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Diese „Meute“ spielt Techno

Hamburg Diese „Meute“ spielt Techno

Trompete, Tuba und Trommel sind nicht immer nur Ufftata: Die Blasmusik-Kapelle „Meute“ aus Hamburg spielt Techno. Und ihr gelingt damit eine Überraschung.

Eigentlich sind sie elf: Aber die Formation wechselt immer mal wieder. Die Band „Meute“ aus Hamburg.

Quelle: Ole Hoffmann

Hamburg. Mit Blasmusik ist das ja so eine Sache. Kann man mögen, muss man nicht. Die meisten aber, zumindest die, die das Feuilleton der „Zeit“ regelmäßig lesen, werden wohl sagen: Geht nicht, geht gar nicht, geht so wenig wie Volksmusik, geht so wenig wie Country.

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Trompete, Tuba und Trommel sind nicht immer nur Ufftata – Die Blasmusik-Kapelle „Meute“ aus Hamburg spielt Techno – Und ihr gelingt damit eine Überraschung.

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Das Leben aber wäre langweilig, würde man nicht hin und wieder mit seinen Vorurteilen brechen und ein paar Schubladen aufräumen. Die Marching-Band „Meute“ etwa sieht aus wie eine Blaskapelle (Trompeter, Saxofonisten, Posaunisten, Tuba- oder Sousafon-Spieler und ein paar Schlagwerker samt tragbarem Vibrafon) –, macht aber House und Techno. Und zwar so erfolgreich, dass sie seit Monaten ausgebucht ist; seit Wochen eilt die ausschließlich männerbesetzte Truppe von einem Festival zum anderen. Interview? Keine Chance. Keine Zeit. Termine, Termine. Schade.

Derweil explodieren im Internet die Klickraten. Aktuell knapp 20000 Follower bei Facebook versammelt die „Meute“; vor knapp einem Jahr waren es gerade ein paar Hundert, aber da waren die Uniformen der Bandmitglieder auch noch dunkelblau statt rot, und überhaupt steckt man noch irgendwie in den Anfängen. Im Januar aber erschien dann das erste Video, und es reichte, um einen Hype zu produzieren. Der Film wurde innerhalb weniger Wochen mehr als eine halbe Million Mal geklickt, das Fernsehen kam, der „Spiegel“ berichtete, die „Zeit“ auch (im Hamburg-Teil, nicht im Feuilleton), am kommenden Wochenende spielen sie bei Ina Müller zur 100. Sendung. Es ging von Null auf 100, auf 1000, das Ganze: ein Bigmärchen, fast so gut wie das vom amerikanischen Tellerwäscher und viel besser als das Happyend einer Castingshow – nämlich handgemacht und ohne doppelten Bohlen.

„Ich habe im Grunde immer in der Tiefe meines Herzens gedacht, dass es Leute interessiert, aber damit hätte ich nie im Leben gerechnet“, sagt Thomas Burhorn, Trompeter und „Meute“-Gründer gegenüber „Spiegel-Online“ – und erklärt seine Motivation gleich mit. Die Musik sichtbar machen zu wollen, darum gehe es, zu „zeigen, dass eine Bassdrum (also die große Trommel) tatsächlich geschlagen wird“ – und nicht ein Computer dahinter steckt.

Elf Musiker spielen bei „Meute“, alles ausgebildete Instrumentalisten. Hamburg ist in ihrem Facebook-Profil als Heimatadresse angegeben, auch wenn die Formation immer mal wieder wechselt, auch wenn einige Bandmitglieder aus Lübeck und der Umgebung kommen. Die Idee jedenfalls ist nach einer durchzechten Nacht entstanden, erzählt Burhorn dem Internet-Portal Laut.de; er wollte Techno- und Klassiker des House-Deep akustisch neu interpretieren, schrieb ein paar Noten, probierte sich aus, mit der Idee stieß er auf offene Ohren, im wahrsten Sinn des Wortes. Das Line Up der jüngsten Zeit:

Fusion Festival, Traumzeit Festival, Rocken am Brocken, Puls open Air und so weiter und so weiter, 13 Konzerte sind es allein im August. Wer sich einmal einen der Mitschnitte der letzten Auftritte anschaut, erlebt experimentierfreudige und gut gelaunte und charmante Musiker, sieht gut gelaunte und charmante Zuschauer, allein das lässt das Herz hüpfen; der Mix groovt, die Musiker springen, sie blasen, sie tanzen, es gibt Momente, da klingen sie, als wäre Blasmusik die leichteste Musik der Welt.

Dass Ufftata mehr sein kann als Volksfeststimmung, bewiesen bereits LaBrassBanda, eine Band aus dem Chiemgau, die mit einem Mix aus traditionellem bayrischen Liedgut und irgendwie allem anderen das erste Mal vor beinahe einem Jahrzehnt für Ekstase sorgte. Sie traten in Lederhosen auf, waren barfuss und auch sonst anders als alles andere, was man mit Volksmusik in Verbindung brachte. Inzwischen haben sie sechs Alben veröffentlicht, immer mal wieder gibt es Auflösungsgerüchte, trotz alledem sind sie noch immer erfolgreich. Verglichen mit deren Erfolg steckt „Meute“ noch in den Anfängen;

nächstes Jahr aber soll ihr erstes Album erscheinen, und was dann passiert, man wird sehen. Konzert-Anfragen über Deutschland hinaus seien jedenfalls da; und einmal gefragt, was er sich vorstellen könnte, sagte Thomas Burhorn: „Eine internationale Tournee wäre ganz schön.“

„Guys you are awesome“, lässt ein Fan die „Meute“ via Facebook wissen. Wer sie live erleben möchte: Am 20. August beim Dockville in Hamburg ist dazu Gelegenheit.

• Im Internet: www.meute.eu/

Auf Tour: Von Ina Müller bis Dockville

Sie haben ein strammes Programm hinter sich, und so geht es auch die nächste Zeit weiter, kaum ein Festival ohne „Meute“. Zu sehen sind sie demnächst auch bei:

Ina Müller – und ihrer 100. Sendung. Termin: Sonnabend, 13. August, im Ersten um 22.55 Uhr. Mit dabei außerdem: die Hip-Hop-Band Beginner u.a. mit Jan Delay und die norddeutschen Shantyrocker Santiano.

Das Dockville-Festival feiert auch – seinen 10. Geburtstag. Neben „Meute“ mit dabei sind Milky Chance und „Die Goldenen Zitronen“. Termin: Freitag, 19. August bis Sonntag, 21.

August. Es sind noch Tages-Tickets erhältlich.

 Marion Hahnfeldt

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