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Kultur im Norden Die ideale Carmen
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19:23 07.07.2016

Wenn Milana Butaeva auf die Bühne kommt, steht sie im Mittelpunkt – selbst wenn sie auf ihren Einsatz noch warten muss. Bei den Eutiner Festspielen gibt sie zum zweiten Mal nach 2013 die Titelrolle in Bizets Oper „Carmen“, eine glamouröse Partie, und die Mezzosopranistin Butaeva ist die ideale Besetzung, das kann man schon vor der Premiere sagen.

In Moskau geboren, in Eutin beliebt: Milana Butaeva als Carmen.

Die Sängerin gastiert in der vierten Saison auf der Freilichtbühne am Großen Eutiner See, und egal, ob sie die Azucena in Verdis „Troubadour“ oder die Amneris in „Aida“ sang – ihre Bühnenpräsenz war stets phänomenal. Ihr strahlendes Lachen, ihre Tränen und natürlich ihre wetterfeste Stimme machen Milana Butaeva zur speziellen Erscheinung abseits der Opern-Klischees. Apropos Wetter, eines der Hauptthemen des Freiluftpublikums: „Es war in den vergangenen Jahren mal kalt, mal stürmisch“, sagt die Sängerin. „Wenn man in seine Partie vertieft ist, merkt man Nässe oder Kälte allerdings fast gar nicht.“

Doch die akustischen Verhältnisse am See fordern die Stimmbänder. Wer gegen das Rauschen der Bäume und auch gegen das große Orchester im Graben bestehen wolle, müsse nicht lauter singen, benötige aber ein großes Volumen, eine obertonreiche Stimme. Und noch etwas ist Butaeva wichtig: „Für die Carmen – und viele andere Opernrollen – braucht man nicht nur einen großen Tonumfang, man muss auch die entsprechende Optik mitbringen und als Darstellerin das Publikum von der Figur überzeugen.“ Gerade Carmen bestehe eben nicht nur aus dem musikalischen Part, sondern auch aus provokantem Auftreten. „Sie tanzt, sie jubiliert, sie lebt jede Sekunde, ohne an die Folgen zu denken“, sagt die Sängerin. „Aber da ist trotzdem nichts Vulgäres dabei.“

Milana Butaeva wurde in Moskau geboren. Sie hat dort Chorleitung und Schauspiel studiert. In Hannover machte sie ihr Diplom in Operngesang, hier lebt sie immer noch mit ihrer Familie. Im Dezember wird sie wieder in der Jury des Maritim Gesangswettbewerbs in Timmendorfer Strand sitzen. An der Staatsoper Hannover ist sie als Hexe in Humperdincks „Hänsel und Gretel“ besetzt. „Diesmal mit meinen beiden Kindern, die im Chor singen.“ Die sieben und neun Jahre alten Töchter waren auch bei Proben in Eutin dabei.

Wie ist es für die Mädchen, ihre Mutter als erotische Carmen auf der Bühne zu sehen? „Nachdem meine große Tochter in einer Szene einen angedeuteten Kuss zwischen mir und dem Sänger des José gesehen hat, drohte sie: ,Ich werde alles dem Papa sagen.‘ Aber das war natürlich ein Scherz.“ Premiere „Carmen“: heute, 20 Uhr.

mib

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