenbergs Erstwohnsitz, alle zusammen die „geile Meile“ besingen „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ schunkeln, optisch untermalt durch allerlei Kiez-Personal samt einer Table-Dancerin aus Susis Show Bar, dann ist das Musical endgültig angekommen in Hamburg.

Nur einer fehlt noch – und als dann der wirklich wahre Udo mit grazilem Panik-Tanz „Ich mach mein Ding“ singt, stehen die Zuschauer auf, singen und klatschen mit. „Es is’ mega, der Junge vom Kiez is’ wieder zurück“, freut sich der 70-Jährige. „Hier hat 1963 alles für mich angefangen, dieser Straße verdanke ich alles.“ Aber auch wenn der echte Udo in Zukunft nicht vorbeischaut: Für zweieinhalb Stunden ist im Operettenhaus alles klar auf der Andrea Doria. Und danach raus auf den Kiez.

Das wahre Mädchen aus Ostberlin

In der Story „Hinterm Horizont“ mischen sich Autobiografisches und Fiktion. Tatsächlich hat Lindenberg 1972 bei einem privaten Besuch in Ostberlin die dunkelhaarige Manuela getroffen und mit ihr eine Nacht verbracht. Was dann passiert, schildert Lindenberg in seiner Autobiografie „Panikpräsident’“ (Blanvalet-Verlag). Nach dem Mauerfall stellte sich heraus, dass sie von der Stasi auf ihn angesetzt worden war. Sie soll drei Kinder haben, der Älteste soll Udo heißen. Die wahre Identität hat Udo Lindenberg allerdings bislang nicht verraten.

Bis zum Sommer 2017 hat der Konzern Stage Entertainment das Musical im Operettenhaus am Spielbudenplatz auf der Reeperbahn angesetzt. Lindenberg selbst glaubt allerdings, dass das Stück länger läuft. „5 plus", lautet sein Tipp – fünf Jahre habe er auch für Berlin vorausgesagt.

Mehr Infos und Tickets: www.stage-entertainment.de

 Petra Haase

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