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Die lustigen Mühen des Polizeialltags

Lübeck Die lustigen Mühen des Polizeialltags

„Minsch sien mutt de Minsch“: Premiere der Niederdeutschen Bühne Lübeck.

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Polizist Wilke tröstet Friedel.

Quelle: Roeßler

Lübeck. In einer Zeit, in der es sogar in Polizeistationen noch ganz und gar gemütlich zuging, spielt die Komödie „Minsch sien mutt de Minsch“. Am Theater Lübeck feierte der Klassiker von Günther Siegmund eine vom Wind verwehte Premiere: Bei der Aufführung der Niederdeutschen Bühne Lübeck blieben einige Plätze leer.

Während es draußen also stürmt und der Wind hörbar durch die Kammerspiele pfeift, ist es in Polizeimeister Wilkes Reich schön ruhig. Doch die Welt da draußen schickt Störenfriede vorbei: Der Pastor sorgt sich um die Moral seiner Schäfchen. Ein Dieb klaut Witwe Wiggers zwei Hühner. Eine Nacktbaderin, der man das Kleid gestohlen hat, hockt verschämt hinter der Reviertür. All das hakt Wilke flott ab mit praktischem Täter-Opfer-Ausgleich, Schnellurteil — und viel Schnaps. Als jedoch Gemeindediener Martin eine Leiche findet, schwant dem Polizeimeister Ungemach. Die Kripo soll doch anderswo Staub aufwirbeln, Martin die Leiche bitteschön der Polizei im Nachbarort vor die Tür „swuppdiwuppen“. Natürlich geht der Plan nicht auf. Zudem hat jemand Wilke wegen seiner entspannten Dienstauffassung verpfiffen, ein „Undercover-Agent“ ermittelt schon.

In dem Verwirrspiel tragen die Schauspieler dick auf: Torsten Bannow als hölzerner Oberwachtmeister, der die Vorschriften liebt. Dieter Koglin pocht als „Paster“ auf Moral und Anstand, aber seine roten Bäckchen leuchten doch dann besonders, wenn die Schnapsflasche kreist. Und das tut sie so häufig, dass Polizeimeister Wilke (Wolfgang Max Reimer) ordentlich Schlagseite bekommt.

Regisseur Karsten Bartels hat den detailverliebten Text mutig zusammengestrichen, aber die Komödie hat immer noch ihre zähen Momente. „‘N büschn behäbig das Ganze“, hört man in der Pause — und freut sich über die Schlusspointe. Das Publikum verabschiedet das Ensemble nach diesem Lacher mit doppeltem Applaus, denn Dieter Koglin wird für sein 25-jähriges Bühnenjubiläum geehrt.

Sabine Räth

LN

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