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Diese Scherben bringen Glück

Wismar Diese Scherben bringen Glück

Wismarer Schmuckdesignerin Annett Oberländer verwandelt altes Porzellan in edlen Schmuck.

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Scherben bringen Glück: Annett Oberländer (32) aus Wismar macht Scherben zum schmückenden Hingucker. Fotos (4): Nicole Hollatz

Wismar. Wenn im Freundeskreis ein Teller scheppernd zu Boden fällt, freut sich Annett Oberländer — meist gibt das neues Ausgangsmaterial für ihren Schmuck. In ihrem Atelier wird das, was sonst mit dem Müll entsorgt wird, liebevoll zum Kettenanhänger, Ohr- oder sogar Fingerring. Denn: „Scherben bringen Glück!“

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Scherben bringen Glück: Annett Oberländer (32) aus Wismar macht Scherben zum schmückenden Hingucker. Fotos (4): Nicole Hollatz

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„Die Idee ist wirklich auf einem Polterabend entstanden“, lacht Annett Oberländer. Sie kniete auf einmal zwischen den Scherben, fasziniert von den entstandenen Stücken. „Meine Freundin, die Polterabend hatte, konnte mich kaum von den Scherben wegbringen.“ Annett Oberländer schwärmt: „Das ist ein wunderschönes Material mit Tausenden von Dekormustern, zu schade zum Wegwerfen!“ Aus dem bekannten Zwiebelmuster entnimmt sie einen Ausschnitt und schafft so etwas vollkommen Neues. Die Schleife aus einem ehemaligen Sammelteller — absolut kitschig — wird als Ring zum filigranen Hingucker.

Mittlerweile bekommt sie altes Geschirr zugeschickt. Beispielsweise von Menschen, die sie und ihre Kunst auf einem Kunsthandwerkermarkt erlebt haben. Aber auch von Freunden und Freundesfreunden. „Das spricht sich rum“, so die 32-Jährige. Im Jahr 2010 hat sie ihren Abschluss als Diplomdesignerin an der Wismarer Hochschule gemacht. Sie liebt diesen „gelenkten Zufall“. „Die Scherbe bringt die Form des Schmuckstücks hervor, es kommt immer zu anderen Ausschnitten.“ Manchmal werden die Scherben zur Aktion — sie lässt die Kinder der Freunde die alten Teller, Tassen und Untertassen zerdeppern.

Den daraus entstehenden Schmuck verkauft sie in einigen Wismarer Geschäften, dazu auf Kunsthandwerkermärkten oder über die Internetplattform „DaWanda“ — ihr Markenname dort ist „A-und-O“, wie ihre Initialen. Aber: Leben kann Annett Oberländer von ihrer Arbeit nicht. Seit einem Jahr ist sie selbstständig, jobbt nebenbei als Kellnerin, um sich über Wasser zu halten. „Das wusste ich auch vorher, dass man davon nicht leben kann. Das ist nicht schlimm.“ Sie sagt, sie mache etwas, was sie erfüllt: „Das bin zu einhundert Prozent ich.“

Auf den Märkten erlebt sie manch ein Erstaunen von Gästen, die das Muster auf dem Schmuck wieder erkennen. „Solch ein Geschirr hatte ich auch, als ich noch jung war. Oder: Haben wir das immer noch im Keller?“, fragt sie sich. Selbst Männer, berichtet Annett Oberländer, die sonst nicht so viel mit Schmuck anfangen können, erkennen die Muster und erzählen von ihren Erinnerungen. „Jeder hat gebrauchtes Geschirr und kennt noch die alten Dekore aus Omas Zeiten“, meint sie. Die sind es auch, die die Schmuckdesignerin am ehesten interessiert. Die feinen Muster, die Sammeltassen. Das, was oft in Kellern oder Dachböden dahin vegetiert.

Kurse
Annett Oberländer gibt Schmuckkurse an der Kreisvolkshochschule Nordwestmecklenburg, Arbeitsstelle Wismar. Am 1. und 2. November können Interessierte die ersten Techniken der Schmuckgestaltung lernen.

Infos und Anmeldungen unter http://kreisvolkshochschule-nwm.de oder ☎ 0 38 41 / 32 67.

Die Idee ist wirklich auf einem Polterabend entstanden.“Annett Oberländer, Schmuckdesignerin

Nicole Hollatz

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