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Die intime Beziehung des „Afthekers“ zu Ilse

Lübeck Die intime Beziehung des „Afthekers“ zu Ilse

Die Niederdeutsche Bühne Lübeck startet ihre Spielzeit in den Kammerspielen mit einem Schwank zu Börsen- und Ehekrise.

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Komplizen unter sich: Günter Lüdtke (l.) als Sanitätsrat Lauprecht und Torsten Bannow als Apotheker Ohmsen.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. Lübeck. Bei Asterix gibt es Tullius Destructivus, eine teuflische Figur. Wo er auftaucht, herrschen bald Streit und Missgunst. Er sorgt flächendeckend für schlechte Laune. Sogar die Gallier gehen aufeinander los. Ähnlich ist es mit Peter Ohmsen, einem Apotheker mit geheimen Machenschaften, aber der kann eigentlich gar nichts dafür.

„He dröömt vun Ilse“ heißt das neue Stück der Niederdeutschen Bühne Lübeck (NBL), das am Dienstag in den fast ausverkauften Kammerspielen des Theaters seine Premiere feierte. Es ist ein Schwank vom Ende der 20er-Jahre, als man Spitzwegs armen Poeten überm Sofa hängen hatte, als es am Telefon noch ein Fräulein vom Amt gab und die große Krise die Börsenkurse auf Talfahrt schickte.

Peter Ohmsen geht mit auf Talfahrt. Er hat Aktien gekauft, um einen schönen Reibach zu machen und seiner Frau Irma (Anne-Katrin Grage) etwas gönnen zu können. Leider sind es Aktien von „Ilse Bergbau“, die abstürzen und der „Ilse“ wegen zu schweren Verwicklungen und Kalamitäten führen. Am Ende steuern und reden alle zielgenau aneinander vorbei, aber es wird dann doch noch alles gut.

Torsten Bannow spielt den „Aftheker“ als einen Hallodri, der gar nicht weiß, wie ihm geschieht, als die Börsenkurse purzeln und ihn die Leute in seiner Umgebung plötzlich für einen ehebrechenden Halunken halten. Als er nach einem Hamburg-Abend mit Freund Adelbert ziemlich angeschickert nach Hause kommt, läuft Bannow zu großer Form auf. Auch im Zusammenspiel mit Robin Koch als jungem Rechtsanwalt Doktor Knüppel kriegt die von Karsten Bartels inszenierte Geschichte Schwung.

Günter Lüdtke, Vorsitzender und Spielleiter der Niederdeutschen, steht auch als Schauspieler auf der Bühne. Er gibt den Sanitätsrat Lauprecht mit der Gelassenheit eines Ehemanns, der weiß, wann er seiner Frau Amalie (Antje Wendtorff) das Feld überlassen sollte. Amalie durchleuchtet wie eine niederdeutsche Miss Marple mit Standesbewusstein die mutmaßlich durchtriebenen Geschäfte ihres Schwiegersohns Ohmsen und öffnet auch schon mal fremde Telegramme, wenn es der Wahrheitsfindung dient. Dass ihr Mann ihr eine „Radikalkur“ verschreibt, kann da überhaupt nicht schaden.

Am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf, was wenig überrascht beim Boulevard, auch beim niederdeutschen. Jeder kriegt jemanden ab, Tochter Paula (Helen Maas) ebenso wie Luise Wachtel (Alice Soetbeer) und „Lindemännchen“ (Dieter Koglin). Nur Christa Walcyk als Haushälterin Christine bleibt das „Kintopp“.

Nach der Vorstellung wurde Gerd Meier für sein 40. Bühnenjubiläum geehrt. Er hat etwa 80 Rollen gespielt und 142 Stücke ins Niederdeutsche übersetzt, sagte NBL-Geschäftsführer Hans-Albert Tausendfreund, „und ein Ende ist nicht abzusehen“. int

Die nächsten Vorstellungen: 25. und 27. Oktober, 2. November (jeweils 20); ebenfalls am 30. Oktober um 15 Uhr.

LN

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