Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Distlers Hausorgel erklingt wieder
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Distlers Hausorgel erklingt wieder
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 25.10.2012
Anzeige
Lübeck

Hugo Distler (1908-1942) verließ Lübeck 1937. In der Hansestadt hatte er seine ersten Anstellungen an St. Jakobi und am Staatskonservatorium gefunden. Er wechselte nach Auseinandersetzungen mit den NS-Behörden aus dem Kirchendienst in den Staatsdienst und trat eine Stelle in Stuttgart an der Hochschule für Musik an. Für seine dortige Wohnung ließ er sich von der Göttinger Firma Ott eine Hausorgel bauen, die jetzt zum 70. Todestag des Organisten und Komponisten wieder in einen spielfähigen Zustand versetzt worden ist.

„Dieses Instrument war eine der ersten Hausorgeln in Deutschland“, sagt Arvid Gast, Titularorganist an St. Jakobi und Leiter der Kirchenmusikabteilung an der Musikhochschule. „Ich bin sehr froh, dass wir dieses bedeutende Instrument wieder nutzen können.“ Bevor die Orgel nach Lübeck kam, hatte sie eine wahre Odyssee hinter sich. Von Stuttgart nahm sie Hugo Distler mit nach Berlin, wo er ab 1940 eine Professur innehatte. Nach Distlers Freitod 1942 kam die Orgel nach Linz, nach Kriegsende 1945 nahm Distlers Witwe die Orgel mit nach Bayern, von dort ging sie an die Detmolder Musikhochschule. Nach einem Zwischenspiel an einer katholischen Kirche in Hildesheim kam das Instrument 1957 nach Lübeck und wurde in der St. Jürgen-Kapelle aufgestellt. Von 1976 bis 1992 stand sie dann bis zu einer ersten Restaurierung ungenutzt in St. Jakobi. Im ebenfalls restaurierten Distler-Saal ist sie jetzt wieder in den Originalzustand zurückversetzt worden. „Der alte Lack hatte sich massiv verfärbt“, erklärt die Restauratorin Stephanie Schipper. „Der Lack ist ,krepiert‘, wie es in der Fachsprache heißt. Mein Problem war, einen Lack zu finden, der dem Original entspricht und besser haltbar ist.“ Statt senfgelb ist der Korpus des Instruments jetzt wieder in einem warmen Braun gehalten.

Das Innenleben der Orgel hat sich Reinalt Klein vorgenommen. Der Orgelbaumeister ist angetan von dem Instrument: „Es ist eigentlich die verkleinerte Ausgabe einer Kirchenorgel, ausgestattet mit zwei Manualen, Pedal und 16 Registern. Sie entspricht ziemlich genau dem Klangbild, das Distler in der Tradition der Orgelbewegung vorschwebte, sie geht klangmäßig sogar mehr in Richtung Renaissance als in Richtung Frühbarock. Gestimmt aber ist sie gleichschwebend. Eine sehr gute Orgel, handwerklich und vom Material her gesehen.“ Ermöglicht wurde die Sanierung des Instruments maßgeblich durch die Sparkassenstiftung.

Zum 70. Todestag Distlers gibt es eine Reihe von Gedenkveranstaltungen(siehe Text li.). Er hatte sich am 1. November 1942 das Leben genommen, gut zwei Wochen, nachdem er den Einberufungsbescheid zur Wehrmacht bekommen hatte.

Arvid Gast freut sich darüber, dass Kompositionen Hugo Distlers erhalten sind, die für das nun restaurierte Instrument geschrieben wurden. „Es sind die 30 Spielstücke und die Orgelsonate“, sagt er. „Die 30 Spielstücke werden Studierende der Hochschule aufführen, die Orgelsonate spiele ich selbst.“ Außer bei Konzerten im Distler-Saal soll die Orgel auch im Gemeindeleben der Jakobikirche einen Platz finden. „In diesem Saal hat Distler damals seine Chor-Kompositionen ausprobiert“, sagt Jakobi-Pastor Lutz Jedeck. „Diese Tradition als Chor-Raum und als Ort für Kammerkonzerte werden wir fortführen.“ Dazu gehört allerdings auch eine winterfeste Verglasung des Raumes, die der Lübecker Denkmalschutz noch nicht genehmigt hat.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Fast ein Jahr nach dem überraschenden Abgang von Direktor Jürgen Fitschen sucht das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte auf Schloss Gottorf in Schleswig weiter einen neuen Leiter.

25.10.2012

Das Museumsschiff „Peking“, das zur Zeit in New York liegt, kommt möglicherweise nach Hamburg.

25.10.2012

Der in Hamburg lebende Schriftsteller Ingvar Ambjørnsen wird mit dem norwegisch-deutschen Willy-Brandt-Preis ausgezeichnet.

25.10.2012
Anzeige